China und die EU: Diese Grafiken zeigen: So abhängig ist Europa beim Handel mit China
Harte Töne hatte Ursula von der Leyen vor ihrer China-Reise in einer Grundsatzrede angeschlagen. Um auf die zunehmend aggressive Wirtschaftspolitik der Volksrepublik zu reagieren, wolle die EU die Beziehungen zu China neu ausrichten. Man müsse unabhängiger werden, um wirtschaftliche Risiken zu verringern, forderte die Chefin der EU-Kommission.
Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat schließlich gezeigt, wie schnell sich geopolitische Lagen ändern und damit auch wirtschaftliche Beziehungen massiv beeinflussen können. Nun wachsen die Sorgen über die Gefahren in der wirtschaftlichen Kooperation mit China.
Doch komplett sollen die Verflechtungen nicht gekappt werden. Es sei nicht im europäischen Interesse, sich von China ganz abzuwenden, so die Kommissionspräsidentin. Sie traf sich am Donnerstag zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Gesprächen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping – um Spielräume zu erkunden und um neue Initiativen voranzubringen, wie es vorab nebulös hieß.
China ist wichtigster Handelspartner
Die Zahlen zeigen: Seit Beginn des 21. Jahrhundert verzeichnet die Volksrepublik einen beispiellosen Aufstieg. Die EU wird zunehmend wirtschaftlich abhängiger. 2021 wurden zwischen der EU und China Waren im Wert von 696 Milliarden Euro gehandelt (Importe plus Exporte).
Für die EU ist China der wichtigste Handelspartner – noch vor den USA. Der Handel zwischen der EU und den USA hat in den vergangenen Jahren abgenommen und beträgt nur noch etwa 15 Prozent. Im selben Zeitraum hat sich das Außenhandelsvolumen zu China hingegen fast auf 16 Prozent verdreifacht.
Derweil klafft die Schere zwischen Im- und Exporten im China-Geschäft immer weiter auseinander. 2021 bezog die EU nahezu ein Viertel aller Importe aus China.
„Das Verhältnis von Importen zu Exporten gerät aus europäischer Sicht zunehmend in eine Schieflage. 2022 betrug das Handelsbilanzdefizit knapp 400 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel als im Jahr 2020. Chinas Streben nach mehr Eigenständigkeit wird diesen Trend weiter verschärfen“, sagt Martin Klose, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in China -Süd- und Südwest China:
Nicht nur ist die Volksrepublik ein wichtiger Lieferant für Rohstoffe, sondern gilt als Investitionsstandort für viele europäische Unternehmen. Bosch, Volkswagen oder auch BMW haben mittlerweile zahlreiche Beschäftigte und Teile ihrer Produktionen in China. So stiegen in den vergangenen Jahren auch die EU-Exportanteile nach China an. Die folgende Grafik zeigt die Exportanteile der EU und China im gegenseitigen Warenhandel im Detail:
Während von der Leyen vor der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China warnt, ist der französische Präsident mit einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation angereist. Zudem kündigte der französische Flugzeughersteller Airbus an, seine Produktion in China weiter auszubauen. Der Kurs Europas gegenüber China ist und bleibt eine Herausforderung.
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