HHLA-Aufsichtsrat: Rüdiger Grube bekommt einfach nicht genug
Rüdiger Grube hat seinen Job erledigt. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Hafengesellschaft HHLA hat er einen Nachfolger für Angela Titzrath gefunden. Jeroen Eijsink wird neuer HHLA-Vorstandschef. Für Grube endgültig Zeit, zu gehen – eigentlich. Denn Grube hat seit Monaten zu viele Aufsichtsratsmandate inne und verstößt damit gegen das Aktiengesetz. Doch trotz vehementer werdender Kritik hält er vorerst fest an seinem Engagement.
Grube, früher Bahn-Chef, amtiert noch bei vier weiteren Unternehmen als Vorsitzender des Kontrollgremiums, darunter sind der Mobilfunkanbieter Vodafone und der Zugbauer Alstom. Vorsitze werden als zwei Mandate gezählt. Zudem ist Grube noch einfaches Mitglied in weiteren Aufsichtsräten. Macht insgesamt zwölf Mandate.
Laut Paragraph 100 des Aktiengesetzes darf jeder Aufsichtsrat maximal zehn Mandate übernehmen. Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt sogar höchstens fünf gleichzeitig, damit die Aufsichtsräte ihren Aufgaben als Kontrolleure, aber auch als Sparringspartner für den Vorstand gewissenhaft nachkommen. „Darf ich Sie, lieber Herr Professor Grube, fragen, wie Sie es schaffen, allen Ihren Aufsichtsratsämtern nachzukommen?“, fragte ihn im Mai ein Aktionärsvertreter auf einer Hauptversammlung. Grube versprach, kürzerzutreten. „Zwölf Mandate sind mindestens zwei zu viel“, gab der 73-Jährige zu.
Die HHLA-Hauptversammlung Anfang Juli leitete er jedoch wie gewohnt. Im Anschluss erklärte er auf Nachfrage des „Hamburger Abendblatts“, er werde seinen Posten „in einem geordneten Übergang“ abgeben, sobald die Nachfolge Titzraths geregelt sei. Laut „Handelsblatt“ will Grube sich in wenigen Tagen, nach seinem Urlaub, zur Sache äußern.
Kritik an Grubes inkonsequentem Verhalten kommt aus der Politik. In einer kleinen Anfrage an den Hamburger Senat, datiert auf den 21. Juli, wundern sich zwei CDU-Politiker, wie es sein konnte, dass Grube die Hauptversammlung Anfang Juli leiten durfte, und zweifeln die Rechtmäßigkeit seiner Wahl zum Chef des Kontrollgremiums an. „Teilnahme und Mitwirkung von Herrn Grube an Beschlüssen des Aufsichtsrats der HHLA“ hätten diese Beschlüsse womöglich „rechtswidrig, anfechtbar oder nichtig“ werden lassen können, schreiben die Abgeordneten. Der Senat weist dies in seiner Antwort zurück und sieht keinen Anlass, Grubes Tätigkeit infrage zu stellen, berichtet das „Handelsblatt“. Die HHLA gehört mehrheitlich der Stadt Hamburg und der Reederei MSC.
Zu Grubes bereits angekündigtem Rückzug teilte das Unternehmen auf Anfrage der WirtschaftsWoche mit, es gebe aktuell keinen festgelegten Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats.
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