Leben mit Aktien: Das bedeutet die Dollar-Abwertung für Anleger
Seit Jahresbeginn hat der Dollar im Vergleich zum Euro massiv abgewertet. Die Relation der beiden Währungen liegt aktuell bei 1,17. Für 100 Euro müssen US-Amerikaner also 117 Dollar hinblättern. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Vergleich zu anderen Währungen. Der Dollar-Index, der den Dollar mit sechs anderen Währungen vergleicht, ist seit Jahresbeginn rund zehn Prozent gefallen.
Gründe für die Dollar-Schwäche gibt es mehrere: Das Vertrauen in US-Institutionen sinkt, die Verschuldung der Vereinigten Staaten steigt. Laut Vincenzo Vedda, Investmentchef der DWS, spielt auch die gefährdete Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve eine Rolle. Aber: „Der schwache Dollar stützt andererseits die US-Aktienmärkte, etwa durch wettbewerbsfähigere Exporteure“, sagt Vedda. US-Unternehmen mit starkem Auslandsgeschäft profitieren, weil ihre Umsätze in ausländischer Währung bei der Bilanzierung in Dollar an Wert gewinnen.
Nur kommt das aktuell bei vielen Anlegern außerhalb der USA nicht in den Depots an. Wer beispielsweise einen in Euro gehandelten ETF auf Dollar-Werte bespart, guckt in die Röhre. Während der US-Leitindex S&P 500 in Dollar seit Jahresanfang mehr als fünf Prozent im Plus ist, blicken Euro-Anleger auf ein Minus von mehr als fünf Prozent. Auch bei Anlagen in den Weltaktienindex MSCI World macht sich die Dollar-Schwäche bemerkbar, wegen des hohen US-Anteils.
Noch stärker ist die Dollar-Schwäche bei manchen US-Einzelwerten zu spüren. Anteilsscheine von Coca-Cola zum Beispiel haben sich zuletzt in Dollar deutlich stärker entwickelt als in Euro.
Die Abwertung des Dollar hat auch Einfluss auf den Euro-Gegenwert der Dividende. Im Dezember 2024 zahlte Coca-Cola Aktionären 0,49 Dollar je Aktie. Aktionären in Europa wurden dafür 0,47 Euro eingebucht. Bei der jüngsten Ausschüttung am 1. Juli schüttete der Getränkeriese zwar mehr aus als zuvor, 0,51 Dollar je Aktie. Für deutsche Aktionäre blieb aber durch den Wechselkursverlust bloß 0,43 Euro je Aktie. Weniger statt mehr.
Immerhin: Anleger, die Ausschüttungen direkt wieder in Aktien investieren, sollte das nicht stören. Sie bekommen US-Werte schließlich auch vergleichsweise günstiger.
Europäische, international agierende Unternehmen wie zum Beispiel den Softwarekonzern SAP trifft die Dollar-Schwäche genau gegensätzlich. Ihre Dollar-Gewinne sind bei der Bilanzierung in Euro weniger wert, Exporte in die USA verteuern sich.
Wie schwach wird der Dollar?
Wie dramatisch ist die Dollar-Schwäche wirklich? Christian W. Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, sagt im WirtschaftsWoche-Podcast „Leben mit Aktien“: „Die zwölfprozentige Bewegung, die wir im vergangenen halben Jahr im Euro-Dollar-Kurs gesehen haben, ist natürlich stark, aber nicht beispiellos.“ Das zeige ein Blick auf die Historie der Euro-Dollar-Relation:
- Diese lag 1999, zur Einführung des Buchgeld-Euro, auf ähnlichem Niveau wie heute (1,17).
- Die Durchschnittsrelation in den vergangenen zehn Jahren lag bei 1,12, also nur marginal niedriger als jetzt.
- Es gab immer wieder Phasen mit heftigeren Bewegungen im Wechselkurs (2002/2003 plus 18,6 Prozent; 2017 plus 12,3 Prozent).
Anleger sollten keine Angst vor Wechselkursschwankungen haben, sondern sie eher als „Begleitmusik zum Aktieninvestment“ betrachten, sagt WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar. Wechselkurse seien nicht mehr und nicht weniger als ein zusätzlicher Einflussfaktor. Dieser wirkt sich für Euro-Anleger zwar derzeit negativ aus, zu anderen Zeiten aber positiv.
Falls Anleger trotzdem eine Währungssicherung wünschen, können sie zu ETFs mit dem Zusatz „hedged“ greifen. Diese setzen in der Regel Devisentermingeschäfte ein, um Wechselkurseffekte zu beseitigen. Die Absicherung kostet allerdings oft ein bisschen mehr. Und: Wer sich dauerhaft gegen Wechselkursverluste absichert, sichert sich genauso gegen Wechselkursgewinne ab.
Mehr zu den Auswirkungen des schwächeren Dollars, zum frischen Rekordhoch des S&P 500 sowie zu der Frage, wer aus dem Deal zwischen RTL und Sky Deutschland als Gewinner hervorgeht, erfahren Sie in der aktuellen Folge von „Leben mit Aktien“.
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