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Togo „Als Unternehmer braucht man Inspiration“

Daimler ist mit car2go in China gestartet. In Beijing bietet das Start-up Togo bereits seit einem halben Jahr Carsharing mit Smarts an. Idee und Konzept sind vom Stuttgarter Unternehmen kopiert, sagt Gründer Wang Lifeng. Das versteht der 36-Jährige vor allem als Chance.

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Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

Herr Wang, vor einem halben Jahr haben Sie Togo gegründet. Der Name klingt nicht nur wie das deutsche Unternehmen car2go, Sie setzen auch Smarts ein und haben ein vergleichbares Miet-Konzept.

Wang: car2go war definitiv das Vorbild für Togo. Die Idee ist als Kopie gestartet. Als Unternehmer braucht man Gründergeist, aber auch Inspiration. Jetzt arbeiten wir mit der Idee und machen sie besser als ihr Vorbild.

Zur Person

Woher kennen Sie das Konzept?

Als ich in Toronto studiert habe, hatte ich selbst keinen Führerschein. Aber meine Freunde sind alle mit car2go unterwegs gewesen. Zudem habe ich die Entwicklung des Unternehmens in den Medien verfolgt und mich mit Mitarbeitern von car2go in China getroffen.

Die Chinesen kaufen wie verrückt Autos. Wieso glauben Sie, dass Carsharing in China erfolgreich sein wird?

Mobilität hat sich in China verändert. Vor allem bei jungen Menschen. 70 Prozent unserer Kunden sind nach 1985 geboren. Sie sind auf der Suche nach Freiheit und einem nachhaltigeren Lebensstil. Ich bin seit zehn Jahren im Internet-Geschäft in China unterwegs und habe vor Togo zwei Unternehmen gegründet. Das Modell von Togo verstehe ich vor allem als Zwischenschritt. Aktuell müssen die Kunden noch selbst fahren. Langfristig liegt die Zukunft aber im autonomen Fahren. Da können wir zum Vorreiter werden.

Wie sich Carsharing auf die Nutzung anderer Verkehrsmittel auswirkt

Was hält die Stadt von Ihren Plänen?

Die Stadtregierung in Beijing und auch die lokalen Verkehrsbehörden unterstützen unsere Idee. Sie haben allerdings auch zum Ausdruck gebracht, dass sie hoffen, dass wir in Zukunft auf Elektroautos und lokale Marken setzen. In diese Richtung werden sicher auch Gesetze folgen.

Wie viele Kunden hat Togo aktuell?

Wir haben in den vergangenen vier Monaten 30.000 Kunden gewonnen. 25 Prozent sind aktive Nutzer, 70 Prozent sind bereits mehrfach mit unseren Autos unterwegs gewesen. Mitarbeiter haben wir mittlerweile 40, die Hälfte davon sind Programmierer.

Welche Probleme gibt es mit dem Konzept?

Weit weniger als wir selbst erwartet haben. Das liegt vor allem an unseren Kunden. Viele unserer Kunden haben im Ausland studiert und sind sehr gebildet. Sie verstehen das Konzept und sind extrem sorgsam mit unseren Autos. Es gibt beispielsweise kaum Unfälle, was uns sehr erstaunt hat.

Sie wollen bis August die Anzahl von 150 auf 500 Autos ausbauen. Woher kommt das Geld?

Wir haben ein großes Angel Investment im September bekommen. Im März konnten wir eine weitere Finanzierungsrunde abschließen. Die Höhe geben wir nicht bekannt. Wir schreiben auch noch keine schwarzen Zahlen, sondern investieren lieber weiter in unsere Flotte. Aber wenn wir weiterhin so wachsen, dann wird sich das bald ändern.

Plänen Sie bereits eine Expansion in andere Städte?

Bisher fokussieren wir uns auf Beijing. Natürlich sind aber auch andere große Städte wie Shanghai und Guangzhou für unser Modell interessant. Als Erstes denken wir über Shenzhen nach, wo wir bereits ein paar Testautos haben. Das macht uns auch besser als die Konkurrenz: Wir sind zwar absolute Newcomer, aber als ein Internetunternehmen sind wir beweglicher und können schnell Entscheidungen treffen.

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