Soko „Matrjoschka“: Razzia auf Anwesen von russischem Oligarchen am Tegernsee
Zollbeamte stellen bei einer Razzia in einer Villa am Tegernsee Vermögenswerte sicher, die im Zusammenhang mit einem russischen Oligarchen stehen sollen.
Foto: dpaFahnder der Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung (ZfS) haben am Donnerstagmorgen eine Villa am Tegernsee durchsucht und mehrere teure Autos sichergestellt. Die Aktion der Sonderkommission Matrjoschka richtete sich gegen Alischer Usmanow, einen russischen Staatsangehörigen, der im Anhang der EU-Sanktionsverordnung aufgeführt ist, wie die ZfS mitteilte.
Mit der Maßnahme sollte ein möglicher Verkauf der Fahrzeuge verhindert werden, sagte der Sprecher der Soko Matrjoschka, Heinz Michael Horst. Rund 30 Fahnder durchsuchten die Villa am See, die mit Flatterband abgesperrt war. An der Aktion waren nach ZfS-Angaben auch das Bundeskriminalamt, die Steuerfahndung, die Bundespolizei und das Zollfahndungsamt München beteiligt.
Sturmhauben und Abschleppwagen
Teils trugen die Ermittler Sturmhauben. Abschleppwagen fuhren an den Anwesen in Rottach-Egern vor, luden mehrere hochwertige Fahrzeuge der Luxusklasse auf und transportierten sie ab, wie dpa-Reporter berichteten. dpa-Informationen zufolge wurden sie zunächst an einen geheimen Ort gebracht. Die Neuwerte der sichergestellten Fahrzeuge liegen nach Angaben des Soko-Sprechers im mittleren siebenstelligen Bereich.
Zollbeamte verladen eins der sichergestellten Autos auf einen Abschleppwagen.
Foto: dpaAls Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte die EU massive Sanktionen gegen russische Staatsangehörige und Unternehmen verhängt. Die betreffende Person sei in der entsprechenden EU-Verordnung gelistet, erläuterte die ZfS. Daraus folge, dass sämtliche Gelder und Ressourcen im Eigentum oder Besitz der Person – oder die von ihr gehalten oder kontrolliert werden – eingefroren seien und damit nicht veräußert werden dürfen.
Die ZfS ermittele bei entsprechenden Anhaltspunkten entsprechende Vermögenswerte und veranlasse je nach Ergebnis weitere Schritte wie etwa eine Sicherstellung. Dafür sei eine „Sonderkommission Matrjoschka“ gebildet worden.
Eine Drohnenaufnahme des durchsuchten Anwesens am Tegernsee.
Foto: dpaAutos sollten verkauft werden
„Es hat aktuelle Hinweise gegeben, dass Veräußerungen der Fahrzeuge bevorstehen sollten. Deswegen haben wir zugegriffen und die Fahrzeuge sichergestellt“, erläuterte der Soko-Sprecher Horst weiter. Damit solle vorerst verhindert werden, dass die Fahrzeuge derzeit veräußert würden.
„Wir haben bisher fünf Fahrzeuge vorgefunden, suchen aber noch nach Möglichkeiten, wo andere Fahrzeuge stehen könnten“, sagte Horst weiter. „Die Fahrzeuge werden dann sicher eingelagert und im weiteren Verfahren entscheidet sich, wie damit umgegangen wird.“
Die sichergestellten Fahrzeuge stehen auf einem vom Zoll bewachten Parkplatz und werden von hier aus an einen geheimen Ort gebracht.
Foto: dpaUsmanow habe die russische Regierung aktiv unterstützt
Usmanow sieht sich nach Angaben seiner Pressestelle zu Unrecht verfolgt. „Die von deutschen Zollbeamten durchgeführten Durchsuchungen auf Liegenschaften, die Herrn Usmanow nicht gehören, sehen aus wie ein Versuch, zu kriminalisieren, was nicht kriminalisiert werden kann“, hieß es in einer Stellungnahme. Usmanows Anwälte hätten bisherige Ermittlungen gegen ihn erfolgreich vor deutschen Gerichten angefochten. Zudem habe er deutsche und EU-Behörden umfassend über seine Besitzverhältnisse informiert.
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Bereits im September des vergangenen Jahres hatten deutsche Strafverfolgungsbehörden ein Anwesen Usmanows in Rottach-Egern am Tegernsee durchsucht. Damals ging es in erster Linie um den Vorwurf der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung. Nun wirft die EU Usmanow vor, er habe die die Ukraine destabilisierende Politik der russischen Regierung aktiv unterstützt. Der 70-Jährige mit Firmenbeteiligungen in verschiedenen Branchen sei einer der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin besonders favorisierten führenden Geschäftsleute.
Signal auch an andere Sanktionsbetroffene
Die Aktion der Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung zeige, dass die EU-Sanktionen wirksam seien und griffen, kommentierte die Berliner Finanzstaatssekretärin Katja Hessel (FDP). Das Bundesministerium der Finanzen habe die Zentralstelle Anfang des Jahres eingerichtet, um Vermögenswerte von Oligarchen und anderen sanktionierten Personen besser aufspüren zu können.
„Von Beginn an – und parallel zur laufenden Aufbauarbeit – hat die Zentralstelle in einzelnen Sachverhalten ermittelt. Die heute getroffenen Maßnahmen geben ein Signal auch an andere Sanktionsbetroffene, dass geltendes Recht in Deutschland umgesetzt wird.“
Hinweis der Redaktion: Am 8. November 2024 hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt die Geldwäsche-Ermittlungen gegen Alischer Usmanow gegen Geldauflage eingestellt. Der Text war ursprünglich am 5. Oktober 2023 erschienen, wir haben ihn um die Information zur Einstellung ergänzt.
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