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Nach Air-Berlin-AusDas Airline-Monopoly nimmt Fahrt auf

Air Berlin ist vom Himmel verschwunden, die Lufthansa fliegt Rekordgewinne ein. Zurücklehnen kann sich der „nationale Champion“ aber nicht - denn noch kann die Übernahme an Brüssel scheitern. 01.12.2017 - 11:36 Uhr

Der Markt der Fluggesellschaften ist noch immer zersplittert.

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Deutschlands einst zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin ist Geschichte - doch das Airline-Monopoly nimmt weiter Fahrt auf. Die Konzentration wird nach der bislang größten Pleite einer europäischen Fluglinie weitergehen, sind sich Firmenchefs und Branchenexperten einig. Denn der Markt ist immer noch extrem zersplittert. Mehr als 160 Gesellschaften tummeln sich an Europas Himmel, und längst nicht jede hat eine eigenständige Zukunft, sagt etwa der erfahrene Airline-Berater Gerd Pontius.
Noch ist unklar, ob Air Berlin tatsächlich wie geplant zwischen Easyjet und Lufthansa aufgeteilt wird. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ist offenbar nicht gewillt, den Lufthansa-Deal zur Übernahme der Air-Berlin-Töchter LG Walter und Niki unverändert durchzuwinken. Besonders auf den österreichischen Ferienflieger Niki haben auch Thomas Cook (Condor) und IAG (British Airways, Iberia, Vueling) ein Auge geworfen - und in Brüssel viele Zweifel gesät.
Die Lufthansa hat an diesem Donnerstag ein Entgegenkommen angeboten, um die wettbewerbsrechtlichen Vorbehalte zu zerstreuen. Man wolle an großen Flughäfen wie Berlin oder Düsseldorf Start- und Landrechte abgeben, um dort Konkurrenzangebote zu ermöglichen, berichtete eine mit den Unterlagen vertraute Person.

Mit Air Berlin hat die zweitgrößte Airline Deutschlands Insolvenz angemeldet. Die Pleite bahnte sich seit längerem an: Das Unternehmen mit rund 8.600 Beschäftigten schrieb seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

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Air Berlin ist kein Einzelfall. Die goldenen Zeiten der Luftfahrt sind seit der Liberalisierung des Marktes, die in den 1980er-Jahren einsetzte, vorbei. Seitdem regiert ein knallharter Wettbewerb die Lüfte. Auch die Branchenkrise nach den Anschlägen des 11. September 2001 und das Aufkommen der Billigflieger sorgen dafür, dass viele bekannte Airlines in die Pleite gerutscht sind.

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Wie kein zweites Unternehmen stand „Pan Am“ für das glamouröse Jet-Zeitalter. 1927 flogen die ersten Postflugzeuge unter dem Namen zwischen Florida und Havanna. Schnell wurde das Unternehmen zu einer der größten US-Fluggesellschaften. Die Airline war eine der ersten, die Interkontinentalflüge anbot, und setzte zahlreiche Standards in der zivilen Luftfahrt. Das blau-weiße „meatball“-Logo von Pan American genießt bis heute Kultstatus.

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In den 1980er-Jahren begann der Stern von Pan Am zu sinken. Durch die Deregulierung des US-Marktes kamen zahlreiche Konkurrenten auf. 1988 wurde über dem schottischen Lockerbie eine Maschine durch einen Terroranschlag zum Absturz gebracht, was das Vertrauen der Öffentlichkeit erschütterte. 1991 folgte die Übernahme durch Delta Air Lines.

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Auch TWA gehörte zu den Pionieren der Luftfahrt. Gegründet 1930 als „Transcontinental and Western Air“, machte der exzentrische Milliardär Howard Hughes („The Aviator“) das Unternehmen zur zeitweise größten Airline der Welt. Hinter Pan Am war TWA die inoffiziell zweite Flaggschiff-Gesellschaft der USA. 1985 kaufte der Investor Carl Icahn TWA.

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In den 1990er-Jahren musste TWA zwei Mal in kurzer Folge Gläubigerschutz beantragen. 1996 starben beim Absturz einer Boeing 747 über dem Atlantik 230 Menschen. Die stark geschrumpfte Airline kam 2001 wieder in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von Konkurrent American Airlines übernommen.

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1931 gegründet galt die Airline wegen ihrer finanziellen Stabilität lange als „fliegende Bank“. Aufgrund der politischen Neutralität der Schweiz konnte SwissAir zahlreiche lukrative Ziele in Afrika und im Nahen Osten anfliegen.

