Mehr Nachfrage, weniger Flächen: Kaffee wird teurer
Die Deutschen lieben ihren Kaffee
Die deutschen Statistiker haben rund 1000 Kaffeetrinker gefragt: Warum trinken Sie das eigentlich? 61 Prozent sagten: "Kaffee trinken ist für mich purer Genuss". Dabei waren die Frauen leicht in der Überzahl. Von ihnen genießen 62 Prozent ihren Kaffee, bie den Männern sind es 60 Prozent. Gleiches auch bei denen, die sagten, dass sie "ohne Kaffee morgens gar nicht in die Gänge kommen": 40 Prozent Männer, 45 Prozent Frauen.
Die britische Agentur Pressat wollte es noch genauer wissen und hat bei 10.000 Arbeitnehmern aus dem Commonwealth nachgefragt: Wie viel Kaffee trinken Sie pro Tag - und was arbeiten Sie?
Foto: dpaDer Brite trinkt drei Tassen pro Tag
Das Ergebnis: 85 Prozent der Befragten trinken mindestens drei Tassen Kaffee am Tag - und damit mehr als die Deutschen. Die trinken nämlich mehrheitlich nur zwei Tassen pro Tag.
70 Prozent der Briten behaupten sogar, ohne ihre tägliche Dosis Koffein nicht richtig leistungsfähig zu sein. Britische Forscher halten das übrigens für problemlos. Drei bis vier Tassen Kaffee am Tag sollen der Gesundheit förderlich sein, schreiben Gesundheitsspezialisten der Universität in Southampton. Demnach wird unter anderem das Risiko von Herz- und Leberkrankheiten, Diabetes oder Demenz gemindert. Nur für Schwangere gelte dies nicht.
Foto: dpaTaxi- und Fernfahrer
"Die größten Kaffeetrinker - mit über vier Tassen täglich - sind Arbeitnehmer mit stressigen Jobs. Offenbar sorgen Überstunden und Arbeitszeiten bis in den späten Abend hinein für einen höheren Kaffeekonsum", vermuten die Macher der Studie. Dazu gehören vermutlich auch die Menschen, deren Beruf das Fahren ist: Fernfahrer, Buslenker und Taxifahrer landen im Ranking von Pressat auf Platz zehn der Berufsgruppen, die bei der Arbeit am meisten Kaffee konsumieren. Der Haken: Was das in Tassen, Kannen oder Litern bedeutet, verrät die Studie nicht.
Foto: dpaVerkaufspersonal
Platz neun im Ranking geht an "Retail staff", also Verkäufer. Auch hier schweigt die Studie über den täglichen Pro-Kopf-Verbrauch.
Foto: obsIT-Support
Wer am Computer sitzt, trink offenbar noch mehr Kaffee. Entsprechend landen Mitarbeiter aus dem IT-Support auf Platz acht des Rankings. Was aber auch daran liegen könnte, dass dort tendenziell mehr Männer als Frauen beschäftigt sind. Und zumindest in Großbritannien konsumieren die Männer dre Umfrage zufolge im Durchschnitt fünf Prozent mehr Kaffee als Frauen.
Foto: dpaTelesales und Callcenter
Wer Wildfremden am Telefon etwas verkaufen muss, braucht nicht nur ein großes Verkaufstalent, sondern auch starke Nerven. Die scheinen viele Callcenter-Mitarbeiter mit Kaffee zu beruhigen. Im Ranking landen sie jedenfalls auf Platz sieben.
Foto: WirtschaftsWocheChefs
Aber auch Unternehmenslenker brauchen offenbar viel Koffein, um leistungsfähig zu sein. Im Pressat-Ranking belegen CEOs und andere Führungspersönlichkeiten den sechsten Platz.
