Ifo-Bildungsbarometer: Schlechte Noten für Deutschlands Bildungssystem
Schlechte Noten in fast allen Bundesländern
Foto: imago imagesDie Zufriedenheit der Deutschen mit dem Schulsystem befindet sich auf einem Tiefstand – eine Besserung ist nicht in Sicht.
Das zeigt das am Dienstag veröffentlichte Bildungsbarometer des Ifo-Instituts, das sieben deutsche Regionen untersucht hat.
Besonders fatal ist die Situation in Nordrhein-Westfalen: Nur 20 Prozent der 5636 Befragten vergeben hier die Noten 1 und 2 für die Schulen.
Am besten schneiden die Schulen in Bayern ab, wo 41 Prozent der Befragten die Noten 1 und 2 vergeben.
Sorgen gibt es in den Schulen viele – eine besonders große ist aber der Lehrkräftemangel, der auf Platz 1 der Herausforderungen für das Schulsystem steht.
Insgesamt halten 77 Prozent der Deutschen den Lehrkräftemangel für ein (sehr) ernsthaftes Problem.
Der Anteil ist in allen untersuchten Regionen sehr groß, am besorgtesten ist aber die Region Mitte-Ost, also Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, mit 82 Prozent. In Nordrhein-Westfalen sind es 79 Prozent, etwas weniger in Bayern mit 74 Prozent.
Die Gründe für den nicht gedeckten Bedarf an Lehrkräften: steigende Schülerzahlen (wegen höherer Geburtenzahlen und Zuwanderung), personalintensivere Anforderungen an die Schulen (wie Ganztag und Inklusion) und zu wenig Lehramtsabsolventen bei hohen Verrentungszahlen, analysiert das Ifo.
Neben dem Lehrkräftemangel zählen der Sanierungsstau bei maroden Schulgebäuden und Lernrückstände durch Corona als die häufigsten Probleme in Deutschland.
Rund zwei Drittel (66 Prozent) der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen halten nicht ausreichend sanierte Schulgebäude für ein (sehr) ernsthaftes Problem. Mit etwas Abstand folgen die Regionen Nord-Ost, also Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, und Mitte-West, also Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, in denen 59 und 58 Prozent der Befragten nicht ausreichend sanierte Schulgebäude als problematisch einschätzen.
Lernrückstände durch Corona werden in allen Regionen kritisch betrachtet. Insbesondere in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (66 Prozent) sowie Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (65 Prozent) sieht die Bevölkerung einen Rückstand nach der Coronapandemie. Aber auch in den Regionen mit den niedrigsten Zustimmungswerten – Nord-West (Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) und Bayern – sehen 58 Prozent coronabedingte Lernrückstände als problematisch.
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die schulischen Mindestanforderungen nicht erreichen, unterscheidet sich dabei regional deutlich: Viertklässler in Bayern und Sachsen schnitten 2021 in Mathe und Deutsch deutlich besser ab als der bundesweite Durchschnitt, während Bremen und Berlin schlechter abschnitten.
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