Weniger Gehalt akzeptieren: So vermitteln Sie, warum Verzicht wichtig ist
Das ist passiert
In dieser Woche hat Galeria Karstadt Kaufhof der Gewerkschaft Verdi einen Haustarifvertrag für seine rund 12.000 Beschäftigten vorgelegt. In den Flächentarifvertrag zurückkehren, den das Unternehmen bereits vor längerer Zeit verlassen hat, will das Management nicht. Schon mit dem aktuellen Angebot sei man an die „wirtschaftlichen Grenzen“ gegangen. Galeria steckt aktuell in der dritten Insolvenz und muss sparen. Verdi lehnte das Angebot umgehend ab. Dabei sind Mitarbeiter unter bestimmten Bedingungen durchaus zu finanziellem Verzicht bereit.
Das lässt sich daraus lernen
Nur wer schon im Vorfeld einer Krise ein gutes Miteinander zwischen Management und Belegschaft pflegt, kann in der Not darauf hoffen, dass Mitarbeiter auf Lohn verzichten. Davon ist Kerstin Thummes, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Greifswald, überzeugt. „Wenn im Vorfeld kein Gemeinschaftsgefühl in der Belegschaft verankert wurde, kann die Kommunikation im Krisenfall noch so gut sein“, sagt die Expertin. „Das hilft dann nur noch wenig.“
1. Absolute Offenheit
Die Geschäftsführung muss die Situation nachvollziehbar erklären: Wie ist es zur Krise gekommen? „Und dann muss das Management auch Fehler eingestehen“, betont Thummes. Interimsmanager Ulvi Aydin kennt solche Krisensituationen aus eigener Erfahrung und empfiehlt zudem, einen Plan für die Zukunft zu skizzieren. Wer Mitarbeiter zum Verzicht bewegen will, müsse darlegen, „mit welchem Geschäftsmodell der Turnaround erreicht werden soll.“ Nur in einer Frage sollten die Manager nicht zu konkret werden, mahnt Kommunikationsexpertin Thummes: beim zeitlichen Ablauf. „Ein Ende der Sparmaßnahmen zu benennen, ist zwar wünschenswert, aber frustriert umso mehr, wenn die Zielmarke gerissen wird.“ Lieber eingestehen, dass die Dauer noch nicht absehbar ist. Zur Offenheit gehört auch: zuhören. „Mitarbeiter können dann oft Vorschläge äußern, deren Umsetzung ihnen den Verzicht auf Gehalt erleichtern würde“, sagt Kerstin Thummes. Das kann zum Beispiel mehr Flexibilität bei der Arbeit sein oder andere Dinge, die nichts kosten.
2. Verzicht von allen
„Eine sehr große Rolle“ spielt laut Aydin auch der Verzicht der Geschäftsführung. „Maximal die Hälfte der Bezüge der früheren Top-Manager wären ein starkes Signal an die Mannschaft“, sagt der Interimsmanager. Eine andere Möglichkeit der Führungsmannschaft: das eigene Fixum runterschrauben und den Rest der Vergütung erfolgsabhängig auszahlen. Er selbst habe das in zwei Fällen gemacht. Auf bis zu 35 Prozent habe er sein Fixgehalt gedrückt. „Meine Haltung war dadurch die eines Mit-Unternehmers“, sagt er. Eine solch starke Erfolgsorientierung beim Gehalt verschafft dem Management Anerkennung in der Belegschaft.
Auch andere Bereiche sollten an den Einsparungen beteiligt werden. Bei Galeria etwa werden die Verkäuferinnen und Verkäufer schon seit Jahren unter Tarif bezahlt, die hohen Mieten für die Warenhäuser flossen aber pünktlich. Wer die Belegschaft für Gehaltseinbußen gewinnen will, muss auch mit Vermietern, Lieferanten und Gesellschaftern verhandeln, welchen Beitrag sie leisten können.
3. Schlaue Gehaltskomponenten
Wenn die Mitarbeiter schon viele finanzielle Einschnitte hinnehmen mussten, sei irgendwann die „Bottom-Line erreicht“, wie Interimsmanager Aydin es ausdrückt. Ein Ausweg könnten dann erfolgsabhängige Gehaltskomponenten sein, die bei gleichem Grundgehalt ein Plus ermöglichen. Zwei bis drei einfache Leistungskennziffern könnten dafür ausreichen. Am Beispiel Galeria benennt er dafür etwa die Mitarbeiterzufriedenheit oder die Anzahl der Artikel auf einem Kassenbon.
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