Foto: dpaMedizinisches Personal
Anders als in der IT arbeiten im medizinischen Bereich und in der Pflege traditionell eher mehr Frauen als Männer. Trotzdem belegen Krankenschwestern und -pfleger Platz fünf im Kaffee-Ranking - und liegen damit drei Plätze vor dem IT-Support. Die müssen aber vermutlich auch weniger Nachtschichten einlegen.
Foto: dpaBeschäftigte im Handel - und Klempner
Platz vier teilen sich zwei Berufsgruppen: Sowohl Klempner als auch Beschäftigte in Handelsunternehmen trinken demnach sehr viel Kaffee.
Foto: dpaLehrer
Alle 45 Minuten findet Zeit für ein Tässchen: Platz drei im Ranking der Kaffee-Junkies geht an die Pädagogen.
Foto: dpaPolizisten
Natürlich nicht im Einsatz oder auf Streife, aber auf der Wache scheinen britische Polizisten Zeit für Kaffee zu haben. Der silberne Kaffeepot geht an die Polizei.
Foto: ZBJournalisten
"Journalists gulp the most of all", sagen die Macher der Studie. Also Journalisten trinken mehr als alle anderen Berufsgruppen - was die Redaktion der WirtschaftsWoche aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
Foto: APIn der nächsten Woche müssen die Kunden des Kaffeerösters Tchibo 30 bis 50 Cent mehr für ein Pfund Kaffee bezahlen. Das hatte der Hamburger Konzern bereits kurz nach Weihnachten angekündigt. Ein Pfund der Tchibo-Sorte „Feine Milde“ kostet dann 5,99 Euro statt 5,69 Euro. Die Konkurrenz hält sich mit Ankündigungen bislang zurück. Als führender deutscher Röster ist Tchibo jedoch eine Art Taktgeber der Branche; auch bei Aldi und Netto, bei Rewe und Edeka dürfte der Trend der Kaffeepreise eher aufwärts weisen.
Gründe für die aktuelle Preisrunde sind die Entwicklungen auf den Rohkaffeemärkten und die Devisenkurse. Gegenwärtig kostet ein Pfund Rohkaffee (453 Gramm) knapp 1,50 Dollar. Das ist zwar deutlich unter dem Höchstpreis des vergangenen Jahres, der mit 1,74 Dollar im November erreicht wurde. Zuvor hatte der Preis aber jahrelang niedriger gelegen. Verschärft wurde die Entwicklung durch den Verfall des Euro gegen den Dollar, weil Kaffee in Dollar bezahlt werden muss. „Werden Rohkaffee und der Dollar wieder billiger, gehen die Verkaufspreise wieder runter“, verspricht Tchibo-Chef Thomas Linemayr den Kunden.
Kaffee ist mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern jährlich das beliebteste Getränk in Deutschland, noch vor Mineralwasser und Bier. Kaffee wird immer öfter außer Haus konsumiert, in Coffee-Shops, Cafès und Bäckereien, und er ist geschmacklich immer mehr ausdifferenziert, von Espresso bis Latte Macchiato und Cappuccino. Hochpreisige Kaffeemaschinen sind zu Statussymbolen geworden, moderne und teure Kapsel-Systeme machen dem traditionellen Filterkaffee Konkurrenz, der gleichwohl nach wie vor den Großteil des Marktes ausmacht. Die Kaffeepreise sind für viele Anbieter und Konsumenten von Bedeutung - der Markt ist groß. Allein das staatliche Aufkommen aus der Kaffeesteuer beträgt mehr als eine Milliarde Euro.
Wie trinken Sie Ihren Kaffee?
Die bevorzugte Kaffee-Sorte sagt mehr über die eigene Persönlichkeit aus als man denkt. Die amerikanische Psychologin Ramani Durvasula, die auch „Dr. Ramani“ genannt wird, hat eine entsprechende Studie durchgeführt, bei dem 1000 Personen zwischen verschiedenen Alltagsszenerien wählen konnten. Anhand der Studie hat Durvasula gewisse Persönlichkeitsstile und psychologische Merkmale wie Intro- oder Extrovertiertheit, Geduld oder Perfektionismus untersucht, die auch damit zusammenhängen, welcher Typ Mensch zu welcher Sorte Kaffee greift. Die Ergebnisse hat die Psychologin in einem Buch zusammengefasst.