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In den 1990er-Jahren versuchte die Airline, mit zahlreichen Übernahmen und Beteiligungen Marktanteile zu gewinnen. Dabei übernahm sich SwissAir, es häuften sich hohe Verluste an. Im Oktober 2001 mussten die Flugzeuge wegen Zahlungsunfähigkeit am Boden bleiben. Die Nachfolgegesellschaft Swiss International wurde 2005 von der Lufthansa übernommen.

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1923 wurde in Belgien die Fluggesellschaft Sabena („Societé Anonyme Belge d'Exploitation de la Navigation Aérienne“) gegründet. 1925 wurde die erste Verbindung in die damalige Kolonie Kongo aufgenommen, ein damals abenteuerliches Unterfangen. Auch nach der Unabhängigkeit blieb Sabena eine der wichtigsten europäischen Airlines.

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Zum Verhängnis wurde Sabena der Einstieg von SwissAir 1995. Deren Pleite 2001 riss auch die belgische Airline mit. Das Regionalgeschäft wurde als Brussels Airlines weitergeführt, die heute ebenfalls zum Lufthansa-Konzern gehört.

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Die ersten Flugzeuge unter dem Namen, benannt nach dem Mississippi-Delta, wurden 1924 im Südosten der USA zur Schädlingsbekämpfung auf Äckern eingesetzt. 1929 folgte der erste Passagierflug. Durch zahlreiche Fusionen wuchs das Unternehmen beständig zur größten Airline der USA.

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Anfang der 2000er-Jahre geriet auch Delta in Turbulenzen. Im September 2005 folgte der Insolvenzantrag. Nach einem harten Sparprogramm wurde die Airline 2007 aus dem Gläubigerschutz entlassen.

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Das 1930 gegründete Unternehmen hatte seinen Aufstieg vor allem den inneramerikanischen Verbindungen zu verdanken. 2001 wurde AA durch die Übernahme von Trans World Airlines zwischenzeitlich zur größten Fluggesellschaft der Welt.

Foto: Bloomberg News

Eine weltweite Krise der Luftfahrtbranche brachte auch American Airlines in Schwierigkeiten. Die Muttergesellschaft AMR musste Gläubigerschutz beantragen. Durch eine Fusion mit dem Konkurrenten US Airways 2013 konnte AA saniert werden und ist heute wieder eine der größten Fluggesellschaft der USA.

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Die 1986 gegründete Airline mit Sitz in Barcelona machte sich vor allem durch Inlandsflüge einen Namen. 2008 stürzte eine Spanair-Maschine auf dem Weg nach Gran Canaria am Flughafen Madrid ab, 154 Menschen starben. Von diesem Schlag erholte sich das Unternehmen nie. Auf ein Sparprogramm folgte 2009 der Ausstieg des Mehrheitseigentümers SAS. Im Januar 2012 stellte Spanair dann den Betrieb endgültig ein.

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Die 1946 gegründete Airline war 66 Jahre lang die nationale Fluggesellschaft Ungarns. 2007 verkaufte der Staat seine Anteile an den russischen Verbund AirUnion, 2010 wurde das angeschlagene Unternehmen jedoch wieder verstaatlicht. Im Februar 2012 musste Malev den Betrieb einstellen.

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Der indische Brauerei-Unternehmer Vijay Mallya gründete das Unternehmen 2004. Kingfisher wurde schnell die Nummer zwei auf dem Subkontinent, schrieb aber stets Verluste. 2011 wurde das Geld knapp, Löhne wurden nicht gezahlt. Im Oktober 2012 entzogen die Behörden der Airline die Lizenz. Mallya droht in Indien ein Prozess. Die Ermittler beschuldigen ihn, mit Kingfisher Kreditschulden von umgerechnet rund 1,37 Milliarden Dollar angehäuft und nie zurückgezahlt zu haben. Auch Geldwäschevorwürfe bestehen.

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Die Geschichte der italienischen Airline reicht ins Jahr 1946 zurück. 1948 folgte der erste Interkontinentalflug. Zu den bekanntesten Stammgästen von Alitalia zählt seit über 40 Jahren der Papst. Ab den 1990er-Jahren häuften sich die wirtschaftlichen Probleme, auch eine Teilprivatisierung brachte keine Lösung. 2008 stellte Alitalia zum ersten Mal den Antrag auf Insolvenz, im Folgejahr wurde das Unternehmen neu gegründet. Doch weder das noch der Einstieg von Etihad brachten langfristig Erfolg. Seit Mai 2017 ist Alitalia erneut insolvent und dürfte zerschlagen werden.

