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Im Werk der Iran Khodro Diesel Company ist deutscher Einfluss schwer zu leugnen. Foto: LiveEO/Up42/Airbus

Wirtschaft von Oben #366 – Autobau im IranHier baut der Iran trotz Sanktionen weiter Mercedes-Lkw

Donald Trump will Irans Handelspartner mit 25 Prozent Zoll belegen. Exklusive Satellitenbilder zeigen, dass sich daraus ein Risiko für die deutsche Autoindustrie ergibt. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.Thomas Stölzel, Sebastian Schug 14.01.2026 - 16:11 Uhr

Während die USA einen Militärschlag gegen den Iran abwägen, hat Donald Trump schon mal Strafzölle gegen all jene Staaten angekündigt, die noch Geschäfte mit dem Land machen. 25 Prozent wären dann zusätzlich für alle Waren fällig, die diese Staaten in die USA exportieren. Der US-Präsident machte klar: „Diese Anordnung ist endgültig und bindend.“

Das könnte Auswirkungen haben – auch auf Deutschland und Europa. Die drei größten Handelspartner des Irans, China, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei, stehen zwar für rund 60 Prozent des Außenhandels. Doch auch die EU macht trotz Sanktionen weiter mit dem Land Geschäfte. Laut Welthandelsorganisation sind das nur 6,7 Milliarden US-Dollar an Exporten und Importen. Um unter die Sanktionen zu fallen, würde das aber ausreichen.

Eine Analyse aktueller Satellitenbilder von LiveEO zeigt, dass sowohl der deutsche Nutzfahrzeugbauer Daimler Truck zusammen mit dem Getriebehersteller ZF, als auch die französischen Autobauer Peugeot und Renault Gefahr laufen, ins Visier der Trump-Regierung oder anderer Sanktionsbruchjäger zu geraten. So zeigen neueste Aufnahmen, dass der iranische Auto- und Nutzfahrzeugehersteller Iran Khodro in seinen Werken nach wie vor große Mengen an Fahrzeugen europäischer Bauart baut.

IRAN-KHODRO-DIESEL-WERK, TEHERAN, IRAN
04.01.2026: Die Auslieferparkplätze der Fabrik sind gut gefüllt. 
Lupe oben: Mercedes-Lastwagen der L-Baureihe sind an ihrer markanten Haube erkennbar.
Lupe unten: Auch zahlreiche moderne Zugmaschinen stehen hier, offenbar von der chinesischen Daimler-Truck-Beteiligung Foton. Foto: LiveEO/Up42/Airbus

In einem Nutzfahrzeugewerk am südlichen Stadtrand von Teheran läuft noch immer ein schon 1958 vorgestellter Mercedes-Kurzhauber-Lkw vom Band – mit zwei oder drei Achsen. Die Fahrzeuge der sogenannten L-Baureihe sind allesamt orange lackiert, ihre prägnante Form ist auch aus dem All gut erkennbar. Tausende fertiger und halbfertiger Fahrzeuge dieses Typs standen am 6. Januar 2026 auf dem Werksgelände im Stadtteil Eslamabad.

Sanktionsrechtlich ist das wahrscheinlich weniger problematisch, weil Rechte für den Bau offenbar schon zu Zeiten des Schahs vergeben wurden.

Ein Mercedes-Laster der L-Baureihe. So wird er noch heute bei Iran Khodro gebaut. Foto: picture alliance / ZB

Auf den Auslieferparkplätzen jenes Iran-Khodro-Diesel-Werkes stehen aber auch grau oder weiß lackierte moderne Lastwagen. Dabei handelt es sich offenbar ebenfalls um Modelle mit Mercedes-Bezug.

Iranischen Quellen zufolge sind dies Foton-Trucks der Baureihen Auman H4 und H5 aus einem Daimler-Joint-Venture in China, die im Iran montiert werden. Daimler ist dabei eigenen Angaben zufolge unter anderem in China in Technologie und Entwicklung involviert. Dabei handelt es sich praktisch um eine Art Billigmarke von Daimler Truck für den chinesischen Markt.

