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SolarbrancheKehraus in der Solarbranche

Der Abstieg deutscher Solarwerte geht weiter. Noch ist es zu früh, auf die Überlebenden zu setzen - selbst wenn inzwischen große Technologiekonzerne die kleinen Spezialisten zurückdrängen.KOMMENTAR von Martin Gerth 19.06.2012 - 06:00 Uhr

Die Gewitterwolken über der deutschen Solarbranche wollen nicht abziehen, die Werte an der Börse fallen in den Keller - Anleger können allerdings trotzdem von der Situation profitieren

Foto: dpa

Der TecDax war zeitweise ein verkappter Solarindex. Inzwischen lichten sich die Reihen. Solon und Q-Cells sind bereits Geschichte. Jetzt hat es Centrotherm erwischt. Das Solarunternehmen aus dem schwäbischen Blaubeuren fliegt aus dem deutschen Technologieindex und kämpft mit neuem Vorstand verzweifelt gegen die Pleite.

Nun fragen sich die Anleger: Wer ist der Nächste, und in wen kann man noch getrost sein Geld stecken? Auch wenn es wenig tröstet, eine einfache Antwort gibt es nicht. Fakt ist, dass es in der Solarbranche Überkapazitäten gibt. Darunter leiden sowohl deutsche als auch ausländische Unternehmen. Die überzähligen Fertigungsanlagen lassen sich auch nicht durch Pleiten einiger kleinerer Unternehmen aus der Welt schaffen.

Fotovoltaik wird verramscht

Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts IMS Research bauten die Solarunternehmen im vergangenen Jahr ihre Kapazitäten um 50 Prozent aus, die Nachfrage stieg aber nur um 35 Prozent. Das drückt auf die Preise: im ersten Quartal 2012 verbilligten sich die Basiselemente von Solarmodulen um 70 Prozent, im zweiten bis vierten Quartal erwartet IMS einen weiteren Preisverfall von 25 Prozent. Fotovoltaik wird zur Billigware. Wer in großen Mengen kostengünstig produziert, kann den Preisverfall leichter verkraften als kleine Anbieter. Auch wenn sich die deutschen Hersteller, dank milliardenschwerer Subventionen, eine Zeitlang als Nabel der Solarwelt fühlten, so waren sie doch nur Mittelständler.

In der Windkraftbranche hat es bereits eine Wachablösung gegeben. Längst geben Großkonzerne wie General Electric und Siemens den Ton bei neuen Großprojekten für Windparks an. Der Einfluss der kleinen Spezialisten schwindet. Ähnliches könnte auch in der Solarbranche drohen. So plant Siemens, nach ernüchternden Erfahrungen mit Solarthermie, verstärkt ins Geschäft mit Fotovoltaik einzusteigen. General Electric will 600 Millionen Dollar ins Solargeschäft stecken und die größte Solarfabrik der USA aus dem Boden stampfen. Zum Vergleich: Solarworld ist derzeit an der Börse nur noch 158 Millionen Euro wert.

Hedgefonds im Spiel

Deutsche Mittelständler dürften bestenfalls erfolgreich einige Nischen verteidigen. Maschinenbauer und High-Tech-Zulieferer könnten zu den Überlebenden gehören. Das ist jedoch reine Spekulation. Entsprechend stark schwanken die Kurse deutscher Solarwerte.

Für Spekulanten bleibt die Solarbranche eine attraktive Spielwiese – solange man auch auf fallende Kurse setzen kann. So verdiente sich der US-Hedgefondsmanager Whitney Tilson im April eine goldene Nase, als er auf fallende Kurse beim amerikanischen Hersteller First Solar wettete. First Solar meldete kurz nach Whitneys Wette einen Gewinneinbruch, die Aktie schmierte ab.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis klar ist, wer den Kehraus in der Solarbranche überleben wird. Das könnten auch Namen sein, die bisher kaum ein Investor auf der Rechnung hat. Noch aber ist Abwarten die beste Strategie.

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