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Air Berlin war 2017 nicht das einzige Unternehmen in starken Turbulenzen. Die britische Monarch musste von einem Tag auf den anderen aufgeben, weil ihr nicht der Staat beiseite gesprungen ist. Die Slots von Monarch gingen an IAG und den aufstrebenden Billigflieger Wizz aus Ungarn. Der einst so stolzen Staatslinie Alitalia droht im kommenden Jahr trotz massiver Staatshilfe eine ähnliche Zerschlagung wie der Air Berlin. Auch in Rom hat die Scheich-Airline Etihad die finanzielle Unterstützung eingestellt.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr wurde unter anderem wegen des frühzeitig eingefädelten Air-Berlin-Deals zum „Manager des Jahres“ gewählt. Gleichzeitig hat er Tariffrieden mit seinen dauerstreikenden Piloten geschlossen und die belgische Brussels Airlines geräuschlos in den Konzern integriert.

Falls die EU-Kommission das Air-Berlin-Geschäft doch noch vor Weihnachten kartellrechtlich abnickt, hat Spohr sich einen großen Teil des nationalen Konkurrenten samt der wichtigen Flugrechte gesichert - ohne die hohen Schulden und das vergleichsweise gut bezahlte Personal übernehmen zu müssen. Selbst ein Teil-Übernahmeverbot für die Niki könnte der Kranich verkraften und sich die Flugrechte auf anderen Wegen sichern.
Dass sich Piloten und Flugbegleiter von Air Berlin neu bei der Lufthansa-Tochter Eurowings bewerben müssen, um ihre alten Flugzeuge zu schlechteren Konditionen weiter zu fliegen, hat die Gewerkschaften nachhaltig empört. Mindestens für das Personal scheinen die goldenen Zeiten der Luftfahrt vorbei zu sein, während sich die Lufthansa-Aktionäre auf einen weiteren Rekordgewinn freuen dürfen. Und die Passagiere zahlen vorläufig Höchstpreise für ihre Tickets, weil viele Air-Berlin-Jets bis zur Entscheidung aus Brüssel am Boden bleiben müssen.

Touchdown in Tegel

Um 23.58 Uhr setzte die Maschine in Berlin auf. Der letzte Flug mit Kennung „AB“.

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Ehrenrunden über Berlin

Die Flugroute über Berlin diente dazu, als wirklich letztes Flugzeug zu landen. Die Schleifen deuteten viele als die Form eines Herzens.

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Joachim Hunold

Mit an Bord: der ehemalige Geschäftsführer der Fluggesellschaft und Mitglied im Verwaltungsrat, Joachim Hunold. Er hatte in 20 Jahren an der Konzernspitze aus einer Mini-Gesellschaft mit zwei Flugzeugen die Nummer zwei in Deutschland gemacht, in ihrer Hochzeit mit mehr als 35 Millionen Passagieren und vier Milliarden Euro Jahresumsatz.

Der heute 68-jährige Düsseldorfer war es aber auch, der seine Firma durch Zukäufe und schnelles Wachstum in eine komplexe Struktur und Kostenfalle trieb, aus der sie nie wieder herauskam.

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Ende eines Kapitels deutscher Wirtschaftsgeschichte

Nach 39 Jahren mit teils rasantem Wachstum endet die Zeit von Air Berlin. Der letzte Flieger in Berlin-Tegel wird am späten Freitagabend gebührend empfangen.

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Gruß der Flughafenfeuerwehr

Mit Wasserfontänen wird normalerweise die Ankunft einer neuen Fluggesellschaft an einem Airport gefeiert - jetzt gilt die Geste einem letzten Flug.

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Spalier zum Abschied

Air-Berlin-Mitarbeiter nehmen Crew und Passagiere von AB6210 in Empfang.

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„Unsere AB“

Ein Schluck Sekt auf das Ende der Airline. Flug AB6210 ist der letzte mit Air-Berlin-Kennung, der auf einem Flughafen gelandet ist.

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Ein letztes Mal aussteigen

Passagiere verlassen den letzten Air-Berlin-Flug.

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Gruß aus dem Cockpit

Die Piloten David McCaleb, Roland Koch und Co-Pilot Kai Dede nach Absolvierung des letzten AB-Flugs.

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Abschied auf dem Vorfeld

Hunderte Mitarbeiter der insolventen Airline versammelten sich, um Abschied zu nehmen.

