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Alice WeidelGehalt, Leben und politische Karriere der AfD-Kanzlerkandidatin

Alice Weidel tritt bei der Bundestagswahl als Kanzlerkandidatin für die AfD an. Es ist bereits ihre dritte Spitzenkandidatur im Bund. Ein Blick auf ihre Vita.Thomas Regniet 23.02.2025 - 17:55 Uhr

Alice Weidel bei einem Wahlkampfauftritt im Februar 2025.

Foto: Stefan Puchner/dpa

Nie standen die Vorzeichen für die AfD vor einer Bundestagswahl besser. In Umfragen ist sie aktuell zweitstärkste Kraft. Auch für Alice Weidel läuft es bei ihrer dritten Kandidatur im Bund besser denn je. Zum ersten Mal hat die AfD sie als alleinige Spitzenkandidatin nominiert. 2017 und 2021 musste sie sich den Posten noch mit Alexander Gauland und Tino Chrupalla teilen. Und das alles, obwohl ihre private Biographie der Parteilinie gänzlich entgegensteht. Alles Wichtige zu Alice Weidel und ihrer politischen Laufbahn im Überblick.

Alice Weidels Jugend, Ausbildung und Familie

Weidels Biographie beginnt in Ostwestfalen. Als drittes Kind eines Wirtschaftsingenieurs und einer Hausfrau wird sie am 6. Februar 1978 in Gütersloh geboren. Bis zum Abitur im Jahr 1998 wächst sie in der 25.000-Einwohner-Stadt Harsewinkel auf. Darüber hinaus ist über die Vita der Frau, die heute zu den einflussreichsten Rechtspopulistinnen Europas zählt, erst einmal wenig bekannt. Ihr Privatleben hält sie weitestgehend von der Öffentlichkeit bedeckt.

Ihre berufliche Laufbahn startet Weidel Anfang der 2000er zunächst in Bayreuth, wo die heutige AfD-Politikerin BWL und VWL studierte. Die kleine Fakultät aus Bayern verfolgt damals den Anspruch, eine eigene Generation an Wirtschaftswissenschaftlern auszubilden. Elitedenken und breites Methodenwissen statt vermeintlicher Standardkompetenzen und Massenunis, „Ökonomen Bayreuther Prägung“. Einer der Köpfe dahinter: Der Hochschullehrer Peter Oberender, Weidels späterer Doktorvater. Oberender, ein renommierter Volkswirt, der zu dieser Zeit mit Ideen zur Liberalisierung des Organhandels für Aufsehen sorgt, wird im Jahr 2013 zu den Unterzeichnern der Wahlalternative 2013 gehören. Die gilt heute als der Grundstein der AfD.

Weidel zieht es nach dem Abschluss des Studiums jedoch zunächst nach China, dann nach Frankfurt, in die Banken- und Finanzbranche. Als Analystin ist sie für verschiedene große Konzerne aktiv, von 2005 an beim US-Investment- und Wertpapierspezialisten Goldman Sachs. Später setzt sie die Tätigkeit bei der Allianz und Credit Suisse fort. Um ihre Dissertation zu schreiben, kehrt Weidel bis 2011 zu ihrem ehemaligen Hochschullehrer Oberender zurück. Und folgt ihm in die AfD.

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2015, damals schon als einflussreiches Parteimitglied der AfD, macht sich Weidel als Unternehmensberaterin selbständig. Ein anfängliches Plagiatsverfahren gegen Weidel, das infolge eines Berichts der Süddeutschen Zeitung zustande kam, endet 2023 ohne Ergebnis. Die Kommission der Universität Bayreuth lehnte die Eröffnung eines Hauptverfahrens zur Überprüfung des Plagiatsverdachts damals einstimmig ab. Ihren Doktortitel trägt die AfD-Politikerin daher weiter.

Weidel lebt offiziell in Überlingen am Bodensee, hat zudem eine Wohnung in Berlin. Für Kontroversen sorgt allerdings immer wieder ein Detail: Privat wohnt die 46-Jährige überwiegend in der Schweiz. Darüber berichten unterschiedliche schweizerische Medien, unter anderem die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), seit einigen Jahren regelmäßig. Unter der Adresse in Einsiedeln in der Schweiz soll ihre Lebensgefährtin Sarah Bossard gemeldet sein.

Der politische Werdegang von Alice Weidel

2013, einige Monate nach der Gründung der AfD, wird Weidel Parteimitglied. Wie in jungen Parteien üblich, ist ihr dadurch ein schneller Aufstieg möglich: Bereits zwei Jahre nach dem Eintritt in die AfD wird sie Mitglied im Vorstand der Bundespartei. Während viele der Mitglieder aus der Anfangszeit der AfD, darunter viele Ökonomen und einflussreiche Unternehmer, die Partei im Laufe der Jahre verlassen, bleibt Weidel. Zu denen zählen beispielsweise Bernd Lucke oder Hans-Olaf Henkel. Beobachter dokumentieren zu dieser Zeit eine zunehmende Radikalisierung der Partei.

