Studie zur Altersvorsorge: Sparen für die Rente kommt aus der Mode
Viele Deutschen sparen - allerdings so, dass das Geld kurzfristig verfügbar ist, etwa auf einem Sparbuch. Dort bringt es aber fast keine Zinsen.
Foto: dpaDie Nachricht klingt zunächst positiv: Die Deutschen sparen wieder mehr. Der monatlich erhobene Comdirect Spar- und Anlageindex ist im Juli wieder gestiegen, nachdem er zuvor die Monate in Folge gefallen war. Pro Kopf legten die Deutschen im Juli 113 Euro auf die Seite, im Juni waren es noch 104 Euro. Der Anstieg zeigt, dass es trotz der lächerlich niedrigen Zinsen ein Bedürfnis nach Rücklagen gibt.
Das Problem: Die Deutschen sparen, ohne viel Wert auf die Rendite oder die finanzielle Versorgung im Alter zu legen. Vielmehr scheint kurzfristige Verfügbarkeit wichtiger: Mehr als die Hälfte hortet die Ersparnisse auf einem Girokonto (55 Prozent) oder einem Sparbuch (53 Prozent), wo sie keine nennenswerten Zinsen einbringen, dafür aber jederzeit abrufbar sind. Danach sind Tagesgeld, Bausparvertrag und Bargeld am beliebtesten. Erst auf Platz sechs und sieben folgen die langfristig orientierten Sparvarianten für Altersvorsorge (29 Prozent) und mittels einer Lebensversicherung (28) Prozent.
Die niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass das Thema Rente derzeit Gesellschaft und Politik umtreibt: Die verabschiedete Lebensleistungs- und Mütterrente werden als Geschenk auf Kosten der jüngeren Generation kritisiert und ein späteres Renteneintrittsalter sowie eine Anhebung des Rentenniveaus diskutiert. Die großen Parteien machen sich die Sorgen der Bevölkerung zu eigen und die Rente damit zum Wahlkampfthema für die nächste Bundestagswahl. Wie aber gehen die Deutschen mit ihrer eigenen Vorsorgeplanung um?
Große Unterschiede
Rente ist nicht gleich Rente. Je nach Preisgefüge einer bestimmten Region sind 1000 Euro Rente in Deutschland unterschiedlich viel wert. Um bis zu 50 Prozent variiert die Kaufkraft der Ruheständler, das ergab eine Studie des Forschungsunternehmens Prognos im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“. Für die Analyse wurden die Lebenshaltungskosten in insgesamt 402 Landkreisen verglichen. Im Bundesdurchschnitt liegen diese bei 1000 Euro. Der statistische Warenkorb für Lebenshaltungskosten wurde dafür an die Bedürfnisse von Rentnern angepasst. Unter anderem wurden Ausgaben für Ärzte und Medikamente stärker gewichtet.
Sachsen-Anhalt
Am günstigsten leben Rentner in Sachsen-Anhalt. Selbst in der Landeshauptstadt Magdeburg (im Bild), die traditionell etwas teurer ist als Gemeinden auf dem Land, bedeuten 1000 Euro Rente 1067 Euro Kaufkraft. In elf von insgesamt 14 Landkreisen liegen die Kosten für Lebensmittel, Miete und andere notwendige Dinge um mehr als zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Saarland
In Saarbrücken werden aus 1000 Euro Rente immerhin 1040 Euro. Damit ist das Saarland die günstigste westdeutsche Region. Außerhalb der Landeshauptstadt wird es noch günstiger.
Mecklenburg-Vorpommern
Generell ist der Osten für Rentner ein günstiges Pflaster. In Schwerin (im Bild) werden aus 1000 Euro Rente 1023 Euro Kaufkraft. Außerhalb der größeren Städte wird das Leben noch günstiger, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind 1000 Euro sogar knapp 1084 Euro wert. Das Leben dort ist damit über 7,5 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt.
