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Gefahr einer inversen Zinskurve US-Rentenmarkt lässt Börsenanleger zittern

US-Staatsanleihenmarkt macht die Börse nervös Quelle: imago

Gründe für fallende Börsenkurse gibt es in diesem Jahr genug. Doch die Signale, die der US-Anleihenmarkt sendet, verdüstern die Börsenstimmung nochmals deutlich. Ein Crash-Indikator steht kurz vor dem roten Bereich.

Normalerweise ist es so: Je länger ein Kredit bis zur Rückzahlung läuft, umso höher sind die Risiken für den Kreditgeber, ergo umso höher ist die Verzinsung. Die Zinsen sind nicht nur der Gewinn des Kreditgebers, sie sind auch Risikopuffer für die langen Laufzeiten.

Das gleiche Prinzip gilt auch am Markt für Staatsanleihen. Mit diesen Papieren leiht sich der Staat Geld von Investoren. Und je länger er sich Geld leiht, umso höher sind die Zinsen, die ein Staat bieten muss, um genügend Investoren zu finden. Aber weil dieses Prinzip derzeit am US-Staatsanleihenmarkt verloren zu gehen scheint, sind Investoren nervös – und zwar nicht nur im Hinblick auf Staatsanleihen, sondern für die gesamte Börse, also auch für den Aktienmarkt.

Konkret zeigt eine Zinskurve mit steigender Laufzeit der Anleihen normalerweise steigende Renditen, also Verzinsungen an. Nun droht aber eine inverse Zinskurve beim Vergleich von zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen (Treasuries), weil Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit nur noch 0,1 Prozentpunkte mehr Rendite abwerfen als Anleihen mit nur zwei Jahren Laufzeit.

Ein Hauptgrund für diese Entwicklung dürften Zweifel an der Dauerhaftigkeit des US-Konjunkturbooms sein. Weil immer mehr Investoren befürchten, dass sich der Boom nur als Strohfeuer entpuppt – die WirtschaftsWoche berichtete –, fliehen sie in Staatsanleihen als sicheren Hafen. Dementsprechend steigen die Kurse der Staatsanleihen, während deren Rendite im Gegenzug sinkt. Die Effektivverzinsung von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist inzwischen unter die Drei-Prozent-Marke gefallen, Anfang November erst hatte sie mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht.

Die WirtschaftsWoche warnte bereits Ende Oktober vor der besorgniserregenden Entwicklung der Zinskurve sowie mehreren anderen Börsenindikatoren, die Crash- oder zumindest Baisse-Signale für die großen Börsen sendeten. Seitdem hat sich die Zinskurve weiter dem Wendepunkt genähert. Bereits Ende Oktober betrug die Renditedifferenz nicht einmal mehr 0,3 Prozentpunkt zwischen zwei- und zehnjährigen Anleihen. Die Zinskurve für den Vergleich von US-Staatsanleihen mit zwei- und fünfjähriger Laufzeit ist in der Zwischenzeit bereits ins Negative gefallen. Ende Oktober lagen fünfjährige Treasuries nur noch 0,1 Prozentpunkt vor den zweijährigen, inzwischen zeigt diese Zinskurve eine Renditedifferenz von minus 0,04 bis minus 0,08 Prozent an.

In der Vergangenheit hat eine inverse Zinskurve bereits mit einigen Monaten Vorlauf die Börsencrashs zum Ende der Dotcom-Blase im Jahr 2000 sowie nach der Lehman-Pleite im Zuge der Finanzkrise 2008 angezeigt. Dementsprechend groß ist derzeit die Nervosität der Anleger beim Blick auf die weltweite Leitbörse an der New Yorker Wall Street. Beiden Börsencrashs folgte eine tiefgreifende Rezession. Die Börsenkurse erholten sich erst Jahre später von den Rückschlägen.

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