Ein im Joint Venture mit Daimler entwickelter Lastwagen Foton Auman H4, wie er auch bei Iran Khodro produziert wird. Foto: IMAGO/depositphotos

Niedriger aufgelöste Satellitenbilder aus den vergangenen Wochen zeigen zudem, dass es viel Bewegung auf den Auslieferparkplätzen des Werkes in Teheran gibt. Fertige Fahrzeuge werden abgeholt, neue Modelle zwischengeparkt. Das deutet auf eine solide laufende Produktion und Auslieferung hin.

Eigenen Angaben nach produziert der Nutzfahrzeugarm von Iran Khodro pro Jahr um die 15.000 Lastwagen. Iran Khodro Diesel baut dabei nicht nur für den iranischen Markt, sondern exportiert auch Fahrzeuge, etwa in zentralasiatische Staaten, in den Irak und nach Afrika.

Daimler Truck teilt auf Anfrage mit, das Unternehmen habe „seine Geschäftsaktivitäten im Iran eingestellt, es bestehen keine Geschäftsbeziehungen, Lieferungen oder Lizenzfertigung für Mercedes-Benz Trucks.“ Zu den Fahrzeugen von Foton äußerte sich der Konzern in seiner Antwort nicht explizit.

Von ZF, das seit 2017 wichtige Antriebskomponenten für den Foton Auman in China liefert, heißt es: „ZF hat sein direktes und indirektes Geschäft mit dem Iran 2018 eingestellt und unterhält insofern keinerlei Lieferbeziehung mit dem Iran (weder Export noch Import), auf die Zölle erhoben werden könnten.“

Daimlers Beziehungen mit dem iranischen Unternehmen, das früher Khawar Industrial Group hieß, reichen 60 Jahre zurück – mit sanktionsbedingten Unterbrechungen. 1966 startete man mit der Montage eines Lastwagens pro Tag, konnte die Produktion aber schnell hochfahren. Zumindest die orangen L-Modelle tragen nach wie vor den Stern der Stuttgarter auf dem Kühler.

Iran-Geschäfte von Peugeot Citroën

15 Kilometer nordwestlich liegt ein weiteres Iran-Khodro-Werk. Hier baut das Unternehmen Pkw. Die riesigen Auslieferparkplätze sind gefüllt mit Abertausenden Fahrzeugen, schwarz oder weiß lackiert. Dabei handelt es sich offenbar auch um Autos, die auf einer gemeinsamen Plattform von Peugeot und Citroën basieren. Denn auch die französischen Hersteller hatten in der Vergangenheit Interesse am Iran gezeigt.

IRAN-KHODRO-PKW-WERK, TEHERAN, IRAN
04.01.2026: Auch hier sind die Auslieferparkplätze gut gefüllt, unter anderem mit Limousinen (Lupe). Foto: LiveEO/Up42/Airbus

PSA Peugeot Citroën, die heute unter dem Namen Stellantis firmieren, hatten sich nach der Unterzeichnung des Atomabkommens 2015 über ein Joint Venture mit Khodro wieder im Iran engagiert. Bereits vor den seit 2012 verschärften Sanktionen gegen den Iran war die Gruppe dort aktiv. Eigenen Angaben nach wurden 2011 noch 457.900 Bausätze in das Land verkauft. Die Pläne im Jahr 2016 sahen vor, bis zu 400 Millionen Euro zu investieren, um die Peugeot-Modelle 208, 2008 und 301 herzustellen.

Dann kam der Gau: 2018 erklärten die Vereinigten Staaten nach Amtsantritt von Trump, dass sie aus dem Atomabkommen mit dem Iran aussteigen und das Land erneut sanktionieren. Um das internationale Geschäft zu schützen, kehrte das Unternehmen dem Land den Rücken. Von den ursprünglichen Plänen war daher schon zwei Jahre später nichts mehr übrig. Auf Nachfrage betont das Unternehmen, aktuell keine Geschäftsbeziehungen mehr im Iran zu unterhalten. Die Internetseite des Gemeinschaftsunternehmens ist jedoch weiter online.

