Galeria Karstadt Kaufhof: Liebe Galeria-Mitarbeiter, sucht euch lieber einen neuen Job!

Die künftigen Galeria-Eigentümer würden gerne an jedem Standort einmal pro Monat sonntags öffnen.
Foto: dpaLust auf die Welt des Einzelhandels? Galeria Karstadt Kaufhof hätte da was: nämlich exakt 181 offene Stellen. Vor allem Azubis werden von einem „der führenden Warenhäuser in Europa mit einer langen und erfolgreichen Geschichte“ gerade gesucht. „Bei guter Leistung kannst du nach deiner Ausbildung bei Galeria direkt durchstarten!“, heißt es in den Stellenanzeigen. Also: „Werde auch ein Teil der Galeria-Familie.“
Was soll man als Galeria-Personaler auch schreiben? „Dauerkriselnde Warenhauskette sucht nach dritter Insolvenz übermotivierte Mitarbeiter mit unterdurchschnittlichen Gehaltserwartungen? Perspektive: ungewiss. Werde Teil des Abenteuers!“
Klingt irgendwie nicht so reizvoll, kommt der Sache aber deutlich näher. Denn Lieferanten, Vermieter und andere Geschäftspartner des Unternehmens verzichten bei der heutigen Gläubigerversammlung zwar erneut auf Millionenbeträge und machen so den Weg frei für eine Übernahme von Galeria. Doch damit ist längst nicht sicher, dass auch langfristig eine Rettung gelingt, ganz zu schweigen von einer neuen Blüte des angestaubten Handelsformats.
Die Leidtragenden des Niedergangs
Zu vage ist das Konzept des Investorenduos Bernd Beetz und Richard Baker, zu überschaubar wirken ihre in Aussicht gestellten Investitionen. Und schon in der Vergangenheit sind sie mit dem Versuch gescheitert, Galeria Kaufhof zukunftsfest aufzustellen.
Bislang waren stets die Beschäftigten die Leidtragenden des Niedergangs. Die Verkäuferinnen und Verkäufer in den Filialen wurden jahrelang unter Tarif bezahlt, während die teils allzu üppigen Mieten für die Warenhäuser pünktlich flossen. Gebracht hat die „Lohnzurückhaltung“ wenig: Arbeiteten vor zehn Jahren noch 32.600 Mitarbeiter für Karstadt und Kaufhof, sind es inzwischen 12.800 – und jetzt streicht der Insolvenzverwalter weitere 1400 Stellen, 16 Warenhäuser sollen schließen. Zusätzliche Belastungen sind absehbar: Die künftigen Eigentümer würden beispielsweise gerne an jedem Standort einmal pro Monat sonntags öffnen. Das mag aus Unternehmenssicht richtig sein, aber für die einzelnen Mitarbeiter?
Sie gewinnen durch die Übernahme vor allem Zeit – und damit die Chance, sich in Ruhe nach Alternativen umzuschauen. Gute Leute sind in der Branche gefragt wie selten zuvor. Wie eine Ifo-Konjunkturumfrage vom Februar 2024 ergab, meldeten 32,7 Prozent der Einzelhändler Schwierigkeiten bei der Fachkräftegewinnung. Für unzufriedene Galeria-Mitarbeiter ist das eine Perspektive – und für das Warenhausunternehmen ein weiteres Risiko.
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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 28. Mai bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.