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  4. Seltene Erden: Was genau sind Seltene Erden und warum sind sie so wertvoll?

Samarium, Terbium, Europium & Co.Seltene Erden: Das macht sie so wichtig und begehrt

Seltenerdmetalle sind alles andere als selten. Die Fähigkeit, sie zu verarbeiten, dagegen schon. Jetzt sind sie Chinas Faustpfand, daran ändert auch die Einigung mit den USA wenig.Sebastian Schug 30.10.2025 - 10:32 Uhr
Absetzbecken für Seltene Erden in Südchina. Foto: Panos Pictures Panos/VISUM/Adam Dean

Die moderne Hochtechnologie operiert an den Grenzen des physikalisch Möglichen. Vom Satelliten über die Solarzelle und das Glasfaserkabel bis zum KI-Rechenzentrum werden die Extreme getestet, bei Hitze- und Kältebeständigkeit, Leitfähigkeit, Härte oder Elastizität: Genau hier zeigen Seltenerdmetalle – oft als Seltene Erden bezeichnet – ihre Stärken.

Das Problem: Sie kommen in der Natur nicht in Reinform vor und der Weg dorthin ist lang und (oft auch) steinig. Sinkende chinesische Exporte von Seltenerdmagneten schüren aktuell die Sorge vor deren zunehmendem Einsatz als Waffe in Handelskonflikten. Zwar haben sich Donald Trump und Xi Jinping bei ihrem Treffen auf eine Aussetzung von Exportkontrollen geeinigt – jedoch zunächst nur für ein Jahr. Die Unsicherheit schwelt daher fast unverändert weiter.

Wir haben nachfolgend die wichtigsten Antworten rund um Seltene Erden zusammengestellt:

Welche Elemente zählen zu den Seltenen Erden?

Rein aus Sicht der Chemie zählen zu den Seltenerdmetallen nur die sogenannten Lanthanoide sowie zusätzlich Scandium und Yttrium – insgesamt sind dies 17 Elemente. Hierbei wird oft zwischen schweren und leichten Elementen unterschieden. Als leicht gelten hierbei Scandium, Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium und Europium. Als schwer hingegen Yttrium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium und Lutetium.

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Sie eint, dass sie eisengrau bis silbrig glänzen und relativ weich sind. Zudem sind die Elemente sehr reaktionsfreudig und oxidieren daher an der Luft schnell. Für den Einsatz – vor allem in Motoren – ist wichtig, dass die Seltenen Erden entweder para- oder ferromagnetisch sind. Das heißt, sie reagieren magnetisch, wenn ein äußeres Magnetfeld anliegt, in einigen Fällen hält dieser Effekt für eine gewisse Zeit an.

In der medialen Berichterstattung fälschlicherweise hinzugezählt werden oft auch die Metalle Lithium, Germanium und Gallium. Der Grund: Auch diese Rohstoffe sind für Hochtechnologie-Anwendungen wichtig und auch diese wurden in den vergangenen Jahren zum Spielball der Geopolitik.

Wo werden Seltene Erden eingesetzt?

Eingesetzt werden Seltenerdmetalle vor allem in der Industrie, unter anderem in Permanentmagneten, Katalysatoren, Polituren, Legierungen, Batterien und Gläsern. Diese Anwendungen haben volumenmäßig den höchsten Anteil.

Brisant – vor allem politisch – sind jedoch vor allem die Einsatzgebiete, die einerseits neue Innovationen darstellen und die andererseits ohne die Metalle nicht möglich sind. Hierzu gehören Zukunfts- und Militärtechnologien wie das autonome Fahren, Drohnen, Flugzeuge oder Laser, sowie weitere Gebiete wie der Einsatz in Kernreaktoren, bei der Behandlung von Krebs und in LEDs.

In den Fokus der Politik ist die Versorgung mit Seltenen Erden demnach aus zwei Gründen geraten: Einerseits, weil der Fahrzeug- und Maschinenbau in Europa und den USA einen hohen Anteil der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung ausmacht, und andererseits, weil sowohl Rüstung als auch Energieversorgung als sicherheitsrelevant eingestuft werden. Seltene Erden gehören daher zu den sogenannten kritischen Rohstoffen.

Wieso sind die Metalle so wertvoll?

Die Bezeichnung „Seltene Erden“ oder Seltenerdmetalle ist im engeren Sinne irreführend, denn selten ist das Vorkommen in der Erdkruste eigentlich nicht. Der Name rührt vielmehr daher, dass die Elemente in der Regel nur in kleinen Mengen vorliegen, rar sind demnach vor allem die Lagerstätten, in denen eine große Menge der Seltenerdmetalle wirtschaftlich abgebaut werden kann.

Ob sich der Abbau lohnt, entscheiden meist die natürlichen Gegebenheiten. Seltene Erden gibt es in der Natur nicht in Reinform, vielmehr sind sie meist als Gemisch und Teil von Mineralienvorkommen zu finden. Eine – sehr lukrative – Ausnahme sind hierbei Vorkommen in Tonerde wie in Myanmar, Brasilien und Südchina. Diese entstanden durch eine starke, lang anhaltende Verwitterung von Magmagestein.

