Forschung & Innovation Wo die deutsche Innovationspolitik stockt

Digitale Bildung ist nach Ansicht der Expertenkommission Forschung und Innovation eine Schwachstelle der deutschen Innovationspolitik. Quelle: Getty Images

Künstliche Intelligenz, digitale Bildung, europaweite Innovation: Deutschland steht bei der Forschungspolitik vor riesigen Herausforderungen. Ein neues Gutachten bescheinigt der Republik passable Lösungsansätze – wenn einige Punkte beachtet werden.

Wenn Dietmar Harhoff vom Münchner Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb der Republik derzeit eine Schulnote für seine Forschungs- und Innovationspolitik verpassen müsste, würde er eine 3- ins Zeugnis schreiben. Harhoff beschäftigt sich seit Jahren mit der deutschen Zukunftspolitik. Am Max-Planck-Institut, aber auch als Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). Jedes Jahr prüfen sechs Wissenschaftler in der Kommission, wie sich das Land in Sachen Innovation und Forschung schlägt. Heute haben sie ihr Gutachten der Regierung präsentiert.

Harhoff und seine Kollegen kommen darin zu einem durchmischten Ergebnis. Viele passable Ansätze, gute Entwicklungen, aber auch noch jede Menge zu tun. „Es gibt in Deutschland viele kluge Gedanken zur Digitalisierung – aber wir haben davon kaum welche umgesetzt“, sagt er. Die Politik treffe dafür mindestens eine Mitschuld. Das Gutachten macht drei Forderungen deutlich, die schnell angegangen werden sollten, damit aus guten Ideen auch Praxiserfolg wird.

Mehr digitale Bildung wagen:

Bei der digitalen Bildung beobachten Harhoff und seine Kollegen seit Jahren eine Spaltung: In der beruflichen Bildung werden digitale Lehrinhalte relativ schnell aufgenommen und oft praxisnah umgesetzt. Harhoff würde hier als Schulnote eine 2 aufschreiben. An den Hochschulen, bei der Weiterbildung oder an Grundschulen und Gymnasien läuft es dagegen schleppend. Harhoffs Zensur in diesen Bereichen: Eine 4 oder schlechter.

Immerhin: Viele Punkte, auf die sich Union und SPD im Koalitionsvertrag geeinigt haben, gehen nach Einschätzung Harhoffs in die richtige Richtung. Der Digitalpakt, die Bildungsoffensive, das Ziel bis zum Jahr 2025 mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung auszugeben, das seien alles richtige Entscheidungen. „Man muss jetzt aber auch endlich handeln und darf bei den Baustellen nicht weiter vor sich hindudeln wie bisher“, sagt Harhoff.

Beispiel Digitalpakt: „Gute Idee“, sagt Harhoff. Ob die angesetzten fünf Milliarden Euro über fünf Jahre allerdings ausreichen, um eine flächendeckende digitale Ausstattung aller Schulen zu erreichen, sei unklar. Jedenfalls gebe es Studien, die das bezweifeln. „Wir müssen jetzt klotzen und nicht kleckern“, findet Harhoff. Der Nachholbedarf in Deutschland sei schlicht zu groß.

Das zeige sich schon bei den benötigten Informatiklehrern. Wo die herkommen sollen, weiß bislang keiner. Harhoff und seine Mitstreiter fordern deswegen bessere Möglichkeiten für Quereinsteiger. Nur so ließe sich der absehbare Engpass bei qualifizierten Lehrern vermeiden. Möglich seien zum Beispiel auch Projektarbeiten, erzählt Harhoff. Es gehe schließlich nicht darum, perfekte Entwickler oder Hacker schon in der Schule auszubilden, sondern allen Schulabgängern ein Verständnis für Daten und Programmcode mitzugeben. „Solche Kompetenzen werden in Zukunft auf jeden Fall wichtiger werden“, sagt Harhoff.

Eine einheitliche KI-Strategie entwickeln:

Selbstfahrende Autos, Sprachassistenten, Kühlschränke mit Bestellfunktion: Autonome Systeme und die darunter liegende Technologie Künstliche Intelligenz (KI) sind mittlerweile auch fast jedem Parlamentarier ein Begriff. Trotzdem sieht die Expertenkommission um Gutachter Harhoff in ihrer Studie noch viel Handlungsbedarf.

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