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Vier-Tage-WocheTeilzeit-Schelte: Warum Merz die eigentlichen Probleme ignoriert

Friedrich Merz schießt sich auf Teilzeitbeschäftigte ein. Mit der Vier-Tage-Woche könnten wir unseren Wohlstand nicht erhalten, sagt er. Stimmt. Doch eine Sache übergeht Herr Merz dabei ganz bewusst. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Stefan Hajek 19.07.2024 - 14:41 Uhr

Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche? Nicht mit Friedrich Merz!

Foto: REUTERS

Trotz Rekordbeschäftigung wächst die deutsche Wirtschaft nicht mehr. Das, meint CDU-Chef Friedrich Merz, liege an zu vielen Teilzeitbeschäftigten: „Mit der Vier-Tage-Woche können wir vielleicht alle ein schöneres Leben haben, unseren Wohlstand erhalten wir damit aber nicht“, schrieb Merz auf X (einst Twitter).

Der letzte Halbsatz ist für sich genommen richtig. In Zeiten des Fachkräftemangels wäre es aus Sicht der Unternehmen und der Volkswirtschaft schon wünschenswert, wenn mehr Menschen wieder Vollzeit arbeiteten.

Das Problem: Die meisten Menschen, die das nicht tun, haben dafür gute Gründe. „Ein schöneres Leben“ ist da meistens nicht der treibende. Für viele Deutsche muss der Merz’sche Satz daher mehr als arrogant klingen.

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von Angelika Melcher

Denn viele Teilzeitbeschäftigte würden gerne mehr arbeiten, können das aber nicht. Wer in einem Ballungsgebiet, besonders im Westen, lebt, tut zum Beispiel gut daran, sich schon vor der Geburt des Nachwuchses um einen Kita-Platz zu bemühen. Der eklatante Mangel an Kinderbetreuung zwingt meist Frauen, auch hochqualifizierte, dazu, ihre Arbeitszeit um einige Stunden zu reduzieren.

Statt nur die Teilzeitbeschäftigten zum Problem zu erklären, sollte Merz lieber Strategien gegen die Gründe entwickeln. Schließlich wird er mit einiger Wahrscheinlichkeit der nächste Kanzler. Mehr Anreize für Arbeit, statt pauschaler Schelte, wären ein Ansatz. Leider hört und liest man davon aber wenig von Merz und seiner Partei. Im Gegenteil: Die Politik der Union zementiert viele Fehlanreize, die zur von Merz beklagten, beliebten Teilzeit führen.

Am Ehegattensplitting etwa will die Union nicht rütteln. Dabei schafft es bei vielen Paaren nachweislich einen Anreiz, mit dem kleineren der beiden Einkommen in Teilzeit zu gehen.

Auch, dass Deutschland Vermögen weltweit mit am niedrigsten, Einkommen aber mit am höchsten besteuert, erhöht sicher nicht die Attraktivität längerer Arbeitswochen. Hier blockiert die Union ebenfalls jede Korrektur.

Und von einem massiven Ausbau der Kinderbetreuung habe ich auch nichts gehört oder gelesen in Merz‘ Agenda. Eher im Gegenteil. Punkt 5 des CDU-Programms zu Familie und Bildung lautet, die Familie sei der „wichtigste Ort“ für Kinderbetreuung. Das kann man alles so sehen; nur beißt sich das mit der Klage über die beliebte Teilzeit.

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