Niedersachsen
Neben dem Osten ist auch der Norden ein guter Wohnort für Rentner. In Hannover (im Bild) reicht es immerhin für 1022 Euro Kaufkraft. In vielen strukturschwachen Regionen werden aus 1000 Euro sogar über 1100 Euro. In Niedersachsen liegt auch der bundesweit günstigste Ruhesitz für Rentner. Im Landkreis Holzminden liegen die Lebenshaltungskosten nur bei 860 Euro. Teurer ist es dagegen in den an Hamburg grenzenden Landkreisen und auf den ostfriesischen Inseln.
Thüringen
In Erfurt (im Bild) sind 1000 Euro gemessen in Kaufkraft 1014 Euro wert, das ostdeutsche Bundesland gehört damit immer noch zu den günstigeren. Damit ist die Landeshauptstadt aber deutlich teurer als das Umland, in vielen Landkreisen liegt die Kaufkraft sogar über 1100 Euro.
Bremen
Der günstigste Stadtstaat ist Bremen (im Bild). In der Hansestadt sind 1000 Euro für Rentner immerhin noch rund 1008 Euro wert, das Leben dort ist also um 0,8 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt.
Sachsen
Die Landeshauptstadt des Freistaats (im Bild) ist die teuerste unter den günstigen Städten. Aus 1000 Euro werden hier immerhin noch 1003 Euro. Die meisten Landkreise sind allerdings deutlich günstiger, so liegen die Kosten für Rentner im Vogtlandkreis um fast 13 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Schleswig-Holstein
In der Landeshauptstadt Kiel sind 1000 Euro Rente in Kaufkraft gemessen am Ende 987 Euro wert. Grundsätzlich gilt der Norden als erschwingliches Pflaster, einige Kreise wie beispielsweise der Landkreis Schleswig-Flensburg im Norden sind günstiger. Teurer wird es dagegen in den Ferienregionen an Nord- und Ostsee. Der Landkreis Nordfriesland ist knapp 16 Prozent teurer als der Bundesdurchschnitt und damit einer der teuersten der Republik. Prognos erklärt das mit dem „Sylt-Effekt“, die Nordseeinsel treibt die Preise.
Berlin
Auch die Hauptstadt ist für Rentner nicht unbedingt günstig. 943 Euro sind ihre 1000 Euro monatliche Rente hier wert.
Brandenburg
Noch schlechter sieht es in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam (im Bild) aus, die Nähe zu Berlin sorgt hier dafür, dass aus 1000 Euro am Ende 939 Euro Kaufkraft werden. Grundsätzlich ist Brandenburg allerdings ein günstiges Gebiet für Rentner, fast alle der 14 Landkreise kommen auf eine Kaufkraft von über 1100 Euro.
Rheinland-Pfalz
Deutschlands südliche Regionen sind für Rentner teuer. In Mainz (im Bild) sind 1000 Euro nur 916 Euro wert. Etwas günstiger sind die meisten Landkreise.
Hessen
Die benachbarte Landeshauptstadt Wiesbaden ist mit 915 Euro Kaufkraft nur ungleich teurer. Während der hessische Norden teilweise sehr günstig ist, wird es in den Städten richtig teurer. Insbesondere in der Bankenmetropole Frankfurt (im Bild) liegen die Kosten für Rentner rund 18 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Von 1000 Euro Rente bleiben hier nur 844 Euro Kaufkraft übrig.
Nordrhein-Westfalen
Teuer ist es nicht nur am Main, sondern auch am Rhein. Die Landeshauptstadt Düsseldorf macht aus 1000 Euro Rente 912 Euro Kaufkraft für Ruheständler. Auch beim Erzrivalen Köln (im Bild) sieht es nicht besser aus, hier sind es sogar nur 908 Euro. Einige Landkreise sind dagegen deutlich günstiger.
Baden-Württemberg
Der teure Süden: insgesamt 40 der 50 teuersten deutschen Kreise verteilen sich auf Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. In der Landeshauptstadt Stuttgart schmelzen 1000 Euro Rente auf dem Konto im Portemonnaie zu 884 Euro zusammen. Auch in Freiburg ist das Leben für Ruheständler rund 15 Prozent teurer als im Bundesdurchschnitt.