Weidels Bedeutung in der AfD ist seither gewachsen, trotz zahlreicher innerparteilicher Konflikte. Zwei Jahre nachdem sie in den Bundesparteivorstand berufen wird, wählt sie der Parteitag (neben Alexander Gauland) zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017. Mit der AfD zieht Weidel in den Bundestag ein und wird Fraktionsvorsitzende. 2021 gelingt ihr an der Seite von Tino Chrupalla der erneute Einzug. Wieder als Spitzenkandidatin in einem Duo. Gemeinsam mit Chrupalla ist sie seit 2021 wieder Fraktionsvorsitzende der AfD im Bund. In dem Amt ist Weidel bis zur Bildung eines neuen Bundestages tätig. Seit dem Rückzug von Jörg Meuthen aus der AfD im Jahr 2022 zudem Co-Parteivorsitzende. 2025 tritt sie zum dritten Mal als Spitzenkandidatin bei einer Bundestagswahl an.

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Widersprüche und Kontroversen in Alice Weidels Biographie

Nicht nur, dass Weidel privat in der Schweiz lebt, ist Teil von Debatten um ihre Person. Die 46-Jährige lebt darüber hinaus in lesbischer Partnerschaft. Seit 2009 ist sie mit einer Fernsehproduzentin liiert. Die stammt gebürtig aus Sri Lanka und wurde im Kindesalter von einem Schweizer Pfarrerehepaar adoptiert. Mit Weidel und ihrer Partnerin leben nach eigenen Angaben zwei Kinder. Nachzulesen ist das unter anderem auf ihrer offiziellen Online-Präsenz beim Deutschen Bundestag. Bereits seit den Anfängen tritt die AfD jedoch für die Förderung eines klassischen Familienbildes ein.

Weidels persönliche Lebenssituation steht damit im Widerspruch zu ihrer Partei. Der AfD wird die Nähe zu ausländerfeindlichen, rassistischen und homophoben Positionen zugeschrieben. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld zur Mitte-Studie kam 2024 zum Ergebnis, dass etwaige Einstellungen auch unter den Anhängern der AfD überproportional vertreten sind. Weidel selbst sorgte bei Reden auf Parteitagen und im Bundestag über „Grapsch-Migranten“, „Kopftuchmädchen“, „alimentierte Messermänner“ und „sonstige Taugenichtse“ immer wieder für Kritik.

Der Verfassungsschutz stuft die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Die Partei verfolge Bestrebungen, die sich gegen die Menschenwürde einzelner Gruppen und gegen das Demokratieprinzip richteten.

Angesprochen darauf, dass die AfD die Förderung eines traditionellen Familienbildes vorsehe, im Widerspruch zu ihrer Partnerschaft mit einer Frau, ist Weidel in der ARD-Wahlarena sichtlich bemüht, zu beschwichtigen. Es handele sich lediglich um ein Leitbild, das sie ebenfalls teile. Die Partei sei jedoch gegenüber anderen Partnerschaften tolerant.

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Alice Weidels Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2025

Seit Januar 2025 ist Alice Weidel offiziell als Spitzenkandidatin für die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar bestimmt. Erstmals tritt sie dabei im Wahlkampf mit dem Label Kanzlerkandidatin auf. Eine Koalition mit der AfD, auch als Juniorpartner, schließen kurz vor der Wahl jedoch alle im Bundestag vertretenen Parteien aus.

Jüngste Umfragen schreiben Weidel und der AfD einen Anteil von 20 bis 22 Prozent bei den Zweitstimmen zu. Weidels Einzug ins Parlament gilt dabei als sicher. 2025 tritt sie über die Landesliste Baden-Württemberg an. Dort ist sie auf Rang eins gelistet.

Gehalt von Alice Weidel – Abgeordnetendiät und Nebeneinkünfte

Mit einem Brutto-Jahresgehalt von deutlich über 100.000 Euro gehört Weidel, wie auch alle weiteren Abgeordneten des Bundestags, zu den Spitzenverdienern in Deutschland. Monatlich stehen Weidel 11.227,20 Euro (brutto) zu, die sogenannte Abgeordnetendiät. Für Reisekosten, Ausstattung für Abgeordneten- und Wahlkreisbüro und andere laufende Kosten werden zusätzlich 5349,58 Euro (steuerfrei) ausgezahlt.

Oft kommt bei Politikern allerdings zu dem Abgeordnetengehalt noch etwas dazu. Das erklärt sich dadurch, dass sie oft für Reden und andere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen gebucht werden. Die gehören manchmal nicht zu der üblichen Abgeordnetentätigkeit und werden daher eigens bezahlt. In anderen Fällen sind Politiker weiter zeitweise in ihrem eigentlichen Beruf tätig, haben ein Unternehmen und erzielen so noch weitere Einkünfte. Oder sie schreiben ein Buch und verdienen am Verkauf mit.

Die Nebeneinkünfte müssen Bundestagsabgeordnete dem Bundestag melden, jedoch nicht in allen Teilen der Öffentlichkeit. Zwar sieht eine 2021 verabschiedete Novelle des Abgeordnetengesetzes vor, dass die Einkünfte aus Nebentätigkeiten offengelegt und auf der Seite des Deutschen Bundestages veröffentlicht werden können. Davon gibt es allerdings Ausnahmen und Freibeträge. Auf dem Profil von Alice Weidel beim Deutschen Bundestag ist aktuell kein veröffentlichungsverpflichtiger Zuverdienst genannt. Was die AfD-Kanzlerkandidatin nebenbei verdient, ist daher nicht bekannt. Eine Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die AfD-Abgeordneten im Schnitt 135.000 Euro pro Jahr dazu verdienen.

Politischer Lebenslauf von Alice Weidel im zeitlichen Überblick

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