WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Elektroauto-Restwerte Das Preisproblem gebrauchter Stromer

Gebrauchte Elektroautos werden jetzt billiger.   Quelle: dpa

Die E-Auto-Förderung kommt Autobauer, Banken, Händler und Leasingfirmen teuer zu stehen, denn die Mehrheit der Elektroautos ging in den vergangenen Jahren ins Leasing. Die Restwerte kalkulierte man dabei viel zu hoch. Die Folge: Gebrauchte Elektroautos bringen zu wenig Geld.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier freute sich. Er wolle, dass die hunderttausenden Beschäftigten in der Autoindustrie auch in zehn oder 15 Jahren noch gute Arbeitsplätze hätten, sagte er. „Dazu leistet die Innovationsprämie einen wichtigen Beitrag.“ Gesagt, verlängert und erhöht: Die Prämie für den Kauf von Elektro-Autos und Plug-in-Hybriden gibt es jetzt noch bis längstens Ende 2025. Bei einem Nettolistenpreis von bis zu 40.000 Euro wird der Umweltbonus für rein elektrische Fahrzeuge um 50 Prozent auf nun 6000 Euro und für Plug-in-Hybride auf 4500 Euro angehoben. Inklusive aller Prämien können gut 9000 Euro zusammenkommen. Teurere Fahrzeuge werden allerdings weniger gefördert. Die Prämie teilen sich Staat und Industrie. 

Auf den Verkauf von Neuwagen wirkt sich die Prämie bislang bombastisch aus: Der Absatz explodiert förmlich, je nach Hersteller warten Kunden bis weit ins nächste Jahr hinein auf ihren Stromer. 

Ungewollter Nebeneffekt

Es gibt jedoch einen ungewollten Nebeneffekt: Die Preise für gebrauchte Elektrofahrzeuge und Hybride fallen. Denn gebrauchte Auto müssen immer deutlich weniger kosten als neue, damit sie überhaupt jemand kauft. Und weil der Preis für Neuwagen durch die Prämie nach unten geht, muss zwangsläufig auch der für bereits gefahrene Autos fallen. Und so erweist sich der von Leasinggebern einst kalkulierte Restwert gebrauchter Autos wegen der Rabatte auf Neuwagen plötzlich als zu hoch. „Es stellt ein Problem für den Handel dar, gebrauchte Elektrofahrzeuge in Zahlung zu nehmen“, bestätigt der Bundesverband eMobilität. Das sei der „hohen Förderung für Neufahrzeuge geschuldet“, so ein Sprecher.

Das Problem ist nicht trivial: „Typischerweise ist der Markt für gebrauchte Fahrzeuge in Deutschland deutlich größer als der für neue“, sagt Martin Weiss, Leiter der Fahrzeugbewertung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). Der Preis für Gebrauchtwagen ist also relevant. Außerdem gingen geschätzt mehr als zwei Drittel der E-Autos ins Leasing. Bei BMW etwa werden bei dem Stromer i3 rund zwei Drittel der Neufahrzeuge verleast. Die Leasingrückläufer des i3, die über die BMW-Bank verleast werden, „stehen bei Auslauf des Vertrags auf der Bilanz der BMW-Bank (als Teil unserer Vertriebsorganisation)“, heißt es aus München. Vermarktet hingegen würden die Rückläufer von der BMW-Handelsorganisation – im Rahmen des normalen Gebrauchtwagengeschäfts. Ein Problem haben nun also vor allem Autobauer, deren Banken sowie Händler und Leasingfirmen. Sie haben vor Jahren, als die Autos ins Leasing gingen, höhere Preise kalkuliert, als sie jetzt auf dem Gebrauchtwagenmarkt erzielen können. 

