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  4. ProSiebenSat1: PPF steigt aus – Weg frei für Übernahme durch Berlusconi-Holding

ProSiebenSat.1Aussicht auf ProSieben-Übernahme treibt Aktien von Berlusconi-Firma MFE

Der tschechische Großaktionär PPF steigt bei ProSieben aus und dient seine Aktien der Berlusconi-Holding an. Was das für eine Übernahme bedeutet. 28.08.2025 - 15:28 Uhr
PPF steigt aus ProSiebenSat.1 aus. Foto: dapd

Die Aussicht auf eine Übernahme von ProSiebenSat.1 beflügelt die Aktien der Berlusconi-Familienholding MFE-MediaForEurope. Die Titel kletterten an der Börse in Mailand am Donnerstagvormittag um fast acht Prozent, während die Papiere von ProSiebenSat.1 rund drei Prozent im Plus lagen.

Der tschechische Großaktionär PPF hat seinen Ausstieg bei ProSieben angekündigt und damit den Weg freigemacht für die Übernahme des bayerischen Fernsehkonzerns durch MFE. Der Deutsche Journalisten-Verband appellierte umgehend an die Italiener, bei einer Übernahme die journalistische Unabhängigkeit von ProSiebenSat.1 zu bewahren. Außerdem müssten die Arbeitsplätze bei der Senderkette erhalten werden.

MFE und ProSiebenSat.1 wollten sich zu den jüngsten Entwicklungen nicht äußern. PPF hat nach eigenen Angaben entschieden, seine Aktien in Form des Anteils von 15,68 Prozent an ProSiebenSat.1 MFE anzudienen und die verbleibenden Finanzinstrumente in ProSiebenSat.1 abzuwickeln.

Es sei nicht gelungen, ausreichend Aktionäre zur Unterstützung der eigenen Ziele zu gewinnen, teilte PPF am Mittwochabend mit. Die Italiener verfügten mit bereits über 43 Prozent der Stimmrechte voraussichtlich über eine einfache Mehrheit auf den Hauptversammlungen von ProSiebenSat.1.

Der nach MFE zweitgrößte ProSieben-Aktionär war zuvor an dem Ziel gescheitert, seinen Anteil auf bis zu 29,99 Prozent zu verdoppeln, um zusammen mit dem Streubesitz ein Gegengewicht zu den Italienern zu bilden. Die Holding der Erben des Milliardärs Petr Kellner kam mit ihrem Gegengebot an die Aktionäre aber nur auf 18,4 Prozent.

Aufgrund dieser geringen Ausbeute könne PPF seine „ursprüngliche Rolle als strategischer Investor mit dem Anspruch, auf Augenhöhe mit MFE zusammenzuarbeiten und ihre Expertise beim Aufbau digitaler Medienplattformen einzubringen, nicht fortführen“, hieß es.

Gewerkschaft warnt vor „Rechtspopulistischen Dampfmaschinen“

Nach Ablauf der Annahmefrist hielt MFE knapp 43,6 Prozent der Anteile an der Senderkette aus Unterföhring bei München, wie die Italiener Mitte August mitteilten. Von der Höhe der Anteile hängt ab, wie stark MFE in das operative Geschäft des ertragsschwachen, hoch verschuldeten Unternehmens eingreifen und welche Einsparungen sie durchsetzen kann.

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von Tobias Gürtler

Nun kommt es darauf an, wie viele ProSiebenSat.1-Aktionäre die zweiwöchige Nachfrist nutzen, um der Berlusconi-Holding ihre Anteile noch anzudienen. Das Ergebnis dürfte am 4. September feststehen – und mindestens bei rund 60 Prozent liegen.

MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi, Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, schwebt ein paneuropäischer Medienkonzern mit ProSiebenSat.1 und den eigenen Privatsendern in Italien und Spanien vor, um den US-Streaming-Riesen wie Netflix und Disney+ Paroli zu bieten.

Da die Italiener nun die 50-Prozent-Hürde überspringen werden, könnten sie Umsätze und Gewinne von ProSiebenSat.1 voll in die eigene Bilanz aufnehmen. Für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, der ihnen den Zugriff auf die Finanzmittel geben würde, wäre eine Dreiviertel-Mehrheit nötig.

„Es ist bedauerlich, aber offenbar nicht mehr zu ändern, dass ProSiebenSat.1 von Berlusconi übernommen wird“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. Die künftigen Eigentümer seien gut beraten, die deutschen Privatsender „nicht zu rechtspopulistischen Dampfmaschinen zu machen“. Beuster betonte: „Wir brauchen unabhängigen und kritischen Journalismus. Davon lieber mehr als weniger.“ Die Gewerkschaft appellierte an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, weiter das Gespräch mit MFE-Chef Berlusconi zu suchen. Hier ist ein Treffen für Anfang September geplant. „Je mehr Persönlichkeiten sich für die Kolleginnen und Kollegen bei ProSiebenSat.1 ins Zeug legen, desto besser“, erklärte Beuster.

rtr
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