Wahlprogramme Bundestagswahl 2025: Das planen die Parteien mit Ihrem Geld
Die SPD