Medienunternehmen: Pro Sieben Sat 1 will mehr mit Berlusconi-Sendern zusammenarbeiten
Mit dieser Zusammenarbeit nähert sich der bayerische Fernsehkonzern den Vorstellungen von MFE.
Foto: dapdDie Senderkette Pro Sieben Sat 1 öffnet sich unter dem neuen Vorstandschef Bert Habets für eine engere Zusammenarbeit mit dem italienischen Großaktionär MFE-Mediaforeurope. Habets sagte der „Financial Times“, in den vergangenen Wochen hätten Mitarbeiter beider Konzerne eine „sinnvolle Kooperation“ in Werbung, Technologie und sogar bei Inhalten begonnen.
Damit nähert sich der bayerische Fernsehkonzern den Vorstellungen von MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi an, der eine paneuropäische Fernseh-Allianz anstrebt. Bei Habets' Vorgängern war er damit auf Skepsis und zeitweise erheblichen Widerstand gestoßen.
Habets sagte, Pro Sieben Sat 1 sei nun „in einem viel konstruktiveren Dialog, um echte Kooperationsmodelle“ mit MFE zu entwickeln. Auch bei Technologie und Produktentwicklung sei eine Zusammenarbeit mit Partnern sinnvoll. „Ich glaube, diese Branche verändert sich wirklich sehr schnell“, sagte der Niederländer der Zeitung mit Verweis auf die Erfolge weltweiter Streaming-Diensten wie Netflix, die rein nationalen Anbietern die Werbeerlöse streitig machen.
Europäischer Ansatz bleibt erhalten
Pro Sieben Sat 1 müsse eine Lösung finden, um den Zugang zu den Werbebudgets zu behalten, die inzwischen verstärkt auf europäischer Ebene verteilt würden.
Bei Inhalten sei ein europäischer Ansatz weiter schwierig, auch wenn etwa spanische Serien und skandinavische Krimis bei Netflix in vielen Ländern Europas erfolgreich seien, sagte Habets. Pro Sieben Sat 1 ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv, MFE betreibt Sender in Italien und Spanien.
Pier Silvio Berlusconi und seine Schwester Marina kontrollieren MFE - die frühere Mediaset - nach dem Tod ihres Vaters Silvio Berlusconi. MFE hält inzwischen nach Angaben von Deutschland-Statthalterin Katharina Behrends direkt 28,9 Prozent an Pro Sieben Sat 1. Das entspreche 29,7 Prozent der Stimmrechte. Behrends sagte der „Süddeutschen Zeitung“, MFE wolle den Anteil derzeit nicht erhöhen. Bei mehr als 30 Prozent würde ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre fällig.
Behrends sitzt auch im Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1. Sie kritisierte die bisherige Strategie. „Bisher ist Pro Sieben Sat 1 ein Konglomerat aus verschiedenen Geschäftsbereichen, die nicht so recht zusammenpassen.“ Mit der Konzentration auf den Aufbau einer Streaming-Plattform seien die Prioritäten richtig gesetzt.