Bitcoin-Kurs: Jetzt zählt die Marke von 95.000 Dollar
Kryptoanleger haben nach einer längeren Seitwärtsphase mal wieder Grund zur Freude: Der Bitcoin ist am Dienstagabend überraschend und in nur wenigen Stunden deutlich um bis zu fünf Prozent gestiegen.
Zwischenzeitlich notierte der Bitcoin bei rund 96.000 Dollar. Am Mittwochmorgen lag der Kurs leicht darunter.
Von seinem Rekordhoch aus vergangenem Oktober bei etwa 126.000 Dollar ist der Bitcoin noch immer weit entfernt. Er notiert knapp ein Viertel unter diesem Niveau. Doch die jüngste Erholung stimmt Marktbeobachter optimistisch: Mit dem Sprung über die Marke von 95.000 Dollar hat er einen wichtigen Widerstand überwunden. Daran war er in den vergangenen Monaten dreimal gescheitert.
Hauptgrund für die Erholung dürften die am Dienstag veröffentlichten US-Inflationsdaten für Dezember sein, kommentiert etwa Justin Anethan, Research-Chef bei der Investmentfirma Arctic Digital. Die Teuerungsrate lag da bei 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Damit liegt sie zwar noch über der Zielmarke der US-Notenbank Fed von zwei Prozent. Sollte die Inflationsrate aber stabil bleiben, halten es Experten für möglich, dass die Währungshüter nach einer Zinspause die Sitzungen im Januar, März oder Juni für weitere Lockerungen nutzen könnten. Tendenziell profitieren spekulative Assets wie Kryptowährungen von sinkenden Zinsen, weil sie dann relativ zu sicheren Anlagen wie Anleihen attraktiver werden.
Short-Squeeze beim Bitcoin?
Mit dem Kursanstieg ist der Bitcoin wieder deutlich über eine wichtige Chartmarke gestiegen: Der Kurs verläuft nun wieder deutlich über der 50-Tage-Linie, also dem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 50 Handelstage. Diese Linie liegt momentan bei etwa 89.700 Dollar. Darin sehen einige Marktteilnehmer ein positives Signal und erwarten eine Trendumkehr nach oben.
Seit dem Flash-Crash im Oktober, als der Bitcoin abrupt eingebrochen war, notiert er unter diesem Bereich. Ein Garant dafür, dass der Durchbruch nun wirklich eine Trendwende einleitet, ist das aber nicht.
Für die weitere Entwicklung bleibt es für den Bitcoin wichtig, dass er den Bereich von 95.000 Dollar nachhaltig verteidigen kann. Dafür müsste die Nachfrage am Spotmarkt anhalten. Hier kaufen Anleger – vor allem Privatanleger – direkt Bitcoin. Immerhin am Dienstag war dies der Fall: Die Bitcoin-ETFs vermeldeten Nettozuflüsse in Höhe von gut 539 Millionen Dollar.
Zu Vorsicht mahnen jedoch Daten von den Derivatemärkten, wo Anleger mit gehebelten Positionen auf die Entwicklung von Bitcoin und Co. spekulieren. Daten des Analyseunternehmens Coinglass zeigen, dass in den letzten 24 Stunden Short-Positionen auf den Bitcoin mit einem Volumen von rund 270 Millionen Dollar liquidiert wurden. Mit Blick auf alle Kryptowährungen lag das Liquidationsvolumen sogar bei 600 Millionen Dollar.
Strategy und der Beinahe-Rauswurf aus dem MSCI World
Das heißt: Anleger, die auf sinkende Kryptokurse gewettet haben, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Um ihre Position zu schließen, mussten sie Bitcoin und andere Kryptowerte zurückkaufen.
Vincent Liu, Investmentchef von Kronos Research, sieht daher einen „starken Short Squeeze“ als einen wesentlichen Faktor für die jüngsten Kursgewinne. Das bedeutet: Es ist möglich, dass (immerhin Teile) der letzten Kurszuwächse schlicht aus einer technischen Kettenreaktion resultieren – und nicht zwingend aus wirklicher Nachfrage.
Analyst Timo Emden resümiert daher: „Auch wenn der Markt Stärke zeigt, kann von einem nachhaltigen Befreiungsschlag nicht die Rede sein.“
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