
+++ Blog zum Wirecard-Prozess +++: Rückblick Wirecard-Prozess: Das passierte am 08.11.2023 vor Gericht
Für den Wirecard-Prozess gegen Markus Braun und zwei weitere Ex-Wirecard-Führungskräfte sind 100 Prozesstage angesetzt. Unsere Reporter berichten dabei live aus dem Gerichtssaal.
Foto: imago images, WirtschaftsWocheDie Reporter der WirtschaftsWoche begleiten den Fall Wirecard seit acht Jahren. 2020 fiel die Erfolgsgeschichte von Wirecard wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Plötzlich war der Dax-Konzern pleite, Wirecard-Vorstandsmitglied Jan Marsalek auf der Flucht und Firmenchef Markus Braun im Gefängnis. Deutschland sah den mutmaßlich größten Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte.
Nun, knapp zweieinhalb Jahre nach dem Kollaps, hat in München die Verhandlung gegen Ex-Konzernchef Markus Braun begonnen. Die Anklage wirft dem Manager und zwei mitangeklagten ehemaligen Wirecard-Führungskräften vor, mit Hilfe gefälschter Bilanzen Banken und Kreditgeber um insgesamt 3,1 Milliarden Euro geprellt zu haben. Der Kernvorwurf: Braun und Komplizen sollen eine Bande gebildet haben, die die Bilanzen des Konzerns seit 2015 systematisch fälschte.
Eigentlich sollte heute die einstige Asien-Chefin von Wirecard, Brigitte H., vor Gericht erscheinen. Sie und ihr Mann, der ebenfalls bei Wirecard arbeitete, kamen der Gerichtsvorladung allerdings nicht nach. Ersatzzeuge heute stattdessen: Markus Fuchs, langjähriger Wirecard-Manager. Unser Reporter ist hautnah dabei und berichtet für Sie live von vor Ort im Blog über die Geschehnisse im Gerichtssaal:











Weil die Drittpartner-Firma Al Alam aus Dubai Gegenstand
kritischer Presseberichte war, sollen Braun und Marsalek beschlossen haben, in
Zukunft eine andere Firma als angeblich neuen, unbelasteten Drittpartner zu nutzen:
Ruprecht, die unter Kontrolle eines alten Bekannten stand: James Henry
O’Sullivan, ein Marsalek-Kumpel. Als Strohmann aktiv: Rajaratnam
Shanmugaratnam, Wirecards Treuhänder in Singapur. Noch ein alter Bekannter. Ruprecht
sollte angeblich bereitstehen, die über Al Alam abgewickelten Händler in kurzer
Zeit aufzunehmen. Wirecard sollte Ruprecht Sicherheiten in Höhe von 10
Millionen Euro zur Verfügung stellen.
In einer Vorstandssitzung am 12. Dezember 2019 stellte
Marsalek Ruprecht als neuen TPA-Partner vor. Al Alam habe angeblich wegen der
KPMG-Untersuchung angedroht, die Geschäftsverbindung zu kündigen. Die zehn
Millionen Euro wurden am 19. Dezember an Ruprecht überwiesen. Wenige Tage
später schoss Wirecard kurzfristig noch 30 Millionen Euro nach. Die Anweisung
schickte Marsalek per Email an die Abteilung Treasury, nicht mal eine Minute
später kam das Go von Braun dazu. Braun soll sich die Zustimmung von Finanzvorstand
Alexander von Knoop durch einen Besuch in dessen Büro persönlich abgeholt
haben. Die noch übrig gebliebene Vorständin Susanne Steidl stimmt ebenfalls zu.
Eine Vorstandssitzung und förmliche Beschlussfassung wurden umgangen, „und die
zuständigen Personen bewusst durch die Entscheidung binnen weniger Minuten am
Nachmittag vor den Weihnachtsfeiertagen überrumpelt“, so die
Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Braun und Marsalek haben gegen ihre
Verpflichtung, das Vermögen der Wirecard zu schützen, verstoßen. Das Geld, das
an Ruprecht Services gezahlt wurde, wurde nie zurückgezahlt.














Sie wollen noch mehr erfahren über Markus Braun und die Geschichte von Wirecard? Die wichtigsten Hintergrundgeschichten der WirtschaftsWoche zum Wirecard-Skandal lesen Sie hier:
- Die wichtigsten Akteure des Wirecard-Skandals
- Diese Rätsel rund um Wirecard werden wohl nie aufgeklärt
- Wie bekommen Wirecard-Anleger nun ihr Geld zurück?
- Die absurde Verteidigungsstrategie des Markus Braun
- „Prepare for bad news“: Protokoll des Untergangs von Wirecard
- Die Wirecard-Story: Die Erfolgsgeschichte, die zu schön war, um wahr zu sein. Von Anfang an.