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Tom Vilsack „Es gibt ein Klima der Unsicherheit und Angst“

Tom Vilsack sieht Präsident Trumps Handelskrieg mit Sorge Quelle: imago images

Tom Vilsack war früher US-Landwirtschaftsminister unter Barack Obama. Die Entwicklungen unter Präsident Trump betrachtet er mit Sorge. Im Interview spricht er über die Gefahren durch die Handelskriege.

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Mr. Vilsack, wie stark leidet die amerikanische Landwirtschaft unter dem Handelskrieg mit China?
Die Hersteller von Sojabohnen, Schweinefleisch sowie Milchprodukten spüren die Auswirkungen besonders stark. Die Milchindustrie hat zusätzlich noch mit Vergeltungstarifen von Mexiko zu kämpfen. Die Folgen sind unterschiedlich. Bei Sojabohnen haben die Märkte nachgegeben. Die Schweinefleischproduzenten klagen, dass sie ihnen Hunderte von Millionen Dollar Umsatzpotential verlorengegangen sind. In der Milchindustrie sind die Futures betroffen. Es gibt ein Klima der Unsicherheit und Angst auf dem Land. So sehr, dass die Regierung mit einem Hilfsprogramm reagieren musste. 

Werden die angekündigten 12 Milliarden Dollar ausreichen, um die Verluste auszugleichen?
Noch ist nicht klar, wie die Regierung die Mittel verwenden will. Die Produzenten sind dankbar für jede Hilfe. Aber noch mehr hoffen sie, dass die NAFTA-Verhandlungen mit Kanada und Mexico Resultate bringen und dann die Auseinandersetzungen mit China beigelegt werden können. Den meisten Farmern ist bewusst, dass gegen chinesische Wettbewerbspraktiken etwas unternommen werden muss und unterstützen das. Aber es wäre einfacher gewesen, wenn wir uns dabei mit Europa und Japan verbündet hätten. Indem wir nun allein vorgehen, war absehbar, dass die Landwirtschaft besonders stark von China ins Visier genommen wird. Sie ist eine der wenigen Branchen in denen die USA einen Handelsüberschuss gegenüber China hat. 

Sie haben während ihrer Zeit als Landwirtschaftsminister versucht, China stärker als Exportmarkt für US-Farmer zu öffnen. Sind mit dem Handelskrieg die Türen nun zugeschlagen?
China hat eine große Nachfrage nach Agrarprodukten, es ist ein wachsender Markt.  Der Bedarf ist ohne Frage da. Aber Handel dreht sich um Beziehungen. Diese zu reparieren braucht Zeit. Zumal China in der Zwischenzeit mit anderen Lieferanten Beziehungen knüpfen wird. 

In der Landwirtschaft hat die USA seit Jahren Handelsüberschüsse. Wie schnell kann sich das drehen?
Ich erwarte nicht, dass wir die Überschüsse verlieren. Aber die Sorgen über die Profitabilität der Landwirtschaft und den Wert ihrer Produkte nehmen zu. Das erschwert den Bauern die Finanzierung ihres Geschäfts. Die angekündigten Hilfen der US-Regierung sind zudem einmalig und werden nicht für den eventuell längerfristigen Verlust von Marktanteilen kompensieren. 

Präsident Trump und EU-Kommisionspräsident Juncker haben angeblich vereinbart, dass Europa mehr Sojabohnen von US-Farmern abnehmen wird. Kann das die Verluste ausgleichen?
Etwas vielleicht. Es gibt wenig Details darüber, so dass es schwer einzuschätzen ist. Hinzu kommt, dass wir mit Handelsbarrieren mit Europa zu kämpfen haben, die unserer Ansicht nach nicht fair sind und zu europäischen Handelsüberschüssen bei landwirtschaftlichen Produkten geführt haben. 

Sie spielen auf gentechnisch modifizierte Produkte an, für die Sie sich in ihrer Zeit als Landwirtschaftsminister stark eingesetzt haben und gegen die es in Europa starken Widerstand gibt.
Ja. Ein komplexes und mit starken Emotionen verbundenes Thema, bei dem man sich auch in Europa untereinander nicht einig ist.
Wenn wir eine wachsende Weltbevölkerung versorgen wollen, bei sich ändernden Klimabedingungen und Wassermangel und dabei gleichzeitig den Gebrauch von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln eindämmen wollen, müssen wir stärker auf wissenschaftliche Methoden setzen.

Wenn diese erprobt sind und die Gesundheit nicht gefährden, dann sollte Verbrauchern die Wahl überlassen werden. Wenn diese gentechnisch modifizierte Produkte ablehnen, wird sich der Markt entsprechend ausrichten. Aber ich bin dagegen, wenn Regierungen von vornherein diese Auswahl unterbinden. 

Wie wird der Handelskonflikt, besonders in der Landwirtschaft, die Vorwahlen im November beeinflussen?
Die Regierung hat relativ rasch mit der Ankündigung des Hilfsprogramms reagiert und so etwas die Spitze genommen. Zudem gibt es auf dem Land durchaus Verständnis für die Auseinandersetzung mit den Chinesen. Ich denke, dass die Auswirkungen auf die Vorwahlen deshalb gering sind. Besonders wenn die NAFTA-Verhandlungen zufriedenstellend abgeschlossen werden.

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