Pharmaindustrie: Bayer vor entscheidender Weichenstellung im Glyphosat-Streit
Im milliardenschweren Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat steht der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern Bayer vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Der Oberste Gerichtshof der USA wird voraussichtlich am Freitag bekanntgeben, ob er den Berufungsantrag in einem zentralen Verfahren annimmt. Andernfalls ist auch eine Entscheidung am darauffolgenden Dienstag möglich, da Montag in den USA ein Feiertag ist.
Die Chancen auf eine Annahme sind gestiegen, nachdem der Generalanwalt der US-Regierung dem Gericht überraschend eine positive Empfehlung ausgesprochen hatte. In der Regel folgt der Supreme Court solchen Stellungnahmen. Für Bayer wäre dies ein entscheidender Schritt, um Rechtssicherheit zu erlangen und die Flut von Klagen einzudämmen.
Konkret geht es um den Fall des Klägers John Durnell aus dem Bundesstaat Missouri, dem eine Entschädigung von 1,25 Millionen Dollar zugesprochen worden war. Im Kern steht die Frage, ob Bundesrecht die Klagewellen nach einzelstaatlichem Recht ausschließt.
Bayer argumentiert, dass die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und das Produktlabel entsprechend ohne Warnhinweis genehmigt hat. Unternehmen dürften daher nicht haftbar gemacht werden, wenn sie sich an die Vorgaben des Bundesrechts hielten, forderten die Leverkusener.
Für Bayer ist es bereits der dritte Anlauf vor dem Supreme Court. Zwei frühere Versuche waren 2022 gescheitert, damals hatte der Generalanwalt von einer Annahme abgeraten. Nun rechnet sich der Konzern bessere Chancen aus, auch weil es inzwischen widersprüchliche Urteile von Bundesberufungsgerichten gibt.
Vorstandschef Bill Anderson hat sich zum Ziel gesetzt, die Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Für die Beilegung von Klagen hat Bayer bereits rund zehn Milliarden Dollar gezahlt, die Rückstellungen für die zuletzt rund 65.000 offenen Fälle lagen bei knapp sieben Milliarden Euro.
Um die Risiken zu senken, stoppte Bayer den Verkauf glyphosathaltiger Produkte an US-Privatkunden bereits 2023. Anderson schließt zudem einen vollständigen Ausstieg aus dem US-Glyphosatgeschäft nicht aus.
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