Quelle: Dr. Ramani Durvasula: You Are WHY You Eat. Change Your Food Attitude, Change Your Life, Skirt!
Foto: dpaSchwarztrinker
Jemand, der am liebsten schwarzen Kaffee ohne Zucker und Milch trinkt, gilt Durvasulas Untersuchung zufolge als eher konservativ und puristisch.
Positive Charaktereigenschaften: Diejenigen, die schwarzen Kaffee bevorzugen, arbeiten effizient und können geduldig sein...
Negative Merkmale: Sie neigen zu Stimmungsschwankungen, abruptem und abweisendem Auftreten und verweigern sich jeder Art von Veränderung.
Foto: dpaMilchtrinker (Personen, die ihrem Kaffee Milch, Sahne und Zucker hinzufügen)
Die Menschen, die ihrem Kaffee lieber süß, cremig oder milchig trinken, mögen es komfortabel und sind recht offenherzig. Sie neigen dazu, sich mit Zutaten wie Milch, Sahne oder Zucker nicht nur den Kaffee zu versüßen, sondern im übertragenden Sinne das gesamte Leben.
Positive Charaktermerkmale: Diese Art von Kaffeetrinkern geht recht großzügig mit Zeit um, lässt sich nicht gerne stressen und macht Platz, um anderen Menschen im Leben zu helfen oder den Vortritt zu lassen...
Negative Eigenschaften: Diese Art von Kaffeetrinkern kann vom Leben häufig nicht genug bekommen und geht nachlässig mit der Gesundheit um.
Frozen-Coffee-Trinker
Menschen, die gerne kalten oder gemixten Kaffee bevorzugen, probieren häufig neue Dinge aus und experimentieren gerne. Darüber hinaus gelten sie als gesellig und orientieren sich an Trends.
Positive Eigenschaften: So kreativ wie diese Menschen ihren Kaffee trinken, sind sie auch bei der Arbeit, sie sind außerdem spontan und einfallsreich.
Negative Eigenschaften: Das Orientieren an Trends wird bei diesen Menschen auch schnell zum Hinterherlaufen von Trends, manche Exemplare der Gattung Frozen-Coffee-Trinker sind außerdem kindisch.
Foto: dpaInstant-Kaffeetrinker
Egal, was drin ist, Hauptsache, es geht schnell? Das sind die Freunde von schnellen Lösungen und Instant-Kaffee. Fürs Rösten und Brühen verschwenden sie keine Zeit. Trotzdem sind sie eher die traditionellen Typen.
Positive Eigenschaften: Wer so denkt, ist pragmatisch und ergebnisorientiert. Sie nehmen das Leben, wie es kommt und haben eine entspannte Grundhaltung.
Negative Eigenschaften: Die Instant-Kaffee-Fans treffen nicht immer gesunde Entscheidungen und können leichtsinnig sein. Außerdem leiden sie an Aufschieberitis.
Foto: APSojamilch und sonstige Extras
Wer auf Mandel- oder Sojamilch in seinem Kaffee besteht - beides natürlich fettarm - ist vermutlich Veganer, zumindest aber Hipster.
Positive Eigenschaften: Perfektionisten, die gerne die Kontrolle behalten. Sie machen sich Gedanken um ihre Gesundheit und sind allgemein achtsam.
Negative Eigenschaften: Die "Sojalatte ohne Fett"-Fraktion wird oft für selbstbezogen gehalten. Sie sind übersensibel und obsessiv.
