Zoff mit Youtuber Asmongold: „Man kann so nicht betrügen, es ist einfach viel zu offensichtlich“
Elon Musk, Chef des Elektroautoherstellers Tesla, und Mehrheitseigner des sozialen Netzwerks X.
Foto: Allison Robbert/AFP Pool via AP/Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, hat in dieser Woche:
- Büroräume in Aussicht gestellt bekommen, die direkt an das Weiße Haus in Washington grenzen – und das als freier, nicht gewählter oder vom Parlament bestätigter Berater des künftigen US-Präsidenten Donald Trump
- mit seiner Firma SpaceX einen riesigen Raketenantrieb erfolgreich mit einem mechanischen Fangarm geschnappt, auch wenn der obere Teil der Rakete explodierte
- einen Streit mit dem erfolgreichen Computerspieler und Youtube-Streamer Asmongold (3,3 Millionen Follower) eskaliert
Der Zoff im Netz scheint in der Aufzählung eher obskur. Doch Musk hat in dem Streit offensichtlich die Rolle als Eigentümer des sozialen Netzwerks X ausgenutzt, um die X-Präsenz des Streamers herabzuwürdigen. Damit begrenzt er genau das, für das er mit der Plattform stehen möchte: völlige Meinungsfreiheit. Musk greift damit eine politisch gleichgesinnte Social-Media-Größe an, die sich auch im Streit noch auf einer Wellenlänge mit dessen politischen Aussagen sieht.
Der Konflikt hat sich an Musks Hobby entzündet. „Meine einzige Freizeitbeschäftigung ist es, Computerspiele zu spielen“, schreibt Musk über sich selbst. Der 53-Jährige berichtet regelmäßig davon, zwei Spiele auf Weltklasseniveau zu beherrschen: Diablo IV und Path of Exile 2 (PoE 2). Beides sind Online-Rollenspiele, in denen die Spieler Phantasiewesen bekämpfen und so Erfahrungspunkte für die eigenen Charaktere sammeln.
Elon Musk spielt „Percy Verence“
Schon lange zweifeln erfahrene Computerspieler daran, wie es möglich sein kann, dass Musk als Manager, Firmeneigentümer und Vater vieler Kinder die Zeit aufbringt, um das vorgegebene spielerische Niveau zu erreichen. Asmongold hatte dann vor einigen Tagen in einem Video Zweifel an den Computerspiel-Fähigkeiten Musks geäußert.
Ein Screenshot aus der PoE-2-Spiele-Session von Elon Musk am 7. Januar 2025.
Foto: WirtschaftsWocheMusk habe in einer von ihm selbst übertragenen Spielesitzung so gravierende Fehler gemacht, dass es unmöglich sei, dass er es ohne fremde Hilfe in die Topliste der PoE-2-Spieler geschafft habe. Der Vorwurf: Musk habe sehr gute Spieler bezahlt, um den von ihnen hochgespielten Account („Percy_Verence“) dann zu nutzen.
„Musk hatte gespielt, als würde ein vermeintlicher Weltklasse-Sprinter nach zwei Metern stolpern“, sagt Lukas Schmid, Chefredakteur des Spieleportals PC Games. „Man kann als erwiesen ansehen, dass Musk nicht so gut spielen kann, wie er es vorgibt.“ Um das Level 97 des gespielten Charakters zu erreichen, müsse man schätzungsweise 50 bis 60 Stunden pro Woche spielen.
Computerspiel gezockt während Talk mit Alice Weidel?
Während des Live-Gesprächs von AfD-Chefin Alice Weidel und Elon Musk am 9. Januar war der umstrittene Spiele-Account aktiv, beobachteten einige Gamer. Ebenfalls unwahrscheinlich, dass Musk dies gleichzeitig zur Gesprächsführung getan hat.
„Wir hatten eine Auseinandersetzung über Direktnachrichten“, berichtet Asmongold über die Reaktion des Milliardärs auf die Einschätzung zu Musks Spielweise. Als Asmongold danach schlafen gegangen sei, habe er sowohl das blaue Twitter-Häkchen besessen als auch eine Hervorhebung als „Gamer“ – „als ich aufgewacht bin, war beides weg“. Starke Indizien dafür, dass Musk direkt darauf hingewirkt hatte, den Account abzustrafen. Nur das blaue Häkchen habe der Account inzwischen zurück, so Asmongold.
Um dem Streamer noch eins auszuwischen, veröffentlichte Musk außerdem einen Teil der zwischen ihnen ausgetauschten Direktnachrichten. Asmongold müsse „seinen Boss um Erlaubnis fragen, bevor er irgendwas machen kann“. Musk belegte die Vorwürfe mit Nachrichten aus dem vergangenen Jahr, in denen der Streamer darauf verwiesen hatte, mit seinen „editors“ Rücksprache zu halten. Doch das Wort hat zwei Bedeutungen: Chefredakteur und Cutter – also jemand, der Videos schneidet.
Musk veröffentlicht Direktnachrichten von Asmongold
Asmongold wollte sich mit den Cuttern besprechen, doch Musk habe das Wort als „Chefredakteure wie bei einer formalen Publikation gedeutet“, so Asmongold. Dadurch wurde er Opfer der gleichen Generalkritik, die Musk fortwährend gegen Medienunternehmen und Redaktionen abfeuert. Das Veröffentlichen der Direktnachrichten sei zudem „schlechte Internet-Etikette“, so der Streamer. Er selbst werde nichts aus dem direkten Austausch mit dem Milliardär veröffentlichen.
Gleichzeitig sieht Asmongold sich in der Pflicht, über Musks Computerspiel-Fähigkeiten zu berichten. „Ich würde [Elon] verraten, wenn ich nicht darüber sprechen würde“, sagt er. Denn schließlich teile man viele gemeinsame Ansichten – und dazu gehöre auch, auf Missstände öffentlich hinzuweisen. „Man kann so nicht betrügen, es ist einfach viel zu offensichtlich“, so das Urteil des Streamers über Musks Computerspiel-Hobby.
Auf X folgt Musk dem Social-Media-Star nicht mehr. Der von Musk vermeintlich hochgespielte PoE-2-Charakter ist mittlerweile im Spiel gestorben.
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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 17. Januar 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.