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Städteranking 2016Das sind Deutschlands Bildungshochburgen

Immer mehr junge Menschen studieren, immer weniger verlassen ohne Abschluss die Schule. Deutschland, einig Bildungsrepublik? Von wegen. Welche Großstädte in puncto Bildung reüssieren – und welche Nachholbedarf haben.Lukas Zdrzalek 16.10.2016 - 11:26 Uhr

Städteranking nach Bildung: Hamm in Nordrhein-Westfalen, Bottrop und Bremerhaven.

Foto: dpa Picture-Alliance

Wer allein auf die Zahlen für Gesamt-Deutschland schaut, könnte meinen, die Bundesrepublik sei ein Bildungs-Mekka. Mittlerweile machen weit mehr als 30 Prozent eines Jahrgangs das Abitur, zudem hat sich die Zahl der Hochschulabsolventen in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt.

Tatsächlich trügt jedoch der Eindruck, ganz Deutschland sei Bildungshochburg: Zwischen einzelnen Großstädten tun sich massive Unterschiede auf, zeigt das exklusive Städteranking 2016 von WirtschaftsWoche, Immobilienscout24 und des IW Consult Köln. In süddeutschen Kommunen sind die Einwohner tendenziell höher gebildet als in Ost- und West-Städten.

Akademikerhochburg Erlangen

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Deutlich wird das zum Beispiel am Anteil der Beschäftigten mit akademischem Abschluss. Am höchsten ist dieser Wert im fränkischen Erlangen, Heimat mehrerer Sparten des Technologie-Konzerns Siemens. Der Anteil der Hochgebildeten beträgt hier 31,8 Prozent. Den zweiten Platz erreicht Jena in Thüringen. In der Stadt an der Saale haben 30,5 Prozent aller Erwerbstätigen einen Hochschulabschluss.

Ein Grund dafür: In Jena sitzen viele Hochtechnologie-Unternehmen, etwa Jenoptik und Carl Zeiss Meditec, die in der Glas- und Optikindustrie tätig sind. Die drittplatzierte Stadt ist München. Das verwundert kaum, denn die bayerische Landeshauptstadt beherbergt gleich fünf Dax-Konzerne, unter anderem den Autobauer BMW, Siemens und den Gasehersteller Linde.

Niveauranking 2016: Die besten Städte Deutschlands
StuttgartPunkte: 60,5Das Niveauranking umfasst 53 Einzelindikatoren und basiert auf den aktuellsten verfügbaren Ist-Werten. Die Zahlen sind gerundet, was zu gleicher Punktzahl bei unterschiedlichen Rängen führen kann. Aufgenommen wurden alle kreisfreien Städte ab 100.000 Einwohner und zwei Städteregionen beziehungsweise Stadtverbände.Quelle: IW Consult
Frankfurt am MainPunkte: 61,2
IngolstadtPunkte: 62
ErlangenPunkte: 64,3
MünchenPunkte: 67,6

Auf dem drittletzten Platz landet die Hafenstadt Bremerhaven, der Anteil der Hochgebildeten liegt gerade einmal 9,6 Prozent – obwohl die Stadt Sitz einer Fachhochschule ist.

Platz 10: Dresden

Der WirtschaftsWoche-Zukunftsindex misst das Zukunftspotenzial der 69 deutschen Großstädte anhand von dreizehn Einzelindikatoren, etwa in den Bereichen Forschungsstärke, Industrien der Zukunft und kreative Dienstleistungen. Dresden schafft es als eine von zwei ostdeutschen Großstädten unter die Top Ten. Die Kommune überzeugt etwa durch eine besonders hohe Ingenieursdichte: Auf 100 Beschäftigte kommen 4,9 studierte Techniker. Zudem ist Dresden eine der schlauesten Städte der Republik. Der Akademiker-Anteil an allen Beschäftigten beträgt 26 Prozent, der siebthöchste Wert Deutschlands.

Das vollständige Ranking zum Download finden Sie hier

Foto: dpa (5)

Platz 9: Jena

Jena schafft es als zweite ostdeutsche Großstadt, einen der Top-Ten-Plätze zu ergattern. Die Metropole an der Saale prägt ein besonders starker Erfindergeist: Auf 100.000 Erwerbstätige kommen 89,4 Patente, das ist der zweithöchste Wert aller Groß-Kommunen. Gleichzeitig ist Jena eine der schlauesten Städte der Republik. Der Akademiker-Anteil liegt bei mehr als 30 Prozent, das ist wieder der zweithöchste Wert. Jena profitiert von der Glas- und Optikindustrie. In der Stadt sitzen weltbekannte Unternehmen wie Jenoptik und Carl Zeiss Meditec.

