Knauß kontert: Die Illusionen der Bertelsmann-Schüler-Studie

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Unterricht in einer Grundschule

Kolumne von Ferdinand Knauß

Mal wieder lässt sich die Bildungsrepublik von der Bertelsmann-Stiftung durchschütteln. Die eigentlichen Probleme und ihre Konsequenzen für Unis und Unternehmen spielen in der alarmistischen Studie aber keine Rolle.

Dass Studien der Bertelsmann-Stiftung die Politik in Deutschland, vor allem die Bildungspolitik, bewegen können, ist bekannt. Gemeinsam mit der OECD und deren PISA-Tests haben die Gütersloher in der Öffentlichkeit den Weg bereitet für die Bildungsreformen der jüngeren Zeit: Kompetenzorientierung und „Employability“ statt humboldtschem Bildungsideal, Massenakademisierung und „kein Kind zurücklassen“ statt Auslese und Gymnasialempfehlung.

Nicht zu vergessen G8, die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre, die mittlerweile in den meisten Bundesländern wieder zurückgenommen wird.

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Jetzt hat die Stiftung wieder für Aufsehen gesorgt. Eine in ihrem Auftrag erstellte Studie verkündet: Im Jahre 2030 werden 43.000 Lehrer fehlen, weil die Schülerzahlen deutlich höher sein werden, als die Kultusministerkonferenz erwartet. Etwa 28.100 zusätzliche Schulklassen seien nötig. Während zwischen 2000 und 2015 fast 1800 Grundschulen geschlossen wurden, werden, so die Autoren Klaus Klemm und Dirk Zorn, die Schulträger im Jahr 2030 für neue Gebäude und Personal etwa 4,7 Milliarden Euro mehr ausgeben müssen als im laufenden Jahr.

In seltener Einmütigkeit reagieren sowohl der als konservativ geltende Lehrerverband (DL) als auch die Gewerkschaft VBE. „Die Konsequenz kann nur heißen, alle auf den bisherigen Annahmen basierenden Streichungen von Lehrerstellen in einzelnen Bundesländern sofort zu stoppen und durch zusätzliche Investitionen in den Bildungsbereich dafür zu sorgen, dass steigende Schülerzahlen nicht wieder wie in den 80er- und 90er-Jahren zu Verschlechterungen bei der Bildungsqualität, etwa steigenden Klassengrößen, führen“, sagt DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger. „Die Situation des Lehrermangels wurde von der Politik viel zu lange schöngeredet“, klagt VBE-Chef Udo Beckmann und fordert nun eine „Lehrerausbildungsoffensive".

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Quelle: Getty Images

Dabei sei die Bertelsmann-Prognose noch „eher optimistisch“, so Beckmann. Denn sie gehe „von gleichbleibenden Klassengrößen und der Fortführung des Ein-Lehrer-Prinzips aus“. Damit nähert sich Beckmann einer Bildungsproblematik, die die Bertelsmänner gar nicht ansprechen - und er selbst nur in dem Euphemismus „Schule verändert sich“ verklausuliert.

Ein sehr großer Teil der Schüler in vielen und womöglich demnächst fast allen Schulen wird einen so genannten Migrationshintergrund haben - selbst wenn die künftige Zuwanderung weniger hoch als in den beiden vergangenen Jahren sein sollte. Diese Kinder wird man nicht auf dieselbe Art und Weise und – realistisch betrachtet – auch nicht auf demselben Niveau unterrichten können, wie im althergebrachten Schulbetrieb. Das zeigen schon die bisherigen Erfahrungen.

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