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Börse Dax fällt auf tiefsten Stand seit zwei Jahren

Dax fällt zum Handelsstart auf Jahrestief Quelle: dpa

Die Bären drücken den Dax unter 11.000 Punkte – so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr. Damit dürfte die Hoffnung auf eine Jahresendrally begraben sein. Warum die Stimmung so schlecht ist.

Wenn die Börsenkurse unter Druck geraten, gibt es zumeist gleich viele Faktoren, die dafür verantwortlich sind. Allerdings kann eine Nachricht sehr wohl Auslöser für ein dickes Indexminus sein. So ist es auch beim Dax, dem Deutschen Aktienindex und damit dem wichtigsten Börsenbarometer für den hiesigen Aktienmarkt.

Bereits im frühen Handel rauschte der Index quasi aus dem Stand auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren und unterschritt dabei die Marke von 11.000 Punkten. Gegen Nachmittag lag der Index der 30 wichtigsten deutschen Aktien sogar nur noch bei 10.883 Punkten. Gegenüber dem Vortagesschluss ist das ein Minus von 2,8 Prozent. Zur Erinnerung: Im Januar hatte der Dax sein vorläufiges Allzeithoch bei 13.559 Punkten erreicht. In diesem Jahr hat er ausgehend vom Rekordhoch also schon mehr als 19 Prozent verloren. Die Stimmung der Anleger könnte kaum mieser sein.

Aktuell drückt die Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Telekommunikations-Riesen Huawai durch kanadische Behörden auf Druck der USA die Börsenlaune. Die USA werfen Huawai vor, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben. Aber diese Nachricht ist nur Auslöser und nicht Ursache für den zunehmenden Pessimismus der Anleger. Die Verhaftung von Meng Wanzhou, die auch Tochter des Huawei-Gründers ist, belegt lediglich, dass es Handelsstreit zwischen den USA und China keine Entspannung gibt, obwohl US-Präsident Donald Trump noch auf dem G20-Treffen vor vier Tagen einen 90-tägigen „Waffenstillstand“ in diesem Konflikt verkündet hatte. Die USA drängten Kanada umgehend zur sofortigen Auslieferung, China protestierte hingegen scharf gegen die Festnahme und forderte die sofortige Freilassung der Managerin.

Damit könnte die Atempause im Wettlauf um gegenseitige Zollschranken hinfällig sein. Jetzt fürchten Anleger vielmehr, der Handelsstreit könne weiter eskalieren, die Einfuhrzölle auf Seiten der USA noch weiter zunehmen. Ganz frisch ist die Nachricht, dass China im November wegen der Zölle bereits weniger exportiert hat. Dazu passt, dass Österreichs Börsianer gerade „Strafzölle“ zum Börsenunwort des Jahres gewählt haben.

Der Handelsstreit belastet alle global agierenden Konzerne – und damit viele große Aktien an den wichtigsten Börsenplätzen der Welt. Wo bislang gute Gewinne in der globalisierten Wirtschaft erzielt wurden, stehen diese nun auf zunehmend wackligen Füßen. Auch die Vorgaben der Börse in Tokio waren wenig erfreulich, der Nikkei schloss um 8 Uhr hiesiger Zeit mit einem Minus von 1,9 Prozent. Die Wall Street hatte hingegen wegen der Staatstrauer für den Ex-Präsidenten George H.W. Bush geschlossen.

Dennoch war die Stimmung in den USA schon in den vorangegangenen Tagen auffällig schlecht. Sorgen um eine nahezu inverse Zinskurve bei den US-Staatsanleihen – ein recht zuverlässiges Signal für eine heraufziehende Rezession – hatten den US-Indizes Dow Jones Industrials, S&P 500 und Nasdaq 100 tief in den roten Bereich gedrückt. Die Angst, dass sich Trumps Konjunkturprogramm nur als kurzes Strohfeuer erweisen, wächst. Offenbar haben die Verbraucher in den USA Käufe sogar vorgezogen, um Zollbeschränkungen zu umgehen. Somit dürften die Handelsumsätze in den kommenden Monaten zurückgehen. Die wachsenden Konjunktursorgen belasteten dementsprechend auch die exportstarken Märkte in Europa und Asien. Marktanalyst Salah Bouhmidi vom Brokerhaus DailyFX sagte: „Die Risiken nehmen nicht ab, ganz im Gegenteil kommen immer mehr dazu. Die Angst im Markt ist wieder groß.“

Zudem gibt es ja noch reichlich andere Hindernisse für eine Fortsetzung des jahrelangen Börsenbooms. Der Brexit und immer wieder neue Stolpersteine auf dem Weg zu einem geordneten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union belasten den EU-Binnenmarkt. Hinzu kommen die Sorgen um Italiens hohe Staatsverschuldung, ausbleibende Inflation und damit dauerhaft niedrige Zinsen in der Euro-Zone, während die wichtigste Volkswirtschaft der Welt, die USA, schon etliche Zinserhöhungen realisiert und weitere geplant hat. Die klaffende Zinsschere sorgt so für Kapitalflucht aus Europa und Japan in Richtung der USA. Außerdem verunsichert der jüngste Streit der USA mit Russland um die Ukraine den Welthandel. Da US-Präsident Trump Konflikte offenbar nicht scheut, halten es Anleger für durchaus möglich, dass er sich gleichzeitig mit China und Russland anlegt.

Die Bären, wie die Pessimisten an der Börse genannt werden, dürften damit vorerst die Oberhand behalten. Eine Jahresendrally ist weiter entfernt denn je.

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