Superreiche: Jeder zehnte Einwohner Millionär: Das ist Deutschlands Reichen-Hauptstadt
Jürg Steffen ist der Mann, dem die Millionäre und Milliardäre vertrauen. Seine Firma Henley & Partners, ansässig in Zürich, vermittelt Superreichen Pässe und Visa. Sie investieren Millionen, etwa in Immobilien – und bekommen dafür einen „goldenen Pass“, der ihnen sorgen- und visumfreies Reisen ermöglicht. Ein Vorteil, denn es kann schon mal sein, dass man schnell mal weg muss in diesen bewegten Zeiten.
Regelmäßig erhebt Henley & Partners Daten darüber, zu wie vielen Ländern bestimmte Pässe die visafreie Einreise ermöglichen. Doch damit nicht genug: Auch die Städte, die ihre Kunden anziehen, hat Steffens Firma jetzt ermittelt. Wo also wollen die Superreichen leben? Und wo sind sie auf dem Rückzug?
Obwohl viele Amerikaner sich nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten um weitere Staatsbürgerschaften bemühen, dominieren die USA die Top-50-Liste. New York ist demnach die bei den Superreichen beliebteste Stadt der Welt: Rund 385.000 Millionäre leben hier. Auf Platz 2 kam die Bay Area mit San Francisco und dem Silicon Valley, wo 342.000 Millionäre leben. Interessanterweise sollen in der kalifornischen Region 82 Milliardäre leben – in New York sind es „nur“ 66. In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Millionäre im Silicon Valley laut Henley & Partners um gut 100 Prozent zugenommen.
Zu den größten Gewinnern der vergangenen zehn Jahre zählen laut der Erhebung die chinesischen Städte Shenzhen (142 Prozent mehr Millionäre) und Hangzhou (plus 108 Prozent). Ebenfalls immer beliebter als Lebensort für Wohlhabende ist das arabische Emirat Dubai (plus 102 Prozent).
Zu den Verlierern zählt die Studie London und Moskau (Platz 40). London habe in den vergangenen zehn Jahren zwölf Prozent seiner Millionäre verloren, aus Russlands Hauptstadt zog sich demnach jeder vierte Superreiche zurück. Sowohl der Brexit als auch der Ukrainekrieg und die Sanktionen des Westens gegen Russland dürften der Grund für den Exodus aus den beiden Städten sein.
Jürg Steffen zufolge haben die urbanen Zentren auf den vorderen Rängen „eine gemeinsame DNA“ – vor allem Investitions-Migrationsprogramme, „die globale Talente und Kapital willkommen heißen.“ Er meint damit vor allem sein eigenes Geschäft, denn Henley & Partners berät nicht nur Superreiche bei der Auswahl der richtigen Destinationen, sondern auch Regierungen bei der Ausgestaltung ihrer Investitions-Migrationsprogramme.
Kein Wunder also, wenn Steffens Firma auch Regionen kürt, denen sie ein besonders großes Wachstumspotenzial zumisst. Die Zahl der „Centi-Millionäre“ – also von Millionären mit einem Vermögen über 100 Millionen US-Dollar – wachse besonders stark in den Vereinigten Arabischen Emiraten: in Dubai und Abu Dhabi. Für beide Städte prognostiziert Henley, dass sich die Zahl der Centi-Millionäre in den kommenden zehn Jahren verdoppelt. Beide Metropolen locken Investoren mit niedrigen Steuern und pragmatischen Einbürgerungsprogrammen.
Die polnische Hauptstadt Warschau sei Europas am schnellsten wachsende Metropole für wohlhabende Menschen, so Henley & Partners. Der Wohlstand habe sich durch boomende Immobilienmärkte und digitale Tech-Unternehmen erhöht.
Und was ist mit Deutschland? In den Top 50 muss man etwas weiter unten schauen. Deutsche Millionärs-Hauptstadt ist demnach die Finanzmetropole Frankfurt auf Rang 19: Hier leben angeblich 80.000 Millionäre, was angesichts der Einwohnerzahl von nicht mal 800.000 eine beachtliche Quote ist: Jeder zehnte Frankfurter ist demnach Millionär. München kommt mit 70.000 Millionären auf Rang 23 – und die Hauptstadt Berlin mit angeblich 28.000 Millionären auf Rang 42.
Wenn man der Logik von Passvermittler Jürg Steffen folgen würde, wäre der Grund für das vergleichsweise bescheidene Abschneiden deutscher Städte klar: In Deutschland gibt es keine Programme, die es internationalen Superreichen ermöglichen, Pässe oder Aufenthaltsgenehmigungen zu kaufen.
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