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Unerwartete Turbulenzen bei Tel Aviv Air Deutschlands kleinste Airline fliegt in die Insolvenz

Tel Aviv Air hatte erst Anfang März mit dem Erstflug von Hamburg nach Tel Aviv seinen Betrieb aufgenommen Quelle: imago images

Die Hamburger Fluggesellschaft Tel Aviv Air GmbH hat bereits wenige Monate nach dem Erstflug Insolvenz angemeldet. Auch eine Frachtfluggesellschaft musste den Betrieb einstellen – wegen der Russlandsanktionen.

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Die Hamburger Fluggesellschaft Tel Aviv Air GmbH hat Insolvenz angemeldet, berichtet die WirtschaftsWoche. Laut Veröffentlichungen des zuständigen Amtsgerichts wurde der Hamburger Jurist Dietmar Penzlin, Partner der Kanzlei SJPP, zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Unternehmens bestellt. „Leider können aus technischen Gründen bis zum 21.05. keine Flüge durchgeführt werden“, heißt es auf der Homepage der Airline. Das Unternehmen hatte erst Anfang März mit dem Erstflug von Hamburg nach Tel Aviv seinen Betrieb aufgenommen und war mit dem Ziel gegründet worden, die Städte wieder nonstop miteinander zu verbinden. 

Die Strecke sollte jeden Donnerstag und Sonntag bedient werden. Hinter Tel Aviv Air stehen nach Unternehmensangaben der Hamburger Reisebüro-Inhaber Shlomo Almagor sowie Paul Scodellaro, ehemaliger Verkaufschef der Fluggesellschaft Germania. Die Gesellschaft hatte lediglich ein Flugzeug gechartert und war in Presseberichten als „kleinste Airline der Welt“ bezeichnet worden. 

Als Kunden hatten die Gründer der neuen Hamburger Fluggesellschaft zunächst Touristen, Geschäftsleute, norddeutsche und dänische Reisegruppen sowie die rund 6000 Menschen jüdischen Glaubens, die in norddeutschen Gemeinden organisiert sind, im Blick. Warum das Unternehmen nur wenige Monate nach dem Start, Insolvenz anmeldete, ist bislang unklar. 

Hinter Tel Aviv Air stehen der Hamburger Reisebüro-Inhaber Shlomo Almagor (rechts) sowie Paul Scodellaro, ehemaliger Verkaufschef der Fluggesellschaft Germania Quelle: PR

Unabhängig von Tel Aviv Air hatte schon vor wenigen Tagen mit Cargo-Logic Germany (CLG) eine Frachtfluggesellschaft Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das zuständige Insolvenzgericht in Leipzig den Airline-erfahrenen Verwalter Lucas Flöther, der schon bei Air Berlin und Condor im Einsatz war.  

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    Die vom Flughafen Leipzig/Halle aus operierende Fluggesellschaft gehört einem russischen Investor. Infolge der Russlandsanktionen musste CLG Anfang März 2022 den aktiven Flugbetrieb einstellen. Auch andere deutsche Unternehmen bekamen die indirekten Folgen der Sanktionen bereits zu spüren.

    Im Fall von CLG stehen vier Maschinen des Typs Boing 737 zurzeit an verschiedenen europäischen Flughäfen und dürfen nicht fliegen. Trotzdem musste CLG bislang weiter die fälligen Leasing-Raten zahlen. „Das Unternehmen hatte eine solide Auftragslage und einen namhaften Kundenstamm“, so Flöther. „Das sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung.“ 

    Für einen Weiterbetrieb müsste die Airline aber zunächst wieder starten dürfen und die Sanktionen ausgesetzt werden. Wohl auch deshalb wurde Flöther vom Amtsgericht Leipzig als starker vorläufiger Verwalter eigesetzt: Unter der Ägide eines starken Insolvenzverwalters, so das mögliche Kalkül, verliert der russische Eigentümer seinen Einfluss auf das Unternehmen, weshalb auch eine Sanktionierung der CLG überflüssig wird. Ob und im Zweifel wie schnell die Behörden der Argumentation folgen, dürfte für die Sanierungschancen der Airline entscheidend sein.  

    Lesen Sie auch: Unfallforscher: Das sind die sichersten Airlines der Welt 

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