Statt sie wie anderswo auf der Welt aus felsigem Gestein brechen zu müssen, lassen sich die Bodenschätze aus der Tonerde mit billigen Chemikalien wie Ammoniumsulfat schwemmen. Anschließend wird die Lösung in großen Tanks mit weiteren Chemikalien versetzt. Die begehrten Metalle fallen aus, müssen nur noch abgeschöpft werden.

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Diese Schwemmverfahren sind wesentlich günstiger, als der Abbau und die mühsame Extraktion aus Gesteinen. In Sachen Wirtschaftlichkeit sind diese Lagerstätten anderen Fundorten wie in Nordchina, Schweden oder den USA überlegen.

Wieso ist China so wichtig und mächtig?

Die Metalle der Seltenen Erden liegen im Periodensystem direkt nebeneinander, das heißt, sie sind sich chemisch sehr ähnlich. Das erklärt einerseits, wieso die Metalle oft gemeinsam – also als Gemisch – vorkommen und andererseits, wieso ihre Trennung so aufwendig ist.

Angaben der deutschen Rohstoffagentur DERA zufolge liegt die Komplexität darin begründet, dass sowohl die Förderung, Aufbereitung und Raffination aller Seltenerdmetalle in jedem Prozessschritt individuell an jedes Ausgangsmaterial – also das Gestein, in dem das Seltenerdmetall natürlich vorliegt – angepasst werden muss. Eine einfache Übertragung und Skalierung einer einmal aufgebauten Wertschöpfungskette ist also selbst für nur eines der Elemente selten möglich.

Dieser Umstand macht die Verarbeitung von Seltenen Erden sehr teuer, vor allem, wenn der nötige Rohstoff entweder importiert oder teuer abgebaut werden muss. In der Folge haben sich sowohl der Abbau als auch die Verarbeitung geografisch verlagert.

Bis Ende der 1980er-Jahre waren die USA das weltweit größte Förderland für Seltene Erden, heute entfallen mehr als 60 Prozent des Abbaus und 90 Prozent der Verarbeitung auf China. Insgesamt findet die Raffination DERA-Angaben zufolge aktuell nur noch in acht weiteren Ländern weltweit statt: USA, Vietnam, Japan, Russland, Estland, Indien, Malaysia und Kasachstan.

Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Wirklich massiv vorangetrieben hat China den Ausbau seiner Kapazitäten ab Mitte der 90er Jahre, hier lösten sie die USA als Hauptförderland ab. Mit dem schrittweisen Hochlauf des Volumens erfolgte zudem eine von der Regierung gezielt betriebene Marktbereinigung.

Dieser über die Vergabe von Exportlizenzen vorangetriebene Prozess führte laut dem Rohstoffhändler Tradium dazu, dass die Zahl der Marktteilnehmer ab 2016 zunächst auf sechs und dann ab 2024 auf lediglich zwei Förderunternehmen sank. Die chinesische Regierung hat also schon früh in den Markt eingegriffen und das Thema in den Fokus ihrer Rohstoffpolitik gerückt.

Rohstoffe als geopolitisches Instrument setzt Peking bereits seit 2023 ein, betroffen davon waren jedoch zunächst keine Seltenen Erden, sondern die Metalle Germanium und Gallium. Das Vorgehen kann jedoch als beispielhaft gesehen werden.

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Im April 2024 wurde erstmals der Export Seltener Erden beschränkt, betroffen hiervon waren Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium. Die chinesische Regierung will verhindern, dass insbesondere sogenannte schwere Seltene Erden wie Dysprosium oder Terbium in der Rüstungsindustrie landen.

Seit Anfang Oktober 2025 wurde diese Liste um Holmium, Erbium, Thulium, Europium und Ytterbium erweitert. Damit müssen Exporteure also aktuell für 12 von 17 Seltenerdmetallen Ausfuhrgenehmigungen beantragen. Die letzte Erweiterung will China jetzt möglicherweise aussetzen. Ob dies auch praktisch umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Welche Probleme bedeutet das für westliche Unternehmen in der Praxis?

Um Seltene Erden als Rohelement oder aber Zwischen- und Endprodukte, die Seltene Erden enthalten, aus China zu exportieren, müssen Unternehmen Exportgenehmigungen bei der chinesischen Regierung beantragen. Diese bürokratische Hürde umfasst die Abgabe detaillierter Angaben zum endgültigen Bestimmungsort und zur Verwendung – bis hin zu Bauplänen.

Wird eine Genehmigung erteilt, heißt das aber nicht, dass die Lieferung für Importeure planbar ist. Zusätzlich werden durch den chinesischen Zoll Zufallskontrollen in Häfen und Flughäfen durchgeführt. Diese sind oft mit aufwendigen Laboruntersuchungen verbunden, die Art und Reinheitsgrad der exportierten Metalle feststellen sollen. Da dieser Prozess sehr lange dauert, geraten Lieferketten in diesen Fällen erheblich ins Stocken.

Während Großunternehmen Branchenangaben zufolge oft eigene Abmachungen mit der chinesischen Regierung getroffen haben, leiden vor allem Mittelständler unter Lieferverzögerungen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 20. Oktober 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

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