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BruttoinlandsproduktWirtschaft in der Eurozone schrumpft überraschend

Anstatt der erwarteten Stagnation sinkt das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal. Obwohl es dabei deutliche Unterschiede zwischen den Ländern gibt, sehen Ökonomen die Daten als ein schlechtes Omen für den Winter. 31.10.2023 - 13:35 Uhr

Die europäische Wirtschaft ist geschrumpft.

Foto: imago images

In der Eurozone ist die Wirtschaftsleistung im Sommer überraschend geschrumpft. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,1 Prozent gesunken, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mit. Volkswirte und von Reuters befragte Experten hatten im Schnitt eine Stagnation erwartet.

Im zweiten Quartal hatte die Wirtschaft noch um 0,2 Prozent zugelegt. Im ersten Quartal und im vierten Quartal 2022 hatte die Wirtschaft stagniert. Die Daten beziehen sich auf die 20 Länder der Eurozone. Kroatien war zum Jahreswechsel beigetreten. Im Jahresvergleich legte die Wirtschaft im Zeitraum Juli bis Ende September um 0,1 Prozent zu. Volkswirte hatten mit plus 0,2 Prozent gerechnet.

Die Wirtschaftsentwicklung in den großen Ländern der Eurozone zeigte deutliche Unterschiede. So ist die Wirtschaft in Frankreich um 0,1 Prozent und in Spanien um 0,3 Prozent gewachsen. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft um 0,1 Prozent. Die italienische Wirtschaft stagnierte.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Experten sehen in Daten einen Auftakt für eine beginnende Rezession

Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde bleibt die Wirtschaft im Euroraum wahrscheinlich für den Rest des Jahres schwach. Mit weiter zurückgehender Inflation und anziehender Auslandsnachfrage dürfte die Konjunktur demnach in den kommenden Jahren jedoch an Stärke gewinnen.

Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel, sieht in den Daten aus dem Euroraum einen Auftakt für eine beginnende Rezession. „Das konjunkturelle Bild der Euro-Zone sieht alles andere als erbaulich aus. Während in den südeuropäischen Ländern die gutlaufende Tourismussaison dem Schwächesog etwas entgegensetzten konnte, sieht es in anderen Teilen des Währungsraums düster aus.“

„Zahlreiche Belastungsfaktoren sprechen für ein schwaches Winterhalbjahr. Neben der schwachen Weltwirtschaft zählen hohe Energiepreise und Zinsen dazu“, sagt Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, aber: „Ein Konjunkturabsturz zeichnet sich weiterhin nicht ab.“

Im laufenden vierten Quartal stehen die Zeichen jedoch noch auf Abschwung: Im Oktober beschleunigte die Wirtschaft im Euroraum ihre Talfahrt. Der monatlich erhobene S&P-Einkaufsmanagerindex sank auf 46,5 Zähler und entfernte sich damit noch weiter von der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das Barometer fiel auf den tiefsten Stand seit rund drei Jahren.

Lesen Sie auch: Warum die Europäische Zentralbank eine Verschnaufpause einlegt

dpa, rtr
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