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US-WirtschaftDer Markt ist stärker als Donald Trump

Teile von Trumps Wirtschaftspolitik können der US-Konjunktur durchaus helfen. Alles andere regelt sich hoffentlich von selbst – wachsamen Anleiheinvestoren sei Dank. Ein Gastbeitrag.Nouriel Roubini 03.06.2025 - 10:20 Uhr
Der US-Präsident sorgt für Verwerfungen? Der Markt wird das schon glätten. Foto: Illustration: Marcel Reyle

Schon als die Amerikaner Donald Trump im vergangenen Jahr erneut zu ihrem Präsidenten wählten, war ich überzeugt, dass zumindest einige seiner Maßnahmen mit der Zeit zu höherem Wachstum und einer geringeren Inflation führen werden. Beispielsweise indem er Innovationen in der Technologiebranche unterstützt, dereguliert, die Steuern für Arbeitnehmer und Unternehmen senkt, mehr Energie produzieren lässt und die verschwenderischen öffentlichen Ausgaben kürzt.

Andere Maßnahmen sind hingegen stagflationär. Trumps Protektionismus und die Zölle bremsen das Wachstum und treiben die Preise in die Höhe. Gleiches gilt für sein hartes Vorgehen gegen Migration, die gekürzten Mittel für wissenschaftliche Forschung, die Angriffe auf akademische Einrichtungen.

Ebenso, dass Trump ungedeckte Haushaltsdefizite unterstützt, die Unabhängigkeit der Federal Reserve bedroht, ungeordnet versucht, den Dollar zu schwächen, die Rechtsstaatlichkeit angreift und nicht zuletzt sein korruptes Verhalten. Er hat die Marke USA stark beschädigt. Das hat seinen Preis.

Zur Person
Nouriel Roubini ist emeritierter Ökonomie-Professor der Stern School of Business an der New York University.

Dennoch nehme ich weiterhin an, dass die Disziplin am Markt, nicht zuletzt durch wachsame Anleiheinvestoren, und eine immer noch unabhängige Fed dieser stagflationären Politik etwas entgegensetzen können. Trumps gemäßigte Wirtschaftsberater bekommen dann mehr Kontrolle und können die Handelskonflikte durch Verhandlungen deeskalieren.

Jetzt verhandeln die Republikaner im Kongress über ein Haushaltsgesetz, das die Defizite und Schuldenquoten weiter erhöhen wird. Der Druck am Markt wird durch höhere Renditen langfristiger Anleihen zunehmen. Trump kann dann entweder einlenken oder die hohen Anleiherenditen und die damit ausgelöste Rezession hinnehmen.

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Und was ist mit der Notenbank? Man denke nur an Trumps ersten Angriff auf die Fed. Schon der ging nach hinten los: US-Aktien gaben nach, die Anleiherenditen schnellten nach oben. Danach drohte Trump nicht mehr damit, den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell zu entlassen.

Auch wenn er Powell 2026 austauscht, bliebe die Fed unabhängig. Schließlich ist der Vorsitzende primus inter pares (der Erste unter Gleichen) und kein absolutistischer Monarch. Die Position des Offenmarktausschusses der Fed wird nach wie vor den Ansichten seiner Mitglieder entsprechen.

Das robuste Wachstum war vor allem auf das große Arbeitskräfteangebot durch teils undokumentierte Einwanderer zurückzuführen
Nouriel Roubini
leitender Berater bei Hudson Bay Capital Management und em. Professor an der Stern School of Business

Indem Powell die Zinssätze momentan nicht senkt, tut er Trump einen Gefallen. Glaubwürdig festigt die Fed die Inflationserwartungen angesichts des zollbedingten Preisdrucks. Durch den Verzicht auf Zinssenkungen hält sich die Fed zudem diese Option offen, sollte sich die Wirtschaft gegen Ende des Jahres abschwächen. Trump hat also keinen Grund, Powell anzugreifen. Außer er will ihn als Sündenbock für eine mögliche Rezession positionieren, die er selbst verursacht hat. Genauso macht er es mit der Inflation, an der die Sturheit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping schuld sein soll.