Diese E-Auto-Schnäppchen bringt 2021
Trotz Corona war 2020 ein Boomjahr für Elektroautos in Deutschland. Zusammen mit den Plug-in-Hybriden kletterte ihr Marktanteil auf deutlich über zehn Prozent. Neben einer wachsenden Auswahl an Modellen haben finanzielle Anreize, vor allem der großzügige Umweltbonus, den Boom befeuert. Er dürfte dieses Jahr noch an Fahrt aufnehmen, denn gleich mehrere batterieelektrische Modelle kommen zu kleinen Preisen auf den Markt. Zusammen mit der weiterhin abrufbaren Umweltprämie ist ein Einstieg in die E-Mobilität auf sogar vierstelligem Preisniveau möglich. Quelle: dpa
Der neue Fiat 500 erlaubt einen charmanten wie auch günstigen Einstieg in die E-Mobilität Quelle: Fiat
Den neuen Renault Twingo Electric wird es in einer Basisversion geben, die abzüglich Umweltbonus rund 11.000 Euro kosten dürfte Quelle: Renault
Mit dem Dacia Spring wird der Einstiegspreis in die E-Mobilität auf vierstelliges Niveau sinken Quelle: Dacia
In welcher Ausstattung und zu welchem Preis der Spring in Deutschland vertrieben wird, ist noch ungewiss. Quelle: Dacia
 Preise zum Neustart des E.Go Life gibt es noch nicht Quelle: Spotpress
Maserati MC20 Quelle: Maserati

Technik gebrauchter Autos veraltet schnell 

Hinzu kommt: Nie war der technische Fortschritt bei einer Technologie so groß und so schnell wie bei Elektroautos – in den vergangenen Jahren kamen ständig Autos auf die Straßen, die mit einer Batterieladung noch weiter fahren konnten als im Vorjahr verkaufte Stromer. Doch genauso schnell, wie die Reichweite steigt, veraltet die Technik in gebrauchten Autos. Sie werden unattraktiver – und müssen damit billiger werden.

3000 Euro zusätzlicher Verlust auf Jahreswagen

DAT-Experte Weiss sagt, dass die Erhöhung der Prämien dafür gesorgt hätte, dass das Restwertniveau für junge Gebrauchtfahrzeuge „mit einem Schlag“ gesenkt worden sei. Er schätzt den durch die nun verlängerte Förderung verursachten Wertverlust bei einem bis zu einem Jahr alten, reinen Stromer auf bis zu 3000 Euro, bei dreijährigen könnte er noch bei 1500 Euro oder mehr liegen. Darin bezieht Weiss Fahrzeuge mit einem Listenpreis bis zu 40.000 Euro ein. „Je älter das Fahrzeug wird, desto geringer ist dieser Effekt“, sagt er. Für junge Plug-in-Hybride sieht er einen Verlust von bis zu 2250 Euro. „Dies kann sich noch zuspitzen, da jedes Jahr mehr Autos aus dem Leasing in die Wiedervermarktung kommen“, sagt Weiss.

Jahr für Jahr setzte die Branche in den vergangenen Jahren mehr E-Autos ab – dementsprechend kommen nun auch jährlich mehr Autos aus dem Leasing zurück. „Das Problem sinkender Restwerte existiert bereits seit Einführung der Prämie, durch deren Verlängerung wird aus einem temporären Zustand eine Art Dauerzustand“, stellt Weiss fest.

Renault teilt Verluste mit Bank und Händlern 

Renault bestätigt Verluste. Für das Jahr 2020 habe man „mit Blick auf Fälle, in denen die Restwerte der Leasing-Rückläufer zu hoch sind, ein Sonderprogramm entwickelt“, sagte ein Sprecher. Das sieht so aus: Der Autobauer teile sich den Verlust mit der Renault Bank und dem Händler, „um eine wettbewerbsfähige Weitervermarktung des Gebrauchtwagens zu ermöglichen“. Jede dieser Parteien trägt ein Drittel des Verlusts. Im Jahr 2020 seien davon etwa 1000 Fahrzeuge betroffen, sagte der Sprecher auf Nachfrage. Zu der Höhe der Verluste wollte er sich nicht äußern.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%