5500 Angestellte betroffen: Hotelbetreiber Revo Hospitality Group meldet Insolvenz an
Hotels von Anbietern wie Hilton, Accor, Wyndham, Marriott und Radisson werden von der Revo Hospitality Group gemanagt. Allein in Deutschland und Österreich betreibt die Gesellschaft mehr als 125 Hotels, europaweit sind es sogar 250. Damit zählt die Gruppe zu den größten Playern im Hotelmarkt. Ob das so bleibt, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden.
Denn insgesamt rund 140 Einzelgesellschaften der Gruppe haben beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Bei der auf Sanierung ausgerichteten Insolvenzvariante bleibt das bisherige Management in der Regel an Bord, wird aber von Sanierern unterstützt. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht die Rettungsmission.
Expansion um jeden Preis
Im Fall der Revo Hospitality Group wurden Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von der Kanzlei GT Restructuring für die Dauer der Eigenverwaltungsverfahren zu Geschäftsführern der jeweiligen Gesellschaften bestellt. Der Betrieb der betroffenen Hotels werde mit allen rund 5500 Mitarbeitern fortgeführt, heißt es in einer Mitteilung der Unternehmensgruppe.
Die Revo Hospitality Group, die bis 2025 unter dem Namen HR Group agiert, betreibt Stadthotels und Apartments für Geschäftsreisende und Familien im niedrigen bis gehobenen Preissegment.
Angesichts der konjunkturellen Lage kämpft die Gruppe jedoch seit geraumer Zeit mit Gegenwind. Insbesondere die gestiegenen Lohnkosten und die starke Anhebung der Mindestlöhne, aber auch erhöhte Kosten für Mieten, Energie und Lebensmittel würden das Geschäft belasten, heißt es vom Unternehmen. Hinzu kommen hausgemachte Themen: So führte die starke Expansion in den letzten Jahren zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen.
2008 übernahm Revo ein erstes Hotel in Leipzig. 2020 gehörten bereits 51 Hotels zur Gruppe. Danach erhöhte sich das Wachstumstempo weiter. Zuletzt erzielten die rund 250 Hotels einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Nebeneffekt: Die Akquisition der neuen Hotels war mit erheblichen Kosten verbunden. Zugleich stiegen die Übernachtungszahlen nicht wie erwartet und auch der geplante Umsatz für 2025 wurde nicht erreicht.
Die betroffenen Mitarbeiter sollen nun bis März Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Und danach?
Die beteiligten Sanierer sind optimistisch, dass ein Erhalt der Gruppe gelingt. Bereits im Sommer soll es demnach eine Lösung geben. „Mit den überwiegend in Eigenverwaltung beantragten Verfahren für die rund 140 Gesellschaften bestehen gute Aussichten für eine zügige Sanierung und eine langfristige Fortführung“, sagte Geiser. „Wir werden den Geschäftsbetrieb umgehend stabilisieren.“ Zudem soll rasch mit der Investorensuche begonnen werden. „Die Eigenverwaltung ermöglicht eine schnelle Stabilisierung und eine geordnete Überleitung auf einen Investor, ohne die zahlreichen Hotelbetriebe wesentlich einzuschränken“, erklärte de Bruyn.
Tatsächlich stieg das Interesse von Investoren am deutschen Hotelmarkt zuletzt deutlich an, zeigen Daten des Beratungsunternehmens JLL Hotels & Hospitality Group. Insgesamt wurden laut JLL Hotels & Hospitality Group (JLL) 2025 bei 64 Abschlüssen – bestehend aus 58 Einzeltransaktionen und sechs Portfoliodeals – ein um 40 Prozent höheres Transaktionsvolumen als im Vorjahr erreicht. „Der starke Anstieg gegenüber dem Vorjahr zeigt das wachsende Vertrauen der Investoren in Deutschland als attraktiven Hotelinvestitionsmarkt – bemerkenswert ist dabei das hohe Engagement ausländischer Käufer, die über die Hälfte des Transaktionsvolumens ausmachten“, bilanzierte JLL-Geschäftsführer Stefan Giesemann.
Das Interesse ist also da – und die Chance für einen Erhalt der Revo Hospitality Group scheint durchaus vorhanden zu sein.
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