Zudem für Stellantis möglicherweise problematisch – Satellitenaufnahmen des Werksparkplatzes von Khodro in Teheran zeigen eine bemerkenswerte Kontinuität vor und nach dem Rückzug. Bei einem Produktionsstopp infolge des Rückzugs und einem daher nötigen Modellwechsel würde man erwarten, dass die Produktion zunächst stockt. Aus der Luft haben die auch 2025 noch zu sehenden Autos eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Peugeot-Modell 301. Der hat offenbar ein Facelift bekommen, wird jetzt unter dem Namen Tara vertrieben.

Tatsächlich entwickelte sich das Geschäft von Iran Khodro zuletzt offenbar recht gut. Die Exporte in Richtung Russland und Venezuela legten zu – unter anderem des Tara. 2024 baute das Unternehmen fast 600.000 Fahrzeuge.

Auch die innerfranzösische Konkurrenz von Renault war im Iran aktiv. Bereits im Jahr 2003 gründete Renault ein Joint Venture mit dem staatlichen Mischkonzern Idro – Renault Pars. Der iranische Partner lagerte die Produktion dabei an die beiden heimischen Automobilhersteller Iran Khodro und Saipa aus. Wie Stellantis erklärte jedoch auch Renault 2018, das Land zu verlassen.

Problematische Beziehungen

Nicht erst seit Trumps Ankündigung sind die Beziehungen zumindest von Daimler in den Iran problematisch. Schon im Herbst 2025 hatte die EU die im Wiener Atomabkommen verankerten Sanktionen gegen den Iran wieder hochgefahren. Experten sprechen vom „Snapback“. Spätestens seitdem sei das Unterhalten von Lizenzvereinbarungen mit dem Land „nicht nur ein Hochrisiko, sondern ein Hyperrisiko“, urteilt Viktor Winkler, Anwalt für Sanktionsrecht mit viel Erfahrung in Sachen Iran.

Iranischer Mercedes-Lkw mit Raketen (links) auf einer Militärparade im Jahr 2015. Foto: dpa

Niemand, außer den Juristen bei Daimler Truck, die die Verträge kennen, könne sagen, ob die aktuellen beispielsweise über Foton bestehenden Verwicklungen legal oder illegal sind, so der Experte. Sanktionsrecht sei schließlich extrem kompliziert.

Allein die Tatsache, dass das Geschäft möglicherweise über eine chinesische Beteiligung laufen könnte, mindere das Risiko jedenfalls nicht im Geringsten. Sanktionsrecht sei extrem weitreichend. Alles, was man versuche, um bestehende Sanktionen zu umgehen, gelte bereits als Bruch. Für Daimler Truck könnte das laut Winkler im Extremfall sogar bedeuten, dass der Konzern die Partnerschaft in China aufkündigen muss, um sich reinzuwaschen.

Eine Lizenzvereinbarung mit dem Iran einfach aufzulösen, reicht laut Winkler zudem nicht. Unternehmen müssten glaubhafte Anstrengungen unternehmen, um Know-how und Technik zurückzuholen und die Weiterproduktion im sanktionierten Land möglichst zu unterbinden.

Schon jetzt schließen die Sanktionen der USA gegen den Iran dabei Nutzfahrzeuge mit ein. Auch, weil diese von Armee, Revolutionsgarden und Polizei verwendet werden können, beispielsweise um die Bevölkerung zu unterdrücken. Wie begründet diese Sorge ist, belegen Bilder von Militärparaden aus vergangenen Jahren: Darauf sind  Mercedes-Kurzhauber zu sehen, die unter anderem als Träger von Raketen verwendet werden.

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Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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