E-Auto-Prämie: Elektroautos boomen in den USA – trotz gekürzter Subventionen
Zum Jahreswechsel sinken in Deutschland die Prämien für den Kauf von Elektroautos. „Die Ampel-Koalition zieht der E-Mobilität den Stecker“, warnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Da der Fördertopf zudem auf 2,5 Milliarden Euro gedeckelt sei, so Dudenhöffer, sei es gar nicht klar, ob die Kunden die Förderung auch tatsächlich bekommen würden, wenn das Auto ausgeliefert wird. Ist es damit schon vorbei mit der Elektroauto-Wende in Deutschland? Werden Elektroautos nur gekauft, wenn sie gefördert werden?
Dass das nicht zwingend so sein muss, zeigt das Beispiel USA. Zwar werden Elektroautos, Hybride und Wasserstofffahrzeuge dort schon seit vielen Jahren mit Steuergeldern subventioniert. Wichtigster Zuschuss ist eine Steuergutschrift von bis zu 7500 Dollar pro Fahrzeug. Die US-Bundesstaaten legen meist noch zusätzliche Gelder drauf. In Kalifornien sind es derzeit maximal 4500 Dollar, gestaffelt nach Einkommen der Käufer.
Doch die Steuergutschrift der US-Regierung ist pro Hersteller auf 200.000 Fahrzeuge gedeckelt. Tesla war der erste Hersteller, der die Kappungsgrenzen überschritt. Seit Jahresende 2018 ist die volle Bundesprämie für den Elektropionier ausgelaufen, wurde dann gekürzt und fiel Ende 2019 schließlich ganz weg.
Auch General Motors, das früh in Elektroautos einstieg, ist rausgefallen. Ende September läuft die volle Prämie in den USA dann auch für Toyota aus. Zwar haben die Japaner bislang kaum Elektroautos verkauft, doch sie haben ihre Quote durch Hybridfahrzeuge ausgeschöpft.
Tesla muss also schon seit über drei Jahren ohne den 7500-Dollar-Zuschuss auskommen. Seitdem hat sich der Absatz fast vervierfacht. 2018 lieferte Tesla 245.200 Fahrzeuge aus, 2021 waren es schon 936.172 Elektroautos. Für dieses Jahr werden 1,5 Millionen angepeilt.
Allerdings ist das der weltweite Absatz. Tesla weist ihn nicht nach Ländern oder Regionen aus. Doch Analysten wie die von Goodcarbadcar gehen davon aus, dass etwa dreißig Prozent der Teslas im Heimatmarkt USA verkauft werden. Im Jahr 2019, also nach dem Auslaufen der vollen Förderung, wurden hier tatsächlich weniger Teslas als im Jahr zuvor verkauft, allerdings nur ein Prozent. Das kann aber auch daran liegen, dass Kunden auf das Model Y warteten, das seit März 2020 in den USA ausgeliefert wird. 2020 ging der Absatz wieder durch die Decke – völlig ohne Bundesförderung.
Mehr noch: Tesla hat in diesem und vergangenen Jahr in den USA sogar die Preise für seine Fahrzeuge mehrfach erhöht. Und bis auf General Motors haben Wettbewerber wie Ford, Hyundai, Porsche, Audi, Mercedes oder Volkswagen einen Preisvorteil. Denn für die gilt weiterhin die volle Steuergutschrift. Trotzdem ist Tesla in den USA laut Kelley Blue Book mit weitem Abstand Marktführer, kontrolliert etwa 75 Prozent des Marktes.
Tesla kann die Nachfrage nicht mehr decken. „Wir haben kein Problem bei der Nachfrage, sondern bei der Produktion“, so Musk. In den USA betragen die Wartezeiten für Käufer derzeit bis zu einem Jahr. Geht es nach Elon Musk sollten die Subventionen gänzlich abgeschafft werden. „Die verzerren nur den Wettbewerb“, klagt der Tesla-Chef.
Allerdings hat Tesla viele Jahre von ihnen profitiert und tut dies immer noch durch Abgas-Gutschriften. Zwar kommen die von anderen Herstellern und sind damit keine Steuermittel. Aber sie sind gesetzlich verordnet. Allein im vergangenen Jahr waren das fast 1,5 Milliarden Dollar, purer Profit. Aber Tesla hat zumindest gezeigt, dass man die Käufer von Subventionen entwöhnen kann, wenn es sich um begehrte Produkte handelt.
Doch das Experiment wird wahrscheinlich Ende des Jahres wieder eingestellt. Denn US-Präsident Joe Biden will mit seinem „Build back better“-Förderpaket alternative Antriebe noch kräftiger fördern. Bislang stand sein Widersacher, der demokratische Senator Joe Manchin, dem im Wege. Doch der Parteifreund hat seinen Widerstand nun aufgegeben.
Wichtigste Regelung ist, dass die Kappungsgrenze von 200.000 Fahrzeugen entfallen soll. US-Politiker stören sich besonders daran, dass sie vor allem ausländischen Herstellern hilft, seit Tesla und General Motors ihre Quoten erreicht haben. Geht das Paket durch den Senat, soll es ab Januar wieder die volle Bundesförderung von 7500 Dollar für abgasfreie Fahrzeuge geben. Diesmal nicht als Steuergutschrift, sondern gleich als Rabatt beim Kauf. Beim alten Modell konnten Käufer die volle Gutschrift nur ausschöpfen, wenn sie mindestens 7500 Dollar Steuern zahlen mussten.
Die volle Förderung gibt es jedoch nur, wenn nicht nur die Fahrzeuge in Nordamerika hergestellt werden. Sondern auch das Gros der Batteriekomponenten. Inklusive einer Auflage, dass 40 Prozent der verwendeten Rohstoffe aus Ländern kommen müssen, mit dem die USA Freihandelsabkommen haben. Ein Passus, dass die Autos zudem in Fabriken gefertigt werden müssen, wo es Gewerkschaftsvertretungen gibt, wurde gestrichen. Gegen ihn hatte besonders Musk gewettert.
Die Förderung ist zudem nicht gedeckelt, soll für zehn Jahre gelten. Damit wollen US-Politiker die heimische Autoproduktion stärken. Doch die ohnehin gestörten Lieferketten dürften dadurch noch komplexer werden. Von der Konfusion beim Käufer ganz abgesehen.
Profitieren könnte allerdings auch Volkswagen, das seine Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee auf Elektroautos aufgerüstet hat, mit der Fertigung gerade begonnen und schon im nächsten Jahr eine Jahresproduktion von 100.000 Fahrzeugen erreichen will. Auch ihre Fabriken in Mexiko wollen die Wolfsburger auf Elektroautos aufrüsten. Wegen der Förderrichtlinien könnte es zudem Sinn machen, auch andere E-Modelle wie den Audi e-tron oder den Porsche Taycan in Nordamerika zu fertigen.
Die Lobbyisten der Autoindustrie setzten zudem durch, dass es Ausnahmen für die besonders lukrativen und nachgefragten SUV und Trucks gibt. Während normale Elektroautos nur dann gefördert werden, wenn ihr Verkaufspreis 55.000 US-Dollar nicht übersteigt, können SUV und Trucks bis zu 80.000 Dollar kosten. Davon dürfte vor allem Tesla mit seinem Kompakt SUV Model Y profitieren. Aber auch mit dem Cybertruck, der nächstes Jahr in Serie gehen soll.
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