Foto: dpa (5)

Platz 8: Ingolstadt

Ingolstadt, Heimat des Autobauers Audi, ist eine von drei bayerischen Kommunen, die es auf die Liste der zehn zukunftsfähigsten Städte geschafft haben. In der Kommune kommen auf 100 Beschäftigte mehr als sieben Ingenieure – nur in Wolfsburg arbeiten relativ gesehen noch mehr studierte Techniker. Zudem arbeiten rund 50 Prozent der Beschäftigten in sogenannten Industrien der Zukunft, das ist ebenfalls der zweithöchste Wert der Republik.

Foto: dpa (5)

Platz 7: Karlsruhe

Karlsruhe ist eine von drei baden-württembergischen Städten, die es in die Top Ten schaffen. In der Kommune arbeiten besonders viele Absolventen von Studienfächern aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Technik und den Naturwissenschaften (MINT). Ihr Anteil an allen Beschäftigten beträgt 3,5 Prozent, der dritthöchste Wert bundesweit. Gleichzeitig arbeiten je 100 Beschäftigte mehr als zehn Karlsruher im Kreativ-Bereich. Nur in München, Mainz und Pforzheim sind es mehr.

Foto: dpa (5)

Platz 6: Stuttgart

Stuttgart, Heimat des Autobauers Daimler, überzeugt etwa durch eine besonders hohe Ingenieursdichte: Auf 100 Beschäftigte kommen 6,1 studierte Techniker, das ist der vierthöchste Wert der Republik. Zudem ist der Anteil der Akademiker an allen Erwerbstätigen enorm hoch. Fast 30 Prozent aller Beschäftigten haben einen Hochschulabschluss.

Foto: dpa (5)

Platz 5: Wolfsburg

Die VW-Stadt ist die einzige niedersächsische Kommune in der Bestenliste. In Wolfsburg arbeiten bereits jetzt rund 60 Prozent aller Beschäftigten in sogenannten Industrien der Zukunft. Zudem beträgt der Anteil der Unternehmen, die schon auf die via Internet vernetzte Produktion vorbereitet sind, die sogenannte Industrie 4.0, fast sieben Prozent – das ist der höchste Wert aller 69 Großstädte. Gleichzeitig weist Wolfsburg die höchste Ingenieursdichte auf: Auf 100 Beschäftigte kommen 11,2 studierte Techniker.

Foto: obs

Platz 4: Heidelberg

Heidelberg ist die bestplatzierte baden-württembergische Stadt. Die Kommune am Neckar glänzt durch eine hohe Akademikerquote, rund 26 Prozent aller Heidelberger haben einen Hochschulabschluss erworben. Außerdem sind 4,8 Prozent der Unternehmen auf die Industrie 4.0 vorbereitet, das ist der siebthöchste Wert.

Foto: AP

Platz 3: München

Die bayerische Landeshauptstadt weist einen besonders hohen Anteil an Ingenieuren auf: Auf 100 Beschäftigte kommen 5,6 studierte Techniker, das ist der sechsthöchste Wert Deutschlands. Zudem überzeugt München durch einen ausgeprägten Erfindergeist: Je 100.000 Erwerbstätige melden die Bewohner der Millionen-Metropole mehr als 71 Patente an. Die Landeshauptstadt zählt außerdem zu den schlauesten Groß-Kommunen: Der Anteil der Akademiker an allen Beschäftigten beträgt rund 30 Prozent, das ist der dritthöchste Wert.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 2: Erlangen

Die bestplatzierte bayerische Kommune ist die Erfinderhauptstadt der Republik: Je 100.000 Einwohner melden die Erlanger rund 172 Patente an, das übertrifft keine andere Großstadt. Außerdem ist die Kommune, Sitz verschiedener Siemens-Sparten, die schlaueste Stadt Deutschlands. Der Anteil der Akademiker an allen Beschäftigten beträgt fast 32 Prozent. Zudem glänzt Erlangen durch eine hohe Ingenieursdichte: Auf 100 Beschäftigte kommen 7,1 studierte Techniker.

Foto: dpa

Platz 1: Darmstadt

Die einzige hessische Stadt in den Top Ten, sie führt das Ranking gleichzeitig auch noch an. In Darmstadt arbeiten relativ gesehen die meisten Absolventen von Studien-Fächern aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Technik und den Naturwissenschaften (MINT). Ihr Anteil an allen Beschäftigten beträgt sechs Prozent. Zudem liegt der Akademiker-Anteil bei 28,3 Prozent, das ist der vierthöchste Wert der Republik. Bereits jetzt sind 6,1 Prozent der Darmstädter Unternehmen auf die Industrie 4.0 vorbereitet, das ist der zweithöchste Wert der Republik.