Foto: dpaBerufsgruppen mit dem größten Kaffeedurst: Journalisten
Wie die Redaktion der WirtschaftsWoche aus eigener Erfahrung bestätigen kann, trinken Journalisten sehr viel Kaffee. Laut dem Kaffee-Ranking der US-Kette Dunkin Donuts und dem Stellenportal CareerBuilder belegen US-Journalisten mit ihrem Kaffee-Konsum nur Platz vier. Insgesamt gaben 46 Prozent der Befragten an, sich ohne Kaffee unproduktiv beziehungsweise weniger produktiv zu fühlen. Von diesen bekennenden Kaffeejunkies brauchen 61 Prozent mindestens zwei Tassen Kaffee am Morgen, sonst geht an der Arbeit gar nichts.
Foto: APLehrer und pädagogische Berater
In den USA brauchen die Jungen übrigens am meisten Koffein, um in die Gänge zu kommen. In der Altersgruppe zwischen 18 und 34 sagen 62 Prozent, dass es ihnen ohne Kaffee an Motivation und Produktivität fehlen würde. Unabhängig vom Alter sind in der Studie Lehrer und pädagogische Berater auf Platz drei gelandet.
Foto: Fotolia
Marketing und PR-Spezialisten.
Schneller, besser, hipper - im Marketing geht jenseits des großen Teichs anscheinend nix ohne Kaffee: Platz zwei vergeben Dunkin Donuts und CareerBuilder an Marketing und PR-Spezialisten.
Foto: FotoliaWissenschaftler und Laborassistenten.
Und der goldene Kaffeepott geht an die amerikanischen Wissenschaftler und Laborassistenten. Warum Computerspezialisten und IT-Angestellte nicht im Ranking auftauchen, wird nicht erklärt. Zumindest in Deutschland sagt man den ITlern ja einen enorm hohen Kaffeekonsum nach.
Foto: dpa
Mittelfristig weisen die Indizien auf steigende Preise für Rohkaffee hin. Die Nachfrage steigt. Das liegt zum einen an der wachsenden Weltbevölkerung. Mittlerweile leben 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde; jedes Jahr kommt einmal Deutschland mit gut 80 Millionen Einwohnern dazu. Und viele von diese zusätzlichen Menschen wollen nicht nur Kaffee trinken, sondern können es sich auch leisten. Die Nachfrage nimmt vor allem in denjenigen Ländern zu, in denen der Kaffee auch wächst, in Südamerika, Afrika und Asien. Im Kaffeejahr 2015/16 (Oktober bis September) erhöhte sich der Kaffee-Konsum in den Erzeugerländern um eine Million Sack (60 Kilogramm) und damit stärker als in den klassischen Importländern.
Zum anderen werden die Anbauflächen knapp. „Der Klimawandel setzt ein und macht bestimmte Flächen weniger geeignet für den Kaffeeanbau“, sagt Claudia Brück von der Organisation TransFair in Köln. Qualitativ guter Kaffee wächst in Höhenlagen in Äquatornähe, die nicht beliebig vermehrbar sind. In der Folge steigen die Bodenpreise. In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Anbauflächen weltweit verdreifacht, weil vor allem asiatische Länder wie Vietnam in das Geschäft eingestiegen sind. Doch das Angebot wächst langsamer als die Nachfrage. In den vergangenen beiden Jahren wuchs die Lücke von 2,7 auf 3,3 Millionen Sack. Das treibt die Preise.
Von den höheren Rohkaffeepreisen profitieren 25 Millionen Kaffeebauern, die mehr Geld für ihr Produkt erlösen können. Fair gehandelter Kaffee, bei dem die Kleinbauern noch eine Extra-Prämie auf den Marktpreis erhalten, wird in Deutschland immer beliebter. Der Absatz stieg in den ersten neun Monaten des Vorjahres um fast ein Viertel auf 12 000 Tonnen. Viel ist das jedoch immer noch nicht. Der Marktanteil von „fairem Kaffee“ bewegt sich gerade mal bei drei bis vier Prozent.