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Goldman Sachs "Wir sehen keine Anzeichen für eine Blase"

Die US-Banken strotzen wieder vor Kraft. Jörg Kukies, Co-Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs, spricht im Interview über Wachstumspläne, Korrekturen bei der Regulierung und die Nähe zu Donald Trump.

Goldman Sachs Deutschland: Jörg Kukies leitet die Bank gemeinsam mit Wolfgang Fink. Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Kukies, europäische Banken schwächeln, bei US-Instituten läuft es blendend. Was heißt das für Goldman in Deutschland?
Jörg Kukies: Wir wollen Marktanteile gewinnen. Unsere Kapitalbasis ist stärker als die vieler Wettbewerber, wir können deshalb große Positionen übernehmen und sind Partner bei wichtigen Transaktionen. In der Vermögensverwaltung und unserer Privatbank fließen uns Mittel zu. Gerade hier steht Deutschland im Zentrum unserer Strategie. Zudem investieren wir massiv in die Digitalisierung unseres Geschäfts.

Und Europas Banken fallen zurück?

Zur Person

US-Banken profitieren von ihrem großen, einheitlichen Heimatmarkt und zudem von der Aussicht auf steigende Zinsen. Das muss aber kein Dauerzustand sein. Wenn die europäische Bankenunion voranschreitet, die Institute ihre Altlasten weiter abbauen und ihre Kapitalbasis stärken, sind ihre Perspektiven deutlich besser, als es der Markt suggeriert. Es ist kaum vorstellbar, dass Banken dauerhaft so niedrig bewertet werden.

Die Kluft dürfte sich erst mal vergrößern. US-Banken profitieren davon, dass Donald Trump die Regulierung zurückdrehen will. Ihre Analysten haben gerade ausgerechnet, dass dies bei US-Banken mehr als 200 Milliarden Dollar Kapital freisetzen könnte.
Da ist noch vieles unklar. Bisher gibt es nur einen Auftrag an das Finanzministerium, Regeln zu überprüfen. Niemand weiß, was das Ergebnis sein wird. Im Einzelnen sind Änderungen auch gar nicht so einfach. Bei wichtigen Gesetzen müssen in den USA auch Teile der Opposition zustimmen.

Deutsche Bank verliert Anschluss an US-Riesen
US-Investmentbanken profitieren von Donald Trump, die europäischen Geldhäuser schwächeln weiter. Das zeigt eine Studie der Marktforschungsfirma Coalition, die zweimal im Jahr die Ertragslage der weltgrößten Investmentbanken untersucht. Die Daten beinhalten die Erträge der Geldhäuser aus den drei wichtigsten Feldern des Investmentbanken-Geschäfts: dem Anleihehandel, dem Aktienhandel und dem sogenannten Investmentbanking, zu dem Fusionsberatung sowie das Platzieren von Aktien und Anleihen für Kunden zählt. Wie die Institute derzeit dastehen. Quelle: dpa
Auf Platz zwölf steht wie auch schon im Vorjahr die Société Générale. Das französische Institut sticht dabei allerdings mit zwei Spitzenplätzen im Wertpapiergeschäft hervor. Bei Aktienderivaten (Platz zwei) und bei Termingeschäften (Platz 3) landen die Franzosen jeweils auf dem Treppchen. Quelle: REUTERS
MIT BNP Paribas steht auch auf Platz 11 ein französisches Institut. Auch das größte Geldhaus des Landes hat sich damit im Coalition-Ranking weder verbessern, noch verschlechtern können. Das Institut hatte erst im März angekündigt, das Investmentbanking in Deutschland ausbauen zu wollen. Quelle: dpa
Den neunten Platz im Ranking teilen sich zwei Institute. Die UBS hatte die Platzierung im Vorjahr noch exklusiv inne. Doch die Schweizer zeigten sich zuletzt etwas schwächer und mussten ihre beiden dritten Plätze bei den Geschäften mit Devisen und Derivaten abtreten. Quelle: REUTERS
Teilen muss sich die UBS den neunten Platz mit der HSBC, die sich damit um einen Platz im Ranking verbessert. Das in London ansässige, aber auf Asien fokussierte Institut hatte erst im März einen Führungswechsel eingeleitet. Quelle: dpa
Einen Platz abwärts geht es für die Credit Suisse, die vom siebten auf den achten Rang abrutscht. Im Geschäft mit verbrieften Krediten und Wertpapieren verlieren die Schweizer ihren dritten Platz. Quelle: dpa
Barclays hat mit der Credit Suisse die Plätze getauscht und verbessert damit sich vom achten auf den siebten Platz. Die Briten agieren in keinem Segment herausragend, allerdings in beinah jedem Geschäftsbereich auf Top-Ten-Niveau. Quelle: dpa

Mit Wirtschaftsberater Gary Cohn, Finanzminister Steve Mnuchin und seinem Stellvertreter James Donovan sind viele Ex-Goldman-Banker wichtige Mitglieder der Trump-Regierung. Sie werden für bankenfreundliche Regeln sorgen.
Die Annahme ignoriert die Tatsache, dass schon große Teile der bisherigen Regulierung nicht gegen die Banken, sondern im Konsens mit ihnen entstanden sind. Auch bei uns will niemand das Rad in die Zeit vor der Finanzkrise zurückdrehen. Es ist doch offensichtlich, dass es da falsche Anreize gab. Wir sind für mehr Stabilität und klarere Regeln.

Dann sind Anpassungen gar nicht nötig?
Es ist ganz natürlich, dass man nach acht Jahren Regulierung schaut, was erreicht wurde und wo es vielleicht unerwünschte Nebenwirkungen gibt. So ist die Liquidität wegen der Beschränkungen des Eigenhandels in vielen Märkten zurückgegangen. Für Investoren ist es heute oftmals gar nicht so einfach, größere Vermögenswerte zu verkaufen. Das gilt umso mehr, wenn die Stimmung an den Märkten krisenhaft ist. Hier haben die Banken früher als Puffer gewirkt. Das ist heute nur noch begrenzt möglich.

Gerade der Eigenhandel hat den Ruf der Banken ruiniert.
Es ist kaum möglich, klare Grenzen zu ziehen. Wenn wir einem Investor eine Anleihe abkaufen und kein Käufer direkt bereitsteht, nehmen wir sie erst mal auf unsere Bücher. Das kann man bereits als Eigenhandel betrachten. In jedem Einzelfall müssen wir ermitteln, wie wahrscheinlich wir einen Vermögenswert in absehbarer Zeit verkaufen. Das ist schwer zu prognostizieren und extrem komplex. Hier wären Klarstellungen sinnvoll. Ich bezweifle, dass Banken deshalb in rein spekulative Geschäfte zurückkehren. Da sind Hedgefonds vermutlich die geeigneteren Adressen.

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