Deutsche Waffenlieferungen: Das kann der Kampfpanzer Leopard 2
Ein Kampfpanzer Leopard 2 schießt während einer Bundeswehrübung
Foto: dpaNach monatelangen Diskussionen rückt die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine näher. Kanzler Olaf Scholz ist nach übereinstimmenden Medienberichten unter Bedingungen dazu bereit. Auch Finnland und Polen, die ihre Armeen mit Leopard 2-Modellen ausgerüstet haben, lassen schon seit Wochen durchblicken, dass sie die modernen Kampfpanzer an die Ukraine liefern würden.
In den vergangenen Wochen kündigte Deutschland außerdem die Lieferung von Marder-Schützenpanzern und Patriot-Luftabwehrraketen an um der Ukraine zu helfen.
Eine Übersicht über die Waffensysteme und was sie können:
Leopard 2
Leopard 2 A4
Foto: dpaWas kann das System?
Der Leopard 2 gilt als einer der besten Kampfpanzer weltweit. Die Hauptwaffe des rund 60 Tonnen schweren Panzers ist eine 120 Millimeter Kanone, die eine leistungsstarke KE-Munition gegen Panzer und die neue Spreng-Munition gegen andere Ziele einsetzen kann. Außerdem ist er bis zu einer Wassertiefe von 4 Metern unterwasserfahrfähig. Der mit einem 1500 PS starken Motor ausgestattete Panzer beschleunigt das Fahrzeug auf knapp 70 km/h und hat Platz für eine vierköpfige Besatzung. Die aktuellen Versionen haben außerdem eine Kampfraumkühlanlage zur Kühlung der Elektronik und des Kampfraumes sowie ein Stromzusatzaggregat, damit bei höherem Strombedarf im Stand nicht das Haupttriebwerk laufen muss. Was ihn einzigartig macht ist seine große Schutzwirkung. Selbst wenn er durch einen anderen Panzer getroffen wird, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Besatzung überlebt.
Wann und von wem gebaut?
Der Leopard 2 wird seit 1978 von den deutschen Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall in Serie gebaut und ist der Nachfolger des Leopard 1. In der Folge des Kosovokrieges kam er erstmals bei KFOR zum Einsatz. In der langen Produktionszeit entstand eine Vielzahl von Varianten des Leopard 2, davon sind vier aktuell aktiv. Im Fall der Ukraine geht es meistens um die Variante A4, die jedoch die Bundeswehr nicht betreibt und die überabreitet werden müsste.
Was bringt es der Ukraine und hilft es?
Die Ukrainer wollen mit dem Leopard 2 gegnerische Linien in dem zuletzt eher statischen Stellungskrieg durchbrechen. Der Panzer vereint Feuerkraft und Beweglichkeit und hat einen großen Vorteil durch die breite Nutzergemeinschaft, welche funktionierende Ausbildungs- und Logistikketten besitzt. Es gibt immer noch Ersatzteile, welche teilweise über Versionen hinweg genutzt werden können und hinreichend Personal, das Fahrzeuge reparieren und Besatzungen ausbilden kann. Trotzdem handelt es sich bei dem Leopard 2 um ein anderes Konzept als bei den T-Panzern, weswegen erst Erfahrung mit dem Umgang gesammelt werden muss. Da die ukrainischen Vorräte an T-Panzern, ihren Ersatzteilen und Munition innerhalb Europas zu Neige gehen, sichert man mit der Lieferung dieser Panzer die ukrainische Fähigkeit zur mechanisierten Kriegsführung.
Marder
Marder
Foto: REUTERSWas kann das System?
Der deutsche Panzer Marder ist extrem vielseitig, er kann als Schützenpanzer Truppen transportieren und durch bis zu zwei Meter tiefes Wasser fahren. Mit Abwehrwaffen wie der Milan-Rakete und seiner 20-Millimeter-Maschinenkanone bekämpft das 35 Tonnen schwere Fahrzeug mit dem 600-PS-Motor feindliche Infanterie und geschützte Fahrzeuge bis zum Kampfpanzer. Bundeswehr-Soldaten haben dem gepanzerten Fahrzeug den Namen „Eisenschwein“ verliehen – ein Kosename, keine Beleidigung. Dank mehrerer Verbesserungen bei Waffen und Schutzsystemen ist er vielen russischen Systemen überlegen.
Wann und von wem gebaut?
Der Marder kam 1971 zur Bundeswehr und wurde von Rheinmetall und dessen Vorgängerunternehmen gebaut. Weil sich die Auslieferung des Nachfolgers Puma verzögerte, ist er bis heute im Dienst und wird immer noch durch sogenannte „Kampfwertsteigerungen“ verbessert.
Was bringt es der Ukraine und hilft es?
Wegen der relativ hohen Sicherheit, seiner Flexibilität, den starken Waffen und der vergleichsweise einfachen Bedienung ist der Kalte-Kriegs-Panzer eine ideale Ergänzung für die Armee der Ukraine in den erwarteten Feldschlachten im Osten des Landes.
Patriot
Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot
Foto: dpaWas kann das System?
Das Flugabwehrraketensystem Patriot bekämpft Flugzeuge, taktische ballistische Raketen und Marschflugkörper. Grundlage ist ein komplexes Radarsystem, das mit Richtstrahlen arbeitet. Mobile Launcher feuern dann ihre Abwehrraketen ab.
Was bringt es der Ukraine?
Das Luftabwehrsystem kann jene Bedrohungen ausschalten, die im Krieg bereits zum Einsatz kamen. Die Lieferung der Patriot-Systeme ist auch eine Reaktion auf die Luftangriffe Russlands gegen die ukrainische Zivilbevölkerung.
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