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Handelskonflikt mit China Trumps Strafzölle treffen die eigenen Landwirte

Ein Bauer hält sortierte Sojabohnen in seinem Landwirtschaftsbetrieb. Quelle: dpa

Der Handelsstreit zwischen China und den USA droht zu eskalieren. Donald Trumps Kalkül, das US-Handelsdefizit gegenüber China auszugleichen, geht indes nicht auf.

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Der Handelskonflikt mit China geht in die nächste Runde. Am Morgen endete in den USA eine Frist, binnen derer die Öffentlichkeit zu den geplanten US-Zöllen auf Warenimporte aus China im Wert von bis zu 200 Milliarden Dollar Beschwerden einreichen konnte. US-Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld bereits angedeutet, dass er so schnell wie möglich mit der Verhängung der Zölle beginnen will.

Bis dato hat die Trump-Regierung es noch vermieden, Konsumgüter zu bezollen – das wäre diesmal nicht mehr möglich. Zusammen mit den bereits verhängten Sonderzöllen auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar wären dann die Hälfte aller Importe aus China mit Extrazöllen belegt. Allein: Den erwünschten Effekt hat Trumps Zollpolitik bislang nicht erreicht, im Gegenteil. Statt die US-Handelsbilanz auszugleichen, erhöht der Konflikt das Handelsdefizit gegenüber China weiter. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum hat das Handelsdefizit der USA mit China bis zum Juli dieses Jahres bereits um acht Prozent zugenommen, wie aktuelle Daten zeigen.

Die USA importierten im vergangenen Jahr insgesamt Waren im Wert von 505 Milliarden US-Dollar aus China – zum Großteil Elektrogüter, Haushaltsgeräte und Kleidung. In die andere Richtung gingen dagegen nur Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar – darunter vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen, aber auch Flugzeugteile.

Sollte Trump nun abermals Zölle verhängen, droht China im Gegenzug mit Sonderabgaben auf US-Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar zu reagieren. „Wir werden die notwendigen Gegenmaßnahmen einleiten“, sagte Gao Feng, ein Sprecher des Pekinger Handelsministeriums.
Die Leidtragenden von Trumps Zollpolitik sind die Landwirte in den USA. Als Reaktion auf die erste Strafzollrunde hat China im Juli Zölle auf Agrarprodukte erlassen. „Die Hersteller von Sojabohnen, Schweinefleisch sowie Milchprodukten spüren die Auswirkungen besonders stark“, sagt der frühere US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Für Peking sind die Farmer ein Hebel, um US-Präsident Trump unter Druck zu setzen. Sojabohnen werden vor allem in Staaten wie Iowa, Illinois, Minnesota und Ohio angebaut. Staaten, in denen viele von Trumps treuesten Wähler sitzen. Im vergangenen Jahr gingen fast die Hälfte der US-Sojabohnenexporte nach China.

Während Vilsacks Zeit als Landwirtschaftsminister hatte er versucht, China als Exportmarkt für US-Farmer stärker zu öffnen. Aufseiten Chinas bestehe bis heute ein großer Bedarf, sagt er. Die Mittelschicht Chinas prosperiert und damit steigt der Hunger nach Fleisch, was wiederum den Bedarf nach Tiernahrung befördert. Jedes Jahr importiert China deswegen Sojabohnen im Wert von 100 Millionen Tonnen – im vergangenen Jahr stammte noch ein Drittel davon aus den USA. In diesem Jahr dürfte der Wert deutlich geringer ausfallen. Hat China in der ersten Hälfte vergangenen Jahres noch 19 Millionen Tonnen Sojabohnen aus den USA importiert, waren es in diesem Jahr nur noch 13 Millionen Tonnen.

Neben der rückläufigen Nachfrage kommt für die Sojabauern in den USA ein weiteres Problem hinzu: Die Ernteerträge sind auf einem Rekordhoch – das drückt die Preise noch weiter.

Eine rasche Besserung ist aus Sicht von Ex-Landwirtschaftsminister Vilsack nicht in Sicht: „Handel dreht sich um Beziehungen. Diese zu reparieren, braucht Zeit. Zumal China in der Zwischenzeit mit anderen Lieferanten Beziehungen knüpfen wird.“ Insbesondere Brasilien, das schon heute die Hälfte des Sojabohnenbedarfs Chinas deckt, dürfte langfristig profitieren. Für die US-Farmer bleibt also einzig die Frage: Wie lange braucht China, um seinen Bedarf an Sojabohnen aus den USA zu reduzieren?

Negative Konsequenzen der nächsten Zollrunde befürchten auch amerikanische Tech-Konzerne wie Dell, Cisco und Hewlett Packard. Sie importieren aus China Waren wie Netzwerkgeräte. Sollten die USA hierauf Zölle erheben, „würde dies einen großen, unverhältnismäßigen Schaden“ verursachen, warnen die Konzerne in einem Schreiben an Trump. Der Einzelhandelsverband National Retail Federation befürchtet zusätzliche Kosten für US-Konsumenten von sechs Milliarden Dollar im Jahr.

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