Hamburg
Die Hansestadt ist ein gefragter Wohnort, vor allem die Immobilienpreise sind hoch. Das belastet auch das Ruhestands-Budget, von 1000 Euro bleiben hier am Ende 874 Euro Kaufkraft übrig.
Bayern
Wen wundert’s, die bayerische Hauptstadt ist für Rentner ein teurer Spaß. 1000 Euro Rente sind in München gerade mal 767 Euro Kaufkraft wert. Insgesamt sieben der zehn teuersten Alterswohnorte liegen im Freistaat. Günstig ist es in dünner besiedelten Regionen wie dem Bayerischen Wald. Die Kreise rund um München sind dagegen nur wenig günstiger als die Landeshauptstadt selbst.
Sparen für die Rente steht nicht gerade hoch im Kurs. Schlimmer noch, das Thema Altersvorsorge wird bei Sparer sogar zunehmend unbeliebt. Die jährliche Aegon Ruhestandsstudie, deren Ergebnisse für 2016 der WirtschaftsWoche vorliegen, untersucht nicht nur, wie gut Sparer auf ihre Rente vorbereitet sind, sondern auch, wie motiviert die Bevölkerung ist, für die Rente vorzusorgen und wen sie dabei vor allem in der Verantwortung sieht.
So ist laut Aegon der Anteil derjenigen, die gewohnheitsmäßig für den Ruhestand sparen, von 45 Prozent im Jahr 2012 bis 2016 auf nur noch 37 Prozent gesunken. Damit fallen deutsche Sparer sogar unter den weltweiten Durchschnittsanteil der regelmäßigen Vorsorgesparer von 38 Prozent. Nur 36 Prozent der deutschen Sparer sind nach eigener Einschätzung ausreichend auf den Ruhestand vorbereitet. Auch dieser Anteil lag 2012 mit 43 Prozent noch deutlich höher. Im „Aegon Retirement Readiness Index“, der die Vorbereitung auf den Ruhestand auf einer Skala von null bis zehn verortet, erreicht Deutschland mit einem Wert von 6,1 Zählern den vierten Rang hinter Indien (7,3), Brasilien (6,7) und den USA (6,7). Der Wert von 6,1 (gleichauf mit Großbritannien) ist nach Anstiegen in 2012 und 2013 damit unverändert geblieben.
Durchschnittsrenten
Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016
Foto: dpaOst-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten
Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.
Aktuell bekommen männliche Rentner:
in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat
in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat
in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat
in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat
in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat
in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat
in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat
in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat
in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat
in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat
in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat
im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat
in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat
in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat
in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat
in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat
Foto: APFrauen mit deutlich weniger Rente
Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.
Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:
in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat
in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat
in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat
in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat
in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat
in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat
in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat
in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat
in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat
in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat
in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat
im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat
in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat
in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat
in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat
in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat
Foto: dpaBeamtenpensionen deutlich höher
Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.
Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.
Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.
Foto: dpaRentenerhöhung
Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.
Foto: dpaReserven der Rentenkasse
Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.
Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:
Foto: dpaAbweichungen vom Standardrentner
Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.
Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.
Foto: FotoliaDurchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren
In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.
Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.
Foto: FotoliaHalbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko
Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.
Foto: dpaMaximale Rentenhöhe für Gutverdiener
Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.
Foto: dapdDas Ergebnis erstaunt vor allem angesichts der guten konjunkturellen Lage in Deutschland, die eigentlich Spielräume zum Sparen eröffnen sollte. Wo also liegen die Ursachen für das wenig beliebte Vorsorgesparen?
Im Vergleich zum Rest der Welt fällt auf, dass die deutschen Sparer für ihre Rente mehr als anderswo auf den Staat bauen. Im Durchschnitt erwarten die Deutschen, dass das staatliche Rentensystem später 52 Prozent des Ruhestandseinkommens ausmachen wird. 17 Prozent soll die Betriebliche Altersversorgung beisteuern, die restlichen 31 Prozent müssten dann über eigene Ersparnisse und Vorsorge bestritten werden. Im weltweiten Durchschnitt erwarten die Sparer nur 46 Prozent der Ruhestandsbezüge aus dem staatlichen Rentensystem, aber 24 Prozent vom alten Arbeitgeber. Dementsprechend müssten im globalen Durchschnitt 30 Prozent aus der privaten Vorsorge kommen.
Hohe Zinsen für Ersparnisse - das war einmal. Weltweit haben viele Notenbanken die Leitzinsen gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Banken gar Strafzinsen, wenn sie Geld bei der Notenbank horten. Das soll Geldhäuser dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben. Erste Banken geben den Minuszins an vermögende Sparer weiter wie die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee. Andere wie die Postbank erhöhen Gebühren. Aber wie sind Sparer im Ausland betroffen? Ein Überblick.
Foto: dpaFrankreich:
Der Fall der Strafzinsen der Tegernseer Bank hat im Nachbarland ein großes Echo hervorgerufen. Dort gibt es Strafzinsen für Privatkunden bisher nicht. Die Bankgebühren sind zuletzt aber nach zwei Jahren Rückgang wieder gestiegen, wie eine Auswertung des Vergleichsportals panorabanques.com ergab. Minuszinsen drohen nur Unternehmen in Einzelfällen, etwa wenn sie sehr große Summen auf Bankkonten horten.
Foto: REUTERSDänemark:
Zwar verlangt die dänische Zentralbank dort noch höhere Strafzinsen von Banken als die EZB. Doch Geldhäuser geben diese laut der Danske Bank, der größten des Landes, nicht an Privatkunden weiter. Die Institute verdienen gut an Gebühren. Bei Wohnungskrediten erhöhen einige Geldhäuser gerade die Zinsen. Das ärgert die Kunden, aber ein Sturm der Entrüstung blieb bisher aus.
Foto: dpaItalien:
Negativzinsen und steigende Gebühren beschäftigen Sparer nicht. Sie treibt eher die Krise der heimischen Banken um, die sie ihr Erspartes kosten könnte. Viele Kleinsparer haben den Banken Geld geliehen. Doch die stehen unter Druck, da sie faule Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro in ihren Bilanzen haben. Die Regierung in Rom verhandelt mit Brüssel, inwieweit die Banken gestützt werden können.
Foto: dpaGroßbritannien:
Nach dem Brexit-Votum hat die Bank of England den Leitzins zwar auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Damit liegt der Zinssatz aber immer noch über dem Wert in der Eurozone. Auch erhebt die Notenbank keine Strafzinsen von Banken. Privatkunden bleiben daher davon verschont, sagt Mike Peacock, Sprecher der Bank of England. „Uns ist keine Bank bekannt, insbesondere keine der wichtigen, die derartige Gebühren erheben.“
Foto: dpaSchweiz:
Auch dort verzichten Banken auf Negativzinsen für Privatkunden - mit einer Ausnahme: Seit Jahresbeginn berechnet die vergleichsweise kleine Alternative Bank Schweiz (ABS) mit Sitz in Olten (Kanton Solothurn) auf Girokonten Minuszinsen von 0,125 Prozent. Trotzdem konnte die Bank neue Kunden gewinnen. Die ABS gilt indes mit ihren oft gesellschaftlich engagierten Kunden als Sonderfall. Statt Gewinnmaximierung ist ihr erklärtes Ziel die Förderung umweltfreundlicher und sozialer Projekte.
Foto: dpaSpanien:
Die Bank BBVA hat begonnen, in speziellen Fällen Einlagen von Unternehmenskunden mit Negativzinsen zu belegen. Die Zeitung „El Diario“ schrieb, sie habe damit „eine Pandora-Büchse geöffnet“. Negativzinsen für Privatkunden sind für spanische Banken (noch) kein Thema. Laut Medienberichten erheben aber ausländische Banken wie BNP Paribas, HSBC und Julius Bär Strafzinsen für Privatkunden.
Foto: REUTERSJapan:
Auch in Fernost sind die Zinsen drastisch gefallen. Im Zuge der „Abenomics“, der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe, wurde die Geldpolitik stark gelockert, um die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln. Seit diesem Januar müssen auch dort Banken Negativzinsen zahlen für einige Gelder, die sie bei der Zentralbank horten. Minuszinsen für Sparer sind dort trotzdem nicht verbreitet.
Foto: dpaUSA:
Die Vereinigten Staaten tanzen aus der Reihe. Dort denkt die Notenbank eher über eine Anhebung der Leitzinsen nach. Dennoch bürden Banken Kunden teils hohe versteckte Gebühren auf. Der Zahlungsverkehr ist mit dem innereuropäischen System nicht vergleichbar. Auf Papier gedruckte und per Post verschickte Schecks sind noch immer die Regel. Kunden müssen etwa für ihr Scheckheft bezahlen. Wessen Kontostand unter einen bestimmten Mindestbetrag fällt - etwa 1.500 Dollar - muss Kontogebühren bezahlen. Relativ hohe Beträge werden auch für Transaktionen ins Ausland, speziell in Fremdwährungen fällig.
Foto: AP
Angesichts eines bereits heute geltenden Rentenniveaus von 48 Prozent und der gesetzlichen Vorgabe, dass dieses Verhältnis von Durchschnittslohn zur Durchschnittsrente bis 2029 auf nur noch 43 Prozent sinken darf und aller Wahrscheinlichkeit nach auch soweit sinken wird, sind die deutschen Sparer mit Ihrer Erwartung eines 52-Prozent-Anteils definitiv noch zu optimistisch. Dabei fühlen sich laut Aegon-Studie etwa drei Viertel der Deutschen selbst für die Sicherung eines ausreichenden Einkommens im Rentenalter persönlich verantwortlich. An einer kompletten Fehleinschätzung liegt es demnach nicht.
Stärker als in anderen Ländern sind in Deutschland die Gelegenheitssparer vertreten, die nur hin und wieder für den Ruhestand sparen. Ihr Anteil liegt mit 15 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt von 12 Prozent. Auch die Sparverweigerer, die noch nie für die Rente gespart haben und dies auch nicht vorhaben, liegen mit einem Anteil von neun Prozent über dem globalen Mittel von nur sechs Prozent.
71 Prozent sind der Meinung, der Staat solle die Verantwortung für die Altersvorsorge übernehmen. Insofern überrascht es kaum, dass fast zwei Drittel der Deutschen eine automatische Teilnahme an einer betrieblichen Altersversorgung durch die Arbeitgeber in Form einer Gehaltsumwandlung begrüßen würden. Fast drei Viertel befürworten, dass die Regierung die Arbeitgeber dazu anhalten sollte, alle Mitarbeiter automatisch eine betriebliche Altersversorgung abzusichern.
Die Lektüre der Studie lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Die deutschen Sparer resignieren zunehmend beim Thema Altersvorsorge, ein Teil setzt sicher lieber auf den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie, was auch das relativ hohe Interesse an Bausparverträgen erklären würde. Zwar wollen drei Viertel der Befragten gerne wissen, ob sie einen finanziell gesicherten Ruhestand haben werden, aber gerade mal 41 Prozent sind bereits davon überzeugt, dass sie ihren präferierten Lebensstandard auch noch nach dem 90. Geburtstag halten können.
Hilfreich wäre es sicher, besser über Rentenansprüche und eine praktikable Rentenplanung zu informieren. Das geht sicher am besten mit Hilfe eines unabhängigen Vorsorgeberaters. Hier ist noch viel Potenzial, zumal nur zwölf Prozent in der jüngsten Aegon-Erhebung einen schriftlich fixierten Finanzplan für die Rente vorweisen konnte. Auch dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren wieder gesunken.
Die Zahlen spiegeln somit wider, dass das Thema Altersvorsorge nicht nur latent frustrierend ist, sondern auch so komplex, dass Sparer die Verantwortung dafür lieber an Staat und Arbeitgeber übergeben würden. Auf den Rentenwahlkampf zur nächsten Bundestagswahl dürfen Sparer also gespannt sein.