Arbeitsagentur: Jobsuche von Air Berlinern kommt voran
Ein Flugzeug von Air Berlin steht im September in der Wartungshalle des Flughafens in Düsseldorf.
Foto: dpaGut zwei Wochen vor Weihnachten haben einige Air-Berlin-Beschäftigte wieder einen Arbeitsvertrag in der Tasche. In Berlin und Umgebung hätten etwa 250 Menschen, die bei Jobcentern gemeldet waren, eine neue Perspektive gefunden. „Es geht gut voran“, sagte der Leiter der Arbeitsagentur Berlin Nord, Christoph Möller. In der Region seien aber auch noch rund 700 frühere Mitarbeiter der Fluggesellschaft arbeitslos gemeldet. In Nordrhein-Westfalen mit dem zweiten wichtigen Standort Düsseldorf sind es ähnlich viele.
„Wir erleben in der Wirtschaft ein hohes Interesse an diesen Mitarbeitern“, sagte Möller der Deutschen Presse-Agentur. Manche würden neue Jobs zum 1. Januar anfangen, bei ganz unterschiedlichen Arbeitgebern. Allerdings zählten zu den Air Berlinern mit neuer Perspektive auch diejenigen, die von der Lufthansa erstmal einen Schulungsvertrag bekommen hätten. Der diene dazu, Flugbegleiter und Piloten auf ein Arbeitsverhältnis vorzubereiten.
Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und Ende Oktober den Flugbetrieb eingestellt. Einen Großteil der Flotte übernimmt die Lufthansa, einen kleineren Teil die britische Easyjet. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Lufthansa hatte der EU-Kommission zuletzt angeboten, Start- und Landerechte abzugeben. Die Frist für eine Entscheidung läuft dort bis zum 21. Dezember.
Platz 10: SunExpress
Das Joint Venture der Lufthansa mit Turkish Airlines belegt in der Abflugstatistik des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) vom September 2017 Platz zehn. 1490 Starts von deutschen Flughäfen konnte SunExpress in diesem Zeitraum verzeichnen.
Foto: dpaPlatz 9: Tuifly
Die Tui-Tochter Tuifly landet mit 1559 Starts von deutschen Flughäfen auf Platz neun der aktuellen Statistik. Demnächst dürften es jedoch mehr werden: Der Ferienflieger hatte ein gutes Dutzend Maschinen an Air Berlin verchartert. Die kommen nach der Pleite der Airline zurück zu Tuifly. Statt attraktive Chartergebühren zu kassieren, muss Tuifly nun selbst für die Auslastung sorgen.
Foto: dpaPlatz 8: Niki
Das Air-Berlin-Tochterunternehmen Niki soll von der Lufthansa übernommen werden. Im September hob Niki 2060 mal von deutschen Flughäfen ab.
Foto: REUTERSPlatz 7: Condor
Die Thomas-Cook-Tochter Condor verzeichnete im September noch 2147 Starts aus Deutschland.
Foto: dpaPlatz 6: Easyjet
Easyjet übernimmt 25 Flugzeuge und Crews von Air Berlin für insgesamt 40 Millionen Euro – und damit auch lukrative Slots in Berlin-Tegel. Aus den 2499 Starts von deutschen Flughäfen im September dürften daher bald mehr werden.
Foto: dpaPlatz 5: Germanwings
Die Flugzeuge von Germanwings starteten im September 4594 mal von Deutschland aus – Platz fünf im Abflug-Ranking.
Foto: dpaPlatz 4: Ryanair
Europaweit ist Ryanair Marktführer, in Deutschland kam der irische Billigflieger im September dagegen nur auf 4992 Starts – das reicht nur für Platz vier.
Foto: REUTERSPlatz 3: Eurowings
Die Lufthansa-Tochter Eurowings belegt aktuell Platz drei in der Statistik der meisten Abflüge aus Deutschland: 6340 waren es im Monat September. Doch demnächst dürften es bedeutend mehr werden: 80 der insgesamt 130 Air-Berlin-Maschinen wechseln in den Besitz von Eurowings. Damit gehen auch zahlreiche Startrechte an die Airline.
Foto: dpaPlatz 2: Air Berlin
Air Berlin stand im September noch an Position zwei in der Statistik. 8652 mal hob die insolvente Fluggesellschaft in der Zeit von deutschen Startbahnen ab. Nachdem die Airline ihren Betrieb zum 28. Oktober eingestellt hat, wurden die lukrativen Start- und Landerechte an Wettbewerber verteilt.
Foto: REUTERSPlatz 1: Lufthansa
Der Marktführer dominiert mit 28132 Abflügen aus Deutschland das Ranking. Nach der Air-Berlin-Pleite haben die Lufthansa und ihre Billig-Töchter Eurowings und Germanwings endgültig die Lufthoheit in Deutschland.
Foto: dpaFür eine erste Arbeitsmarktbilanz sei es in Nordrhein-Westfalen noch zu früh, sagte eine Sprecherin der örtlichen Arbeitsagenturen. Im Land wohnten rund 2800 Menschen, die für Air Berlin gearbeitet hätten. Darunter sind viele Flugbegleiter. „Sicherlich kann man sagen, dass Kabinenmitarbeiter gute Chancen haben“, sagte die Sprecherin. Rund 1200 Air Berliner hätten sich bei ihnen arbeitssuchend gemeldet, davon 700 auch offiziell arbeitslos. Das sei der Stand vom 24. November, sagte sie. Neuere Daten kommen Ende Dezember.
Air Berlin hatte im Sommer noch gut 8000 Beschäftigte, bis Mitte Oktober verließen mehrere Hundert den Konzern. Rund 4000 Mitarbeiter könnten bei Easyjet und Lufthansa unterkommen, bei Lufthansa aber nicht alle zu alten Konditionen. Dort müssen sich Air Berliner teils neu bewerben. Gewerkschaften kritisieren das. Der Käufer der Techniksparte übernimmt rund 250 Mitarbeiter, die 700 übrigen und auch 1200 Beschäftigte der Zentrale können in Transfergesellschaften wechseln. So sollen sie qualifiziert und weitervermittelt werden.
In Berlin und Nordrhein-Westfalen hatten sich Mitarbeiter anfangs nur zögerlich arbeitslos gemeldet. Offensichtlich befürchteten manche, Rechte beim Kündigungsschutz oder Chancen auf einen Betriebsübergang zu verlieren. Mittlerweile hätten sich deutlich mehr Menschen gemeldet, sagte Möller. Es gebe aber immer noch einzelne, die den Anspruch nicht nutzten. Die Berliner Jobvermittler haben ihr Büro in der Firmenzentrale inzwischen aufgelöst. Spezielle Teams kümmern sich weiter um die Vermittlung ehemaliger Air Berliner. An ihnen hatte auch die Berliner Verwaltung und die Bundeswehr Interesse.