Die von der Regierung verhängten Migrations- und damit Arbeitskräftebeschränkungen werden die USA ebenfalls teuer zu stehen kommen. Das robuste Wachstum und die sinkende Inflation zwischen 2023 und 2024 waren vor allem auf das große Arbeitskräfteangebot durch – teils undokumentierte – Einwanderer zurückzuführen. Angesichts des angespannten Arbeitsmarkts schaden Maßnahmen, die dieses Angebot verringern und damit das Lohnwachstum und die Inflation ankurbeln, der Wirtschaft – und so auch am Ende Trumps politischem Ansehen. So wie Inflation während der Corona-Pandemie Joe Biden geschadet hat.

USA locken mit drei- bis fünffachen Gehältern

Die USA brauchen stetig neue, vorzugsweise dokumentierte Einwanderer. Trump hat sich bei den H-1B-Visa für Fachkräfte – ein Programm, von dem vor allem das Silicon Valley profitiert –bereits auf die Seite von Elon Musk geschlagen. Der US-Präsident hat sich gegen seine MAGA-Basis gestellt und damit bewiesen, dass er nicht völlig ahnungslos ist, wenn es darum geht, dringend gebrauchte, ausländische Talente zu gewinnen.

Trotz allem Schaden für die Marke USA ist Amerika nach wie vor weltweit die erste Adresse für die besten zehn Prozent der wissenschaftlichen Forscher und unternehmerischen Köpfe. Schließlich wird in den Vereinigten Staaten ein drei- bis fünffacher Gehaltsaufschlag geboten.

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Forschungsgelder zu kürzen und Fachkräfte abwandern zu lassen, geht aber nicht mit dem Anspruch einher, bei künstlicher Intelligenz und anderen Zukunftsbranchen führend zu bleiben. Angesichts des Feedbacks aus der Industrie und vom Markt dürften auch hier Trumps besonnenere Berater am Ende die Oberhand gewinnen. Außerdem könnte der zunehmende Gegenwind aus der Justiz die Regierung zu einer vernünftigeren Einwanderungspolitik bewegen. Andernfalls wird hier der Markt mit aller Härte wirken.

Auch das Vorhaben der Trump-Regierung, mithilfe eines schwächeren Dollars die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und das Handelsdefizit zu schmälern, dürfte nicht funktionieren. Am zweiten April brachten die angekündigten „Liberation Day“-Zölle, die angedrohte Powell-Entlassung und die Aussicht auf noch größere Haushaltsdefizite den Dollar zwar in den Sinkflug. Die Aktienkurse korrigierten daraufhin aber deutlich, die Anleiherenditen und Kreditspreads stiegen sprunghaft an.

Die Idee eines Mar-a-Lago-Abkommens, um den Dollar gezielt zu schwächen, grenzt an Wahnsinn
Nouriel Roubini

Un so machte Trump bei den Zöllen und Powell einen Rückzieher. Dieselbe Marktdisziplin wird die Abgeordneten nun dazu zwingen, den Haushalt anzupassen.

Die Idee eines „Mar-a-Lago-Abkommens“, um den Dollar gezielt zu schwächen, ist weit hergeholt und grenzt an Wahnsinn. Wichtige Handelspartner, nicht zuletzt China, würden sich niemals beteiligen, und auch Freunde und Verbündete der USA würden sich sträuben. Je eher die Märkte damit rechnen, dass der Dollar plötzlich abwertet, desto stärker steigen die Anleiherenditen.

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Der Vorschlag, kurzfristige Anleihebestände von ausländischen Investoren in langfristige Wertpapiere umzuwandeln, würde nicht einmal in der Theorie funktionieren. Geschweige denn in der Praxis. Den Dollar durch eine Steuer auf ausländische Bestände an Staatsanleihen, also durch die Kontrolle von Kapitalzuflüsse, zu schwächen, wird die langfristigen Zinsen hochtreiben und die Wirtschaft schwächen.

Ich glaube: Die Marktteilnehmer werden so eine derart unhaltbare Politik nicht lange zulassen.

Zu guter Letzt sind die demokratischen Institutionen der USA nach wie vor stabil, aller Angriffe durch die Regierung zum Trotz. Sie sollten also fähig dazu sein, die extremsten Maßnahmen auszubremsen.

Copyright: Project Syndicate 2025

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