Diabetesmittel Ozempic: Novo-Nordisk-Aktie steigt, Fresenius fällt – was dahintersteckt
Dialyse-Markt im Wandel: Das Diabetesmittel Ozempic hilft womöglich auch bei Nierenversagen.
Foto: WirtschaftsWocheKaum war die Studie draußen, reagierte die Börse. Nachdem der dänische Konzern Novo Nordisk publizierte, dass sein Diabetesmittel Ozempic Nierenkranken hilft, stürzten die Aktien der Dialyse-Anbieter ab: Fresenius Medical Care (FMC) verlor zeitweise 24 Prozent. In dessen Sog auch der Dax-Konzern Fresenius, der mit 32 Prozent an FMC beteiligt ist. FMC ist der größte Anbieter auf dem 50 Milliarden Dollar schweren Markt für Dialysegeräte. Auch das US-Unternehmen DaVita, das ebenfalls auf Dialyse spezialisiert ist, wurde abgestraft. Wenn es künftig ein gutes Medikament für Nierenkranke gibt, braucht es womöglich bald weniger Dialysebehandlungen, schlussfolgerten etliche Anleger. Ob das dann tatsächlich stimmt, ist noch fraglich.
Ozempic ist seit Jahren gegen Diabetes zugelassen und wird in einem Fertigpen unter die Haut gespritzt. Es enthält wie die Abnehmspritze Wegovy, die ebenfalls von Novo Nordisk stammt, den Wirkstoff Semaglutid.
Novo Nordisk testete das Mittel auch in einer klinischen Studie zur Behandlung von Nierenversagen bei Diabetespatienten. Die 2019 gestartete Studie brach der dänische Pharmakonzern nun wegen positiver Ergebnisse auf Empfehlung eines unabhängigen Kontrollgremiums vorzeitig ab – fast ein Jahr früher als gedacht. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob Ozempic das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verzögern und das Todesrisiko durch Nieren- und Herzprobleme senken kann.
Loslösung von FMC
Die Studie war auch bei Fresenius bekannt. Und sie könnte eine Entscheidung mit befördert haben, die CEO Michael Sen in diesem Jahr fällte – die Loslösung von FMC. Zwar ist Fresenius nur mit 32 Prozent an FMC beteiligt, musste das Unternehmen aber aufgrund seiner rechtlichen Konstruktion zu 100 Prozent konsolidieren. Damit ist bald Schluss: Ab 2024 muss Fresenius FMC nur noch entsprechend seinem Anteil konsolidieren. Dann würden auch niedrigere Gewinne bei FMC nicht mehr so sehr auf Fresenius durchschlagen.
Neben den Verlierern gab es freilich auch Gewinner: Die Papiere von Novo Nordisk stiegen. Die deutschen Hersteller Gerresheimer und Schott Pharma profitierten ebenfalls – sie liefern Spritzen und sonstige Pharmaverpackungen.
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