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Nach PreisrekordLidl zündet die nächste Stufe im Butter-Preiskampf

Verbraucher mussten für günstige Butter unlängst etwa 2,39 Euro pro 250 Gramm zahlen. Nun liefern sich Lebensmittel-Discounter einen neuen Preiskampf – nach unten.Laura Thalmeyer, Angelika Melcher 27.02.2025 - 08:58 Uhr

„Schön dick mit Butter“ – die Nachfrage nach fetthaltigen Molkereiprodukten beeinflusst den Butterpreis.

Foto: dpa

„Mit Butter schmeckt alles besser!“ Omas Worte zu befolgen, kann ein teures Vergnügen sein. 2024 war ein Rekordjahr bei den Butterpreisen. Im Oktober war der Preis für das billigste Päckchen Deutscher Markenbutter auf 2,39 Euro gestiegen. Butter kostete damit so viel wie noch nie.

Doch der neue Preiskampf zwischen den Discountern geht in die Gegenrichtung: nach unten. Jetzt prescht Lidl nun einen weiteren Schritt nach vorn und senkte den Butterpreis zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen. Das halbe Pfund der Eigenmarke kostet nun 1,99 Euro, also 20 Cent weniger als bisher. Auch der Preis der irischen Version der Eigenmarke sinkt um zehn Cent auf 2,69 Euro. Lidl gibt damit laut der „Lebensmittelzeitung“ den wieder sinkenden Rohstoffpreis für Butter direkt an seine Kunden weiter.

Armin Valet, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg, sieht hier aber noch keinen Start für langfristige Preissenkungen im Milchbereich. „Im letzten Jahr hatten wir hier enorme Preissteigerungen, jetzt kommt es zu einigen Korrekturen“, sagt Valet. „Allerdings ist es nicht so, dass wir bei Milchprodukten in nächster Zeit eine Schwemme erwarten – und so wohl vorerst keine weiteren, deutlichen Preisreduzierungen sehen werden.“

Butter sei im Handel ein psychologisch wichtiger Artikel, eine Art Gradmesser für Verbraucher. „Aus dem Butterpreis werden Schlüsse gezogen: Wenn er hoch ist, gelten die Preise im jeweiligen Markt generell als eher teuer“, sagt der Verbraucherschützer. Darauf hätten sich die Händler allerdings eingestellt, daher glaubt Valet, dass Lidls Konkurrenten schon bald nachziehen werden.

Denn auch schon vor Lidls neuerlicher Preissenkung hatten Handelsketten wie Lidl und Kaufland den Preis für eine 250-Gramm-Packung Deutscher Markenbutter der Eigenmarken bereits auf 2,25 Euro gesenkt. Die Discounter Aldi Nord und Süd zogen anschließend nach. Sie reduzierten den Preis um knapp 8,5 Prozent auf 2,19 Euro. Andere Butterprodukte sollten ebenfalls günstiger werden.

Auch Ketten wie Rewe, Penny und Norma kündigten Preissenkungen bei ihren Eigenmarken an. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Edeka und Netto ließen eine Anfrage zunächst unbeantwortet. Wenn einzelne Lebensmittelhändler die Preise von viel gekauften Artikeln wie Butter dauerhaft reduzieren, ziehen andere üblicherweise schnell nach.

Wieso sind die Butterpreise zuletzt gestiegen?

Wer die Preisschwankungen verstehen möchte, muss die Produktionskette kennen. Die Landwirte liefern Milch, Molkereien trennen das Fett aus der angelieferten Rohmilch. Das gewonnene Fett ist Hauptbestandteil für Butter und Sahne, aber es wird auch für viele andere Produkte wie Käse benötigt.

Zuletzt war diese Produktionskette an mehreren Stellen strapaziert: Es gab weniger Milch, der Fettgehalt der Rohmilch nahm ab und für manche fetthaltige Produkte wie Käse zog die Nachfrage deutlich an. Die Folge: Der Butterpreis kletterte in die Höhe.

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Hauptgrund für die Preisaufschläge war Experten zufolge das sinkende Angebot an Rohmilch. Seit Jahren ist die Zahl der Milchkühe und Milchviehbetriebe in Deutschland rückläufig. Nach Aussage des Milchindustrie-Verbands lagen die Rohmilchanlieferungen aus Deutschland Ende 2024 knapp 2,1 Prozent unter dem Vorjahr.

Der steigende Preis müsste nach der hehren Volkswirtschaftslehre eigentlich zu steigender Milchproduktion führen. Doch das passiert nicht. „Immer mehr Betriebe hören wegen der Unsicherheit in der Agrarbranche auf, obwohl die Erzeugerpreise in der tierischen Landwirtschaft momentan gut sind“, sagt Dirk Kalthaus, Landwirt und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen. Milchbauern erhielten Ende 2024 fast fünfzig Cent für ein Kilogramm Milch, zehn Cent mehr als im Jahr zuvor.

Kalthaus’ 120 Milchkühe geben rund 1,2 Millionen Liter Milch pro Jahr. „Die steigenden Auflagen der Politik führen zu weniger Erträgen, weniger Futtermittel und weniger Tieren, die die Ernährungsversorgungssicherheit gewährleisten können“, sagt der Milchbauer.

Im Sommer 2024 wirkte sich zusätzlich in einigen Regionen die Blauzungenkrankheit auf die Milchproduktion aus. Zahlreiche Milchkühe infizierten sich. Ungeborene Kälber starben, wodurch die Milchproduktion weiter beeinträchtig sein wird. Die von Mücken übertragene Krankheit verursacht Verkalkungen, geschwollene Gelenke, Milchrückgang und Durchblutungsstörungen bei Milchkühen. Das hat Kalthaus selbst auf seinem Hof im nordrhein-westfälischen Ennepe-Ruhr-Kreis erlebt.

„Die Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität führt dazu, dass wir wieder mehr Insekten haben und leider auch Gnitzen“, sagt Kalthaus. Das ist eine Mückenart, die die Blauzungenkrankheit hauptsächlich auf Rinder, Schafe, Ziegen überträgt. Auch Lamas, Alpakas und Wildwiederkäuer können sich mit dem Virus infizieren.

Sinkende Qualität der Rohmilch

Die milchverarbeitenden Betriebe führen die hohen Butterpreise auch auf die sinkende Qualität der Rohmilch des vergangenen Sommers zurück. Überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen in den Sommermonaten führten dazu, dass die Kühe Klee und Gras fraßen, das deutlich mehr Wasser enthielt als üblich. Das gilt auch für das eingelagerte Heu, das für den Winter als Futtermittel dient.

Das nährstoffärmere Futter reduzierte zusammen mit der Blauzungenkrankheit den Fettgehalt der Rohmilch. Je niedriger dieser ist, desto mehr Milch wird für ein Päckchen Butter oder Käse benötigt. In einem Kilo Käse kann das Fett aus zehn Litern Milch stecken.

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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im November 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn im Februar 2025 aktualisiert.

Mit Material der dpa.

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