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Die Crew nimmt Abschied

Für viele Mitarbeiter war der letzte Arbeitstag hoch emotional und für viele gibt es keine Gewissheit über die berufliche Zukunft.

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Schokoherzen

Auch auf dem letzten Flug gab es noch den Abschiedsgruß für die Passagiere - ein Markenzeichen der Airline.

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In Tegel geparkt

Pilot David McCaleb posiert für ein Abschiedsfoto.

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„Last Flight 27.10.2017“

Von München nach Berlin ging der letzte Flug. In München erhielt die Crew Lebkuchenherzen vor dem Einsteigen.

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Geste zum Abschied

Crewmitglieder zeigen die Erinnerungsherzen.

Foto: dpa

Gruß aus dem Cockpit

Auch in Düsseldorf landete am späten Freitagabend noch eine Maschine. Die Piloten winkten zum Abschied aus dem Cockpit.

Foto: dpa

Das Ende von Air Berlin war der Auftakt, den deutschen und den europäischen Luftverkehrsmarkt neu aufzuteilen. Spohr reagiert auf den Siegeszug der Billigflieger mit einem schnellen Aufbau der eigenen Billigtochter Eurowings, die bereits im kommenden Sommer mehr als 200 Flugzeuge umfassen soll.
Easyjet wird nach der Genehmigung des Deals auch innerdeutsch unterwegs sein und dabei ein weit stärkerer Konkurrent werden, als es die sieche Air Berlin je sein konnte. An der Alitalia ist der neue Easyjet-Chef Johan Lundgren ebenso dran wie die Lufthansa.
Die zunächst vor allem auf Berlin beschränkten Briten können zudem wie die irische Ryanair auf attraktive Slots hoffen, die die Lufthansa möglicherweise noch als Kartellauflage freimachen muss. Ryanair muss allerdings zunächst selbstgeschaffene Probleme mit den Piloten lösen, die zunehmend gegen die extrem liberalisierten Arbeitsverhältnisse aufbegehren.

Air-Berlin-Insolvenz

Arbeitsagentur erwartet 4000 Meldungen

Die Geschäftsmodelle zumindest auf der Kurz- und Mittelstrecke werden sich immer mehr angleichen, erwarten Experten. Schon heute sind in der Holzklasse angebliche Premium-Carrier und Billigflieger nur noch in Nuancen zu unterscheiden. „Vorne eine echte Business-Klasse und hinter dem Vorhang Ultra-Lowcost ohne jedes Extra - das ist das Modell, das die Masse braucht“, sagt beispielsweise der Chef der erfolgreich sanierten Air Baltic aus Lettland, Martin Gauss.
Ob das auch auf längeren Verbindungen nach Übersee funktioniert, testen gerade Gesellschaften wie Norwegian oder die isländische WOW Air. Vorteile der harten Lowcost-Operation wie kurze Wendezeiten und geringe Übernachtungskosten für die Crews fallen bei langen Flügen aufgrund der Sicherheitsvorschriften weg. Außerdem wollen die eingesessenen Netzanbieter nicht schon wieder einen Trend verschlafen und halten mit eigenen Gesellschaften wie der Eurowings (Lufthansa), Level (IAG/British Airways) oder Joon (Air France) dagegen.

International versuchen die Airlines zudem, mit gegenseitigen Kapitalverflechtungen und Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures), den Wettbewerb zu minimieren. So sprechen beispielsweise Lufthansa und Air China ihre Flugzeiten ab und vereinheitlichen die Preise, um hinterher gemeinsam abzurechnen. Die Passagiere erhalten so zwischen China und Mitteleuropa zwar in beiden Richtungen ein weit gefächertes Angebot mit zahllosen Anschlussflügen, dürfen aber nicht auf niedrige Preise hoffen. Über den Nordatlantik, so berichtet Berater Pontius, werden bereits 82 Prozent der Tickets über die Joint Ventures verkauft. Von Europa nach Japan sind es 65 Prozent.
Weltweit betrachtet sieht sich die Branche weiterhin auf einem ungebremsten Wachstumskurs. Sie wird 2017 erstmals über 4 Milliarden Passagiere transportiert haben, ein Zuwachs von mehr als 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dem Airline-Verband IATA zufolge kletterten die Umsätze nach zwei schwachen Jahren wieder deutlich um über 5 Prozent auf insgesamt geschätzte 743 Milliarden US-Dollar. Besonders ertragsstark waren erneut die Airlines im konzentrierten US-Markt.

dpa
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