Bitcoin mit Rekordhoch: Die Bitcoin-Rally dürfte trotz neuer Rekorde weitergehen
In der Krypto-Welt gibt es keine Pause. Digitalwährungen lassen sich rund um die Uhr handeln. Wer erst nach dem Wochenende in sein Portfolio schaut, dürfte nun eine positive Überraschung erleben: In den vergangenen Tagen sind die Kurse von Kryptowährungen deutlich gestiegen. Innerhalb von sieben Tagen hat der Bitcoin fast zehn Prozent an Wert zugelegt – und ein neues Allzeithoch aufgestellt.
Zum ersten Mal überhaupt notierte die älteste und bekannteste Kryptowährung bei über 125.000 US-Dollar. Der neue Rekordwert steht bei 125.725 Dollar. Am Dienstagmorgen lag der Bitcoin-Kurs bei knapp unter 124.000 Dollar.
Auch andere Digitalwährungen folgten dem Krypto-Pump. Damit beendet der Bitcoin seine wochenlange Schwächephase mit Nachdruck: Nach seinem letzten Rekordhoch im August gab der Bitcoin-Kurs fast 13 Prozent auf teilweise unter 108.000 Dollar nach.
Nun kehrt der Optimismus an die Märkte zurück. „Anleger könnten die 130.000-Dollar-Marke ins Auge fassen“, sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. Diese Einschätzung teilt auch Rachael Lucas, Analystin bei der Handelsplattform BTC Markets, mit Blick auf die Optionsmärkte. Dort können Anleger mit Derivaten auf die weitere Entwicklung von Bitcoin und Co. spekulieren.
Die Stimmung dort sei „bullish“: Rund 60 Prozent der offenen Positionen seien Call-Optionen – also Wetten auf steigende Kurse. Dabei nähmen Anleger hauptsächlich den Bereich von 135.000 bis 150.000 Dollar ins Visier, so Lucas. Investoren halten also ein weiteres Kursplus von bis zu 20 Prozent für denkbar. Diese Situation „spiegelt eine starke Überzeugung wider, aber auch das Risiko von Liquidationskaskaden erhöht sich, wenn die Dynamik nachlässt.“ Das heißt: Wenn die Kurse doch wieder sinken, sind Anleger gezwungen, ihre Position zu schließen – und das könnte den Bitcoin-Kurs drücken.
Für einen weiteren Anstieg beim Bitcoin gibt es aber einige Gründe.
1. Der „Uptober“ nährt neue Hoffnungen
Der Bitcoin ist mit einem neuen Rekordhoch in den Oktober gestartet – und nährt damit erneut ein Narrativ, das in den vergangenen Tagen verstärkt diskutiert wurde: Während August und September historisch die schwächsten Monate für den Bitcoin waren, hat die Kryptowährung im Monat Oktober am besten abgeschnitten. In den zwölf Oktober-Monaten seit 2013 hat der Bitcoin zehn Mal Gewinn gemacht. Im Median lag das Plus bei 21,8 Prozent.
Auch im Folgemonat November konnte der Bitcoin in der Vergangenheit oft überzeugen: Hier liegt der Median-Zuwachs seit 2013 bei 10,8 Prozent. Historische Daten sind natürlich nur bedingt aussagekräftig: Es gibt kein Naturgesetz für Saisonalität – zumal die Frage aufkommt, ob die Kurszuwächse im Monat Oktober nicht zunehmend einer selbsterfüllenden Prophezeiung entspringen.
Jetzt schnappt die Steuerfalle für Krypto-Anleger zu
2. Der Bitcoin als Sicherheitsanker
Lange galt der Bitcoin als Sinnbild für hemmungslose Risiken an den Finanzmärkten. In letzter Zeit ändert sich das Narrativ. Bitcoin wird zunehmend als Schutz vor Inflation gesehen. Der Grund: Anders als Dollar oder Euro, deren Menge die Notenbanken je nach geldpolitischer Lage beeinflussen können, ist die Menge an Bitcoin unveränderlich limitiert. Sein Algorithmus regelt, dass es nie mehr als 21 Millionen Digitalmünzen geben wird. Eine Währung ohne Inflation also.
