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Die Höhle der LöwenWieso werden Frauen-Start-ups niedriger bewertet?

In der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ versuchen Gründerinnen und Gründer ihr Glück bei Investoren. Eine Studie zeigt nun: Frauen bekommen weniger Geld als Männer.Angelika Melcher 10.04.2023 - 14:13 Uhr

Höhle der Löwen: Investorin Judith William testet das Lazy Tent.

Foto: RTL / Frank W. Hempel

Ein Dachzelt fürs Auto, Kläranlagen für Bootsbesitzer und Therapiebälle für Demenzkranke sind nur einige der Geschäftsideen, die in der letzten Staffel der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ gepitcht wurden. Regelmäßig schalten Millionen Menschen ein, wenn Gründerinnen und Gründer den Investoren – den „Löwen“ – ihre Produkte und Start-ups vorstellen.

Die „Löwen“ können sich dazu entscheiden, in die vorgestellten Ideen oder Produkte zu investieren und sich so am jeweiligen Unternehmen zu beteiligen. Damit bietet die Sendung einen Einblick in einen Prozess, der sonst nur hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Die Psychologin Livia Boerner hat gemeinsam mit den Ökonomen Thomas Fritz und Bernd Frick in einer bisher unveröffentlichten Studie der FH Aachen und Universität Paderborn die Entscheidungen der Investoren und Gründerinnen untersucht. Dafür hat das Team alle zwölf Staffeln von DHDL analysiert und 216 Stunden Videomaterial mit insgesamt 636 Präsentationen von Geschäftsideen ausgewertet.

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Die Ergebnisse: Die physische Attraktivität der Gründer wirkt sich stark positiv auf die Deal-Bereitschaft der Investoren aus, die Investoren zeigen eine leichte Präferenz für Gründer mit Migrationshintergrund und ältere Gründer haben eine größere Chance, einen Deal von Investoren angeboten zu bekommen.

Aber auch das Geschlecht der Gründerinnen und Gründer hat Einfluss auf die Entscheidung: Die Investoren bieten männlichen und weiblichen Gründerteams zwar ähnlich viele Deals an, bewerten die Start-ups von Frauen aber deutlich geringer. Die Deals weiblicher Gründerteams wurden von den Investoren um rund 30 Prozent geringer bewertet als die männlicher Teams. Die Bewertungen setzen sich aus einer Kombination von investiertem Geld und abgegeben Anteilen zusammen.

Die Effekte sind statistisch signifikant. Das heißt, dass angenommen werden könne, dass sie auch bei vergleichbaren Gruppen außerhalb des Formats auftreten, erklärt Livia Boerner.

Was sind die Hintergründe dieser Entscheidungen?

Während Männer stereotypisch als risikofreudiger, mutiger und aggressiver gelten – Eigenschaften, die in der Wirtschaft positiv wahrgenommen werden – gehe man laut Studien bei Frauen davon aus, dass sie andere Verantwortungen vorziehen, wie zum Beispiel das Erziehen von Kindern. „Außerdem sind Frauen laut bisheriger Forschung eher dazu bereit, für mehr Anteile weniger Geld zu nehmen“, sagt Boerner.

Außerdem werden hochbewertete Start-ups, wie zum Beispiel im Tech-Bereich, immer noch von Männern dominiert. Frauen in der IT sind in Deutschland immer noch selten. „Es gibt auch Frauen, die in der Tech-Branche gründen, da muss aber berücksichtigt werden, welche Rolle sie im Unternehmen haben“, kommentiert Vanessa Fischer, Co-Geschäftsführerin des Investorinnen-Netzwerks encourageventures. „Nur wenige Frauen sind dann CEO oder CTO, sondern besetzen stereotypische Felder wie Organisation oder Marketing“. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, die Sichtbarkeit von Frauen in der Start-up-Welt zu erhöhen und mehr Vielfalt und Diversität in die Gründungs- und Business-Angel-Landschaft zu bringen. 700 Start-ups sind in dem Netzwerk registriert – in welchen mindestens eine Frau Teil des Gründungsteams ist.

Denn auch außerhalb der TV-Show sieht die Geschlechterverteilung der deutschen Start-up-Szene düster aus: Nur 20 Prozent aller Start-ups wurden 2022 von Frauen gegründet. Die Zahl ist erschreckend klein, aber zugleich ein Lichtblick: 2014 lag die Zahl bei rund 11 Prozent, seitdem steigt sie an.

„Wir können an den Zahlen ablesen, der Gründerinnenanteil in deutschen Start-ups langsam steigt, aber leider bekommen Frauen und diverse Teams nur einen kleinen Teil des Wagniskapitals“, so Fischer.

Ein guter Ansatz, um dem entgegenzuwirken, sind Vorbilder: „Vor zehn Jahren war es schwer, in den Austausch mit erfolgreichen Gründerinnen zu treten, das ist heute ganz anders“, so Fischer. Encourageventures hilft dabei, dass Gründerinnen sich vernetzten können. Aber auch Plattformen wie LinkedIn oder TV-Formate wie DHDL zeigen erfolgreiche Geschichten auf.

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