Rekord-Temperaturen im Death Valley: Touristen suchen den Kick im Tal des Todes
Ein Schild warnt im Death Valley National Park, Kalifornien, in mehreren Sprachen vor extremer Hitze. Touristen sollen nach 10 Uhr nicht mehr wandern gehen.
Foto: dpaNoch mehr als sonst ist das „Death Valley“ in diesem Jahr ein besonders heißer Reisetipp. Aktuell macht die berüchtigte Wüsten-Landschaft ihrem Namen alle Ehre. Denn während große Teile der USA eine Hitzewelle erleben, könnten im Death Valley in den kommenden Tagen Rekorde gebrochen werden.
Die Touristen strömen trotzdem in den Nationalpark an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada – oder vielleicht auch gerade deswegen.
Der aus Deutschland angereiste Daniel Jusehus machte zu Beginn der Woche ein Foto von einem berühmten Thermometer am Besucherzentrum Furnace Creek, nachdem er sich der Herausforderung einer kleinen Laufrunde in der brütenden Hitze gestellt hatte. Es zeigte 120 Grad Fahrenheit an – 48,8 Grad Celsius. „Mein Körper hat wirklich hart gearbeitet, um mich selbst abzukühlen“, sagte der aktive Läufer.
Touristen machen am Furnace-Creek-Besucherzentrum Fotos von einem Thermostat, der 119° Fahrenheit (48° Celsius) anzeigt.
Foto: dpaDie meisten Besucher bewegen sich in dieser Zeit des Jahres so wenig wie nur möglich, wenn sie im Death Valley aus ihren mit Klimaanlagen ausgestatteten Autos steigen.
Aus gutem Grund: An keinem anderen Ort auf der Welt soll es so heiß und so trocken sein.
Lieber im klimatisierten Auto bleiben: Der Juli ist der heißeste Monat im Death Valley Nationalpark mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 116 Grad.
Foto: dpaMehr als 1,1 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr das etwa 200 Kilometer westlich von Las Vegas gelegene Death Valley. Die Eintrittspreise liegen zwischen 15 und 30 Dollar. Mit einer Gesamtfläche von 13.848 Quadratkilometern zählt die schroffe Landschaft zu den größten Nationalparks des Landes. Etwa ein Fünftel der Besucher kommt in den heißen Monaten Juni, Juli und August.
Viele sind versucht, das Gebiet auch nach den empfohlenen Sperrzeiten zu erkunden. Doch jegliche Bewegung kann die Hitze noch unerträglicher machen.
Wanderer im Death Valley National Park kehren zu ihren Autos zurück. Vor Wanderungen am Nachmittag wird ausdrücklich gewarnt.
Foto: dpa„Es fühlt sich wirklich so an, als wäre die Sonne durch deine Haut gegangen und bis in deine Knochen gelangt“, sagt die Rangerin Nichole Andler. Andere berichten, der heiße Wind würde einem die Augen austrocknen. Gerade wenn eine Brise wehe, erwarte man ja eigentlich ein wenig Abkühlung, sagt die Touristin Alessia Dempster aus dem schottischen Edinburgh. „Aber es fühlt sich tatsächlich so an, als würde einem ein Föhn direkt ins Gesicht blasen.“
Im Juli 1913 wurde im Death Valley laut Angaben der Nationalpark-Verwaltung der Rekord-Wert von 134 Grad Fahrenheit (56,6 Grad Celsius) gemessen. An diesem Wochenende könnten die Temperaturen in Furnace Creek Prognosen zufolge auf mindestens 130 Grad Fahrenheit (54,4 Grad Celsius) klettern. Auf Schildern an örtlichen Wanderwegen wird dazu aufgerufen, auf Touren nach 10 Uhr morgens zu verzichten. Sogar in der Nacht werden allerdings Werte von mehr als 90 Grad Fahrenheit (32,2 Grad Celsius) erwartet.
Menschen genießen den Sonnenuntergang am Zabriskie Point im Death Valley National Park, Kalifornien.
Foto: dpaAuch in anderen Nationalparks in besonders heißen Regionen der USA werden Wanderer gewarnt, die Gefahren durch Hitze nicht zu unterschätzen. Im Grand-Canyon-Nationalpark im Staat Arizona etwa raten die Behörden die Besucher, sich den größten Teil des Tages von den Wegen im inneren Canyon fernzuhalten, wo es oft deutlich heißer ist als am Rand. Im Big-Bend-Nationalpark am Rio Grande im Westen von Texas, wo es 110 Grad Fahrenheit (43,3 Grad Celsius) heiß werden könnte, wird vor Wanderungen am Nachmittag gewarnt.
Bereits vier Hitze-Todesfälle in US-Nationalparks
Was an Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sei, hänge vom jeweiligen Park und den darin befindlichen Landschaften ab, sagt Cynthia Hernandez, Sprecherin der Bundesbehörde National Park Service, die für alle Nationalparks in den USA zuständig ist. Zum Teil würden Wege gesperrt, wenn die Bedingungen zu gefährlich seien. Warnhinweise und Informationen zu Einschränkungen werden laut Hernandez auf den Websites der einzelnen Parks veröffentlicht.
Allein in diesem Jahr sind Berichten zufolge in den Nationalparks der USA bereits mindestens vier Todesfälle im Zusammenhang mit extremer Hitze zu beklagen. Unter den Opfern war laut einer Pressemitteilung auch ein 65-jähriger Mann aus San Diego, der Anfang dieses Monats im Death Valley tot in seinem Auto aufgefunden wurde.
Die Verwaltung des Death-Valley-Nationalparks mahnt Besucher dazu, selbst Vorkehrungen für die eigene Sicherheit zu treffen und sich nicht darauf zu verlassen, dass im Zweifel Retter losgeschickt würden. Ranger würden zwar die Straßen innerhalb des Parks abfahren und könnten Autofahrer im Falle einer Panne unterstützen. Aber es gebe keine Garantie, dass abseits der Straßen vermissten Touristen rechtzeitig geholfen werde.
In der zerklüfteten Landschaft des Death Valley können die Park-Ranger nicht dafür garantieren, dass Touristen abseits der Straßen rechtzeitig gefunden werden.
Foto: APDas Death Valley liegt etwa 86 Meter unter dem Meeresspiegel, ist aber von hohen Bergen umgeben. Weil die Luft so trocken ist und es kaum Pflanzenbewuchs gibt, kann das Sonnenlicht die Oberfläche in besonderer Weise aufheizen. Felsen und Böden geben die Hitze wiederum ab. In den Tiefen des Tals staut sie sich dann.
An vielen Stellen im Nationalpark stehen Schilder mit Aufschriften wie „Hitze tötet“ („heat kills“) oder Warnungen vor „brutaler Sommersonne“ („savage summer sun“).
Eugen Chen aus Taiwan bezeichnet das Death Valley als „ikonisch“ und als einen „ganz speziellen Ort“. Auch Josh Miller aus Indianapolis im Staat Indiana ist entzückt. „Es ist heiß, aber die Kulisse ist umwerfend“, sagt er.
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