„Da viele Vermögenswerte wie Aktien, Gold und sogar Sammlerstücke wie Pokémon-Karten Allzeithochs erreichen, ist es keine Überraschung, dass Bitcoin von der Erzählung über die Abwertung des Dollars profitiert“, sagt Joshua Lim, Co-Leiter des Marktbereichs bei der Krypto-Handelsplattform FalconX. Die Dollar-Schwäche gilt als ein zentraler Kurstreiber für Bitcoin und Co.: Anleger flüchten aus der Leitwährung in andere Assets – darunter Bitcoin.
Vor allem in der aktuellen Situation profitiert der Bitcoin, glaubt Geoff Kendrick, globaler Leiter der Forschung für digitale Vermögenswerte bei der britischen Bank Standard Chartered: „Der Shutdown ist dieses Mal von Bedeutung.“ In den USA konnte sich der Kongress bislang auf keinen neuen Haushalt einigen. In der Folge wurde der Regierungsbetrieb auf ein Minimum eingedampft.
Auch Analyst Emden fügt hinzu: „Der partielle Regierungsstillstand in den Vereinigten Staaten spielt Bitcoin in die Karten, da dieser das Vertrauen in die staatliche Stabilität untergräbt und dezentrale Anlagevehikel in einem neuen Licht erscheinen lässt.“ Von den Shutdowns 2018 und 2019 profitierte der Bitcoin nicht. Allerdings hatte der Bitcoin damals noch eine andere Stellung für Investoren.
3. Die Profis kaufen Bitcoin
Dass der Bitcoin kein reines Zockerprodukt mehr ist, zeigt auch das wachsende Interesse institutioneller Investoren. Nicht nur Unternehmen kaufen gezielt Kryptowährungen, sondern auch immer mehr Profiinvestoren. Zunehmend betrachten Investoren den Bitcoin als Ergänzung ihres Portfolios.
Das stützt die Kurse: Diese Marktteilnehmer reagieren tendenziell weniger hektisch als Privatanleger, die gerne dazu neigen, ihre Bestände bei Rücksetzern schnell abzustoßen. Laut Daten der Analyseplattform Coinmarketcap flossen allein in den ersten drei Handelstagen im Oktober fast 2,3 Milliarden Dollar in die Bitcoin-ETFs, die im vergangenen Jahr eingeführt wurden.
Mittlerweile liegen insgesamt gut 161 Milliarden Dollar in den Indexfonds, angeführt von BlackRock – der laut dem Finanzdienstleister Bloomberg der am schnellsten wachsende ETF aller Zeiten ist.
4. Trumps Kryptopolitik bleibt Kurstreiber
Der beste Vertriebspartner für den Bitcoin ist wohl US-Präsident Donald Trump. Seit seiner Amtseinführung hat er diverse Dekrete unterzeichnet, die dem Sektor neue Impulse brachten. Hierzu zählen etwa eine strategische Bitcoin-Reserve, die Trump bereits im März beschlossen hat, und ein umfangreiches Stablecoin-Gesetz. Stablecoins sind Token, deren Wert nicht schwanken soll und die immer einen Dollar (oder einen Euro) kosten sollen.
Solange Trump im Amt ist, können sich Anleger wohl dessen Unterstützung sicher sein – allein weil der Präsident selbst finanziell am Erfolg des Kryptomarktes profitiert und von einer 180-Grad-Wendung abgesehen dürfte.
Allerdings: Die Frage ist, wie viele politische Impulse noch kommen – und wie nachhaltig die bisherigen sind. Trump regiert vor allem über Exekutiv-Anordnungen. Die kann er schnell und in Eigenregie umsetzen. Allerdings könnte der nächste Präsident sie genauso schnell wieder außer Kraft setzen. Hier liegt die Hoffnung für Bitcoin-Anleger darin, dass Krypto noch mehr in den Mainstream wandert und Trumps Amtsnachfolger die Dekrete lieber unangetastet lässt.
Fazit: Viele Argumente sprechen für eine weitere Bitcoin-Rally. Allerdings mahnt gerade das hohe Kursniveau zur Vorsicht, etwa weil Anleger Gewinne mitnehmen könnten. In der jüngsten Vergangenheit hat der Bitcoin nach einer neuen Bestmarke oft im zweistelligen Prozentbereich nachgegeben. Nach der Korrektur hat er diese Marken aber wieder getoppt – und das ist ein Symbol der Stärke.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 6. Oktober. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.
Lesen Sie auch: Nach dem Steuerbeben: Das können Krypto-Steuersünder jetzt tun