Foto: WirtschaftsWoche

Noch niedriger ist der Wert in Hamm in Westfalen. Nur 9,3 Prozent aller Erwerbstätigen haben eine Hochschule besucht. Das Schlusslicht ist die Ruhrgebiets-Stadt Bottrop, die Hochgebildeten-Quote liegt bei mickrigen 7,3 Prozent. Bottrop ächzt wie Hamm unter dem misslungenen Strukturwandel in Teilen von Nordrhein-Westfalen.

Süddeutsche Städte erzielen ebenfalls Spitzenplätze, wenn es darum geht, wo viele Menschen in wissensintensiven Dienstleistungen arbeiten. Diese Jobs erfordern eine besonders hohe Bildung.

Niveauranking 2016: Die schlechtesten Städte Deutschlands
OberhausenPunkte: 40,3Das Niveauranking umfasst 53 Einzelindikatoren und basiert auf den aktuellsten verfügbaren Ist-Werten. Die Zahlen sind gerundet, was zu gleicher Punktzahl bei unterschiedlichen Rängen führen kann. Aufgenommen wurden alle kreisfreien Städte ab 100.000 Einwohner und zwei Städteregionen beziehungsweise Stadtverbände.Quelle: IW Consult
DuisburgPunkte: 40,3
BremerhavenPunkte: 39,9
HernePunkte: 38,7
GelsenkirchenPunkte: 35,8

Unter den zehn bestplatzierten Kommunen finden sich etwa Karlsruhe und Erlangen, Mainz und Stuttgart. In diesen vier Metropolen liegt der Wert zwischen ungefähr 34,5 und rund 36,5 Prozent. Spitzenreiter ist Heidelberg, wo fast 40 Prozent aller Erwerbstätigen in wissensintensiven Dienstleistungen arbeiten. Auf den zweiten Platz kommt München. In der bayerischen Landeshauptstadt zählen rund 38 Prozent aller Jobs zu diesem Bereich.

Ruhrgebiet auf den hinteren Plätzen

Auf den hinteren Plätzen dagegen landen etwa West-Städte wie Hagen, Oberhausen und Solingen, wo nur 15 bis 17 Prozent der Erwerbstätigen in wissensintensiven Dienstleistungen arbeiten.

Infografik

Die besten Städte 2016

In unserer Infografik finden Sie das Niveau- und Dynamikranking sowie die Stärken- und Schwächenprofile aller untersuchten Städte des gemeinsamen Rankings von WirtschaftsWoche, Immobilienscout24 und der IW Consult Köln.

Umgekehrt weisen West- und Ost-Städte die höchsten Werte auf, wenn es um Bildungs-Versagen geht, etwa um die Schulabbrecher-Quote. So landen etwa die Ruhrgebiets-Städte Essen und Gelsenkirchen auf den hinteren Plätzen. In den beiden Kommunen verlassen rund zehn Prozent der Schüler die Schule ohne Abschluss.

Noch höher ist dieser Wert mit 11,4 Prozent im sächsischen Chemnitz, das auf dem drittletzten Platz landet. Auf dem vorletzten Rang liegt Lübeck mit 11,5 Prozent, das Schlusslicht ist Leipzig, wo fast 12 Prozent aller Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen.

Kaum Schulabbrecher im Süden

In süddeutschen Städten ist der Anteil der Schulabbrecher dagegen niedrig. Im fränkischen Erlangen liegt ihr Anteil an allen Schülern nur bei 3,3 Prozent. In Mainz, der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, sind es sogar nur 2,1 Prozent. Die relativ gesehen wenigsten Schulabbrecher weist Heidelberg in Baden-Württemberg auf, ihr Anteil beträgt nur 1,8 Prozent. Bildung ist hier einfach eine Selbstverständlichkeit.

Bei der Abiturientenquote ist das Bild nicht so einheitlich wie bisher. In Darmstadt, Jena und Hamburg liegt der Anteil der Abiturienten an allen Schulabgängern bei 55 Prozent und mehr. Nürnberg und Hamm, Fürth und Heilbronn dagegen weisen Quoten von unter 30 Prozent auf.

Zudem zeigen sich Unterschiede darin, wie sich die Hochschul-Absolventen verschiedener Fächer über Deutschlands Großstädte verteilen. Studenten in Potsdam und Trier, Heidelberg und Würzburg mögen vor allem Kreativfächer. Ihr Anteil an allen Beschäftigten beträgt hier fast zwei Prozent, der Spitzenwert in Deutschland.

In Erlangen und Karlsruhe, Aachen und Darmstadt dagegen ist der Anteil der Absolventen besonders hoch, die Fächer aus dem Bereich der Mathematik, der Informatik, der Technik und den Naturwissenschaften studiert haben (MINT). In Erlangen, Karlsruhe und Jena beträgt er rund 3,5 Prozent, in Darmstadt gar 6 Prozent.

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