DLR-Studie zu Luftverkehr: Sanktionsbedingte Umwege bei Asien-Flügen schaden dem Klima nicht
Zwei Verkehrsflugzeuge verursachen Kondensstreifen am Himmel über Nordchina.
Foto: imago imagesViele europäische Fluglinien leiden darunter, dass sie wegen des Krieges in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland große Umwege nehmen müssen, um nach Ostasien zu kommen. Chinesische Airlines können dagegen weiter Wladimir Putins Reich überfliegen, sparen so Zeit und Kerosin. Die verlorene Wettbewerbsfähigkeit treibt British Airways und Virgin Atlantic sogar zu dem radikalen Schritt, Routen wie London–Peking oder London–Shanghai ganz aus dem Angebot zu nehmen.
Es liegt nahe, davon auszugehen, dass die Umwege und der höhere Kerosinverbrauch dem Klima weiter schaden. Eine bisher unveröffentlichte Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kommt aber zu einem überraschenden Ergebnis. Die Forscher haben 252 tägliche Verbindungen untersucht, die vor dem Krieg über Russland oder die Ukraine führten und sie mit den heutigen Routen verglichen. Demnach verbrauchen die Airlines nun auf den Strecken im Schnitt 2,1 Prozent mehr Kerosin. Auch der CO2-Ausstoß ist um 2,1 Prozent gestiegen.
„Dank der Verlagerung der Flüge in niedrigere geografische Breiten kommt es aber nicht zu einer Erhöhung der Klimawirkung“, sagt Florian Linke, Leiter des DLR-Instituts für Luftverkehr. Grund: Die Luft im Süden ist wärmer, es bilden sich seltener langlebige Kondensstreifen. Aus denen entstehen Schleierwolken, die verhindern, dass Wärme ins All abgestrahlt wird. Sie tragen so zum Treibhauseffekt bei.
Für europäische und amerikanische Linien ist das nur ein schwacher Trost. Denn die selteneren Kondensstreifen schlagen sich nicht in ihren Kosten nieder. Die entstehenden Mehrausgaben sind dagegen zum Teil erheblich. Die Finnair-Verbindung Helsinki–Singapur etwa ist laut DLR heute nicht nur 14 Prozent länger, der Flieger verbraucht auch fast 19 Prozent mehr Sprit. Gerade im direkten Wettbewerb ist das für westliche Linien ein Problem. Ein der United-Airlines-Flug von Delhi nach Chicago verbraucht der Studie zufolge 11 Prozent mehr Sprit als ein Air-India-Flug. Air India nimmt nach wie vor die Ideallinie über Russland.
Sollte in den nächsten Monaten der Nahostkrieg eskalieren, wie manche Experten fürchten, könnte das hiesige Linien noch stärker belasten. „Der Korridor, den die Flüge nutzen können, wird schon jetzt immer enger.“ So meiden seit einigen Wochen viele Airlines den iranischen Luftraum, den sie Anfang des Jahres noch überflogen haben.
Während europäische Linien Flüge nach China reduzieren, bauen chinesische Airlines ihre Verbindungen nach Europa aus. Laut dem Statistikdienst OAG waren es in der Sommersaison dieses Jahres immerhin 14.835 – 16 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2019.
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