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  4. Umbrüche im Welthandel: Endet Deutschland als Holdingökonomie?

Balzli direktMan nennt es Deindustrialisierung

Die Struktur des Welthandels ändert sich fundamental und mit ihr das deutsche Geschäftsmodell. Auf Exportmaschine folgt Beteiligungsgesellschaft 4.0.Beat Balzli 07.11.2022 - 12:17 Uhr
Foto: AP

Die Krönungsmesse in Peking hatte auch ihr Gutes. Jetzt verstehen selbst die letzten Globalisierungsromantiker, dass die Zeitenwende keine Wortschöpfung von Kanzler Olaf Scholz ist. Der auf Lebenszeit installierte Autokrat Xi Jinping lässt keinen Zweifel daran, dass das Freund-Feind-Schema die Richtung vorgibt. Sein Volk solle sich „auf die schlimmsten Fälle vorbereiten“. Denn es gibt international „immense Risiken und Herausforderungen“ sowie „globale Veränderungen, wie sie in einem Jahrhundert nicht gesehen worden sind“.

Xi übertreibt nicht. Die Welt kommt ins Rutschen und mit ihr das Geschäftsmodell Deutschlands. So gut wie alle Gewissheiten gehen über Bord. Logistik und Zulieferer wackeln. Aus just in time wird just in case.

Doch das ist erst der Anfang. Die geopolitischen Beben schaffen den Boden für Ideen, die dem Freihandel endgültig den Garaus machen. US-Finanzministerin Janet Yellen propagiert das Friendshoring, also den Handel im Club befreundeter Staaten. China geht mit der Seidenstraße sowie der Shanghai Group in eine ähnliche Richtung. Die Handelswelt zerfällt im Worst Case in regionale Blöcke, die immer weniger miteinander zu tun haben.

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Deutschlands Weltmarktführer müssen künftig in jedem Club mit einer weitgehend autonomen Einheit dabei sein, die sich sowohl mit Rohstoffen, Vorprodukten als auch mit technischem Know-how, unabhängig vom deutschen Mutterschiff, versorgen kann. Faktisch wandelt sich mancher Konzern zu einer Art Beteiligungsgesellschaft, die Aufgaben wie Accounting oder Forschung übernimmt, aber die Töchter an der langen Leine führt.

Für den bürokratischen Hochsteuerstandort Deutschland mit seinen Mondpreisen für Energie, dem Fachkräftemangel und den steigenden Finanzierungskosten für Automationsprojekte bedeutet dieser Trend nichts Gutes. Die Holdingökonomie löst die Exportmaschine ab und bedient den europäischen Club aus den osteuropäischen und türkischen Werken, Nord- und Südamerika aus den USA und Mexiko, Asien aus China, Indien, Korea oder Vietnam. In Deutschland bleibt langfristig nur die Verwaltungszentrale, die Forschung – und ein Showroom. Man nennt es Deindustrialisierung.

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Im Best Case passiert übrigens das Gleiche – nur langsamer und damit mit mehr Zeit für eine kluge Transformation, weil die Politik gemerkt hat, dass es eine konzertierte Aktion für die Rettung des Standortes braucht und keinen Abnutzungskrieg zwischen Ideologen.

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