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Handelsblatt testet: WohngebäudeversicherungKein Haus ist eine Burg

Hausbesitzer sollten ihr Heim vor Schäden schützen, mindestens vor solchen aus Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Das Ratinghaus Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt Angebote verglichen.Julia Groth 12.11.2016 - 15:35 Uhr aktualisiert Quelle: Handelsblatt

Unwetterschäden an Häusern oder Wohnungen übernehmen Gebäudeversicherungen standardmäßig oft nur teilweise. Immobilienbesitzer sollten daher dringend ihre genaue Vertragsbedingungen kennen...

Foto: dpa

Rund ein halbes Jahr nach den verheerenden Unwettern in Teilen Deutschlands sind noch immer nicht alle Schäden behoben. In vielen Orten laufen nach wie vor Aufräum- und Restaurationsarbeiten. Im Mai und Juni ließ starker Regen vor allem im Süden und Westen des Landes Bäche und Flüsse anschwellen und verursachte schlimme Überschwemmungen.

Die Gemeinde Braunsbach in Baden-Württemberg wurde besonders heftig getroffen: Schlamm und Geröll wälzten sich durch die Straßen und rissen auf ihrem Weg alles mit sich fort. Häuser wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen, viele stürzten ein. Insgesamt verursachten die frühsommerlichen Sturmtiefs versicherte Schäden in Höhe von rund 1,2 Mrd. Euro, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Elvira“, „Friederike“ und Co. ließen auch Diskussionen über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden wieder aufflammen. Durch eine Versicherungspflicht für alle Hausbesitzer würde nach Ansicht der Befürworter das Risiko von Schäden durch Unwetter und andere Naturgewalten besser auf die Versichertengemeinschaft verteilt. Versicherer könnten keine Hausbesitzer ablehnen. Und: Die Beiträge für die Police, bisher in gefährdeten Gebieten oft sehr hoch, blieben bezahlbar.

„Elementarschäden sind ein existenzielles Risiko. Es muss Hausbesitzern finanziell ermöglicht werden, dieses Risiko abzusichern“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Der Versichererverband GDV sieht das anders: Er fürchtet, dass bei einer Pflichtversicherung die Prävention gegen Elementarschäden auf der Strecke bleibt. Am 17. November wollen die Justizminister der Länder auf ihrer Herbstkonferenz einmal mehr über das Thema beraten.

Hausbesitzer schließen in der Regel eine Wohngebäudeversicherung ab. Wer sein Eigenheim per Kredit finanziert, kommt um eine solche Police kaum herum. „Banken erwarten bei der Kreditvergabe, dass sich Hausbesitzer um Versicherungsschutz kümmern“, sagt Boss. Auch ohne Kreditfinanzierung sei eine Wohngebäudepolice sinnvoll: „Sie gehört zu den existenziellen Versicherungen.“ Schäden am Haus lassen sich nicht aus der Kaffeekasse bezahlen. Welche Risiken abgesichert sind, variiert je nach Anbieter und Tarif. Probleme durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel sollten auf jeden Fall berücksichtigt sein, rät Boss. Bei vielen Wohngebäude-Policen sind Schäden durch Naturgewalten allerdings nicht abgesichert. Das führt immer wieder zu Ärger zwischen Versicherern und Kunden.


Produkt der WGV-Versicherung schneidet gut ab

Das Ratinghaus Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt Wohngebäudeversicherungen verglichen. Bei allen untersuchten Tarifen sind Elementarschäden für einen Musterfall abgesichert, zudem Aufräum- und Abbruchkosten, Schäden an Ableitungsrohren auf dem Grundstück sowie außerhalb des Grundstücks, Entfernung von Graffiti, Überspannungs- und Leitungswasserschäden.

Als Musterkunden haben die Analysten einen verheirateten Mann mit zwei Kindern gewählt, der eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung vorweisen kann und in Vollzeit angestellt ist. Er will ein zweigeschossiges Einfamilienhaus mit Garage versichern, das im Jahr 2015 gebaut wurde und über 134 Quadratmeter Wohnfläche verfügt. Die Höhe der Prämien variiert von Stadt zu Stadt. Deshalb hat Franke und Bornberg jeweils eine Adresse in Hannover, München, Berlin, Köln und Hamburg gewählt.

Am besten schnitt ein Produkt der WGV-Versicherung ab. Beim „Optimal-Tarif“ zahlt der Musterkunde in Hannover einen Jahresbeitrag von 247,72 Euro, in München 261,99 Euro, in Berlin 225,26 Euro. In Hamburg werden 258,16 Euro fällig, in Köln ist die Police mit einer Jahresprämie von 299,43 Euro am teuersten.

Die Preisunterschiede zum Letztplatzierten sind enorm: Beim „Compact“-Tarif der Alten Leipziger zahlt der Musterkunde je nach Stadt zwischen 376,24 Euro (Berlin) und 501,43 Euro (Köln). Einige Policen sind noch teurer, bieten dafür aber einen besseren Versicherungsschutz. Bei Ergo, HDI, Signal Iduna und Baden-Badener müssen Versicherungsnehmer besonders tief in die Tasche greifen.

Insgesamt vergaben die Experten von Franke und Bornberg neunmal die Note „sehr gut“. Mit achtzehnmal „gut“ und zehnmal „befriedigen“ gibt es ein breites Mittelfeld. Sieben Mal vergaben die Experten die Note „ausreichend“, davon je zweimal an Produkte von Baden-Badener und Volkswohl Bund. Allen Tarifen ist gemein, dass die Anbieter grobe Fahrlässigkeit mitversichern. „Das ist ein wichtiger Punkt für Versicherungsnehmer“, sagt Boss vom BdV. Wer etwa vergisst, den Herd auszuschalten, muss sonst selbst für den Schaden aufkommen, wenn das Haus abbrennt.


Die Testergebnisse im Überblick

Wohngebäudeversicherungen mit Topschutz

Die Angebote beziehen sich auf einen in Vollzeit beschäftigten Familienvater, der ein Einfamilienhaus mit 134 Quadratmetern Wohnfläche plus Garage versichern will.

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