Riedls Dax-Radar

Dax-Ausblick 2017: Guter Start und wackliger Ausgang

Mit großen Hoffnungen blicken Anleger ins neue Jahr. Die Deutsche Bank startet ihr Comeback. Spätestens im zweiten Halbjahr 2017 dürfte es zur Nagelprobe für den großen Aufwärtstrend kommen.

So viel schütten Dax-Konzerne 2017 aus
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Die Jahresendrally läuft. Trotz Brexit, Euro-Krise, Syrien-Krieg und Terror steuern die wichtigsten Aktienmärkte neue Höhen an. Schon allein dieser Befund ist für Anleger positiv zu werten – denn wenn die Märkte das Katastrophenjahr 2016 so gut überstanden haben, was soll sie dann noch schrecken?

Mehr noch: Mit ihrem zweiten Zinsschritt hat die Fed nun wohl endgültig die Zinswende eingeleitet. Der jahrzehntelange Abwärtstrend mit zuletzt sogar negativen Zinsen dürfte gestoppt sein. Auch das haben die Aktienmärkte verkraftet.

Und dann noch Trump. Monatelang galt er als Risiko für die Märkte, weil er an den Grundfesten der bisherigen Ordnungen in Wirtschaft und internationaler Politik rüttele und in Amerika sogar die Erfolgsgeschichte der wichtigsten Zukunftsbranchen in Frage stelle. Jetzt gilt Trump mit Liberalisierungsversprechen für die Finanzwirtschaft, Konjunkturprogrammen für Infrastruktur und Industrie sogar als Initiator der neuen Hausse.

Die Prognosen für 2017 sind optimistisch: In WirtschaftsWoche 53 lesen Sie, dass für die deutsche Wirtschaft ein Wachstum zwischen 1,2 und 1,8 Prozent erwartet wird, mit 1,4 bis 1,7 Prozent die Rückkehr der Inflation und im Durchschnitt ein Anstieg des Dax auf 12.000 Punkte.

Mit Trump bleibt die Politik ein Risiko für die Aktienmärkte

Es ist schon Tradition an den Kapitalmärkten, dass zum Ende eines Jahres der Ausblick aufs nächste versöhnlich ausfällt. Überschäumend ist er selten, denn niemand stellt sich gern mit blauäugigen Prognosen bloß, wenn es dann doch nicht so schön kommt. Doch richtig düster sind die Vorhersagen in der Regel nicht.

Dabei gibt es derzeit sehr wohl Risiken, die an den Aktienmärkten ihre Spuren hinterlassen können: Mit Trump hat sich das politische Risiko für die Börsen erhöht. Von überzeugten Börsianern wird gern der Spruch gebraucht, politische Börsen hätten kurze Beine. Das stimmt insofern, weil Börsen ihre eigene Logik haben und nicht parallel zum allgemeinen Krisengefühl auf- und abschwingen – wie sich 2016 wieder gezeigt hat.

Die Tops und Flops seit Januar

Andererseits sind Börsen vom großen politischen Rahmen abhängig. Im vergangenen Jahrhundert kam es zu drei nachhaltigen Hausse-Phasen: In den goldenen Zwanzigerjahren, in den Fünfzigerjahren und ab Anfang der Achtzigerjahre. In allen drei Phasen gab es politisch einen weiten Rahmen, der durch Liberalisierung, Wiederaufbau und großen wirtschaftlichen Freiräumen geprägt war. Wenn diese Voraussetzungen nicht stimmen, kommt es an den Märkten nicht zu einer nachhaltigen Hausse.

Bisher, so die vorherrschende Einschätzung an den Märkten, dreht Trump an den richtigen Stellschrauben. Besonders deutlich zeigt sich das an amerikanischen Bankaktien, die Schlüsselbranche, die besonders von der ins Auge gefassten Liberalisierung profitieren würde.

Doch Trump allein an solchen Versprechen festzumachen, kann schief gehen. Was passiert, wenn mit Trump eine neue Eiszeit gegenüber der wirtschaftlichen und politischen Großmacht China anbricht (die ganz nebenbei der größte Dollar-Investor ist)? Welche Folgen hat die demonstrative Bevorzugung landeseigener Unternehmen und das gleichzeitige Bashing ungeliebter Konkurrenten? Sind das nicht hochpolitische Eingriffe in das Wirtschaftsleben, die sich auf Dauer als kontraproduktiv erweisen können?

Janet Yellen hat kühl auf Trump reagiert, auf ihre Position bis Anfang 2018 gewiesen und darauf, dass sie sofort geldpolitische Konsequenzen ziehen werde, wenn Trumps Politik aus dem Ruder laufe. Und im Grunde ist das absehbar, denn Trump steht unter hohem Erfolgsdruck. Wirtschaftlich bedeutet das für die USA eine deutliche Erhöhung der Schulden.  Und zwei Dinge kann Trump dabei überhaupt nicht gebrauchen: Steigende Zinsen und einen zu starken Dollar. Aus dem politischen Risiko Trump wird damit ein konjunkturelles – und damit auch ein Risiko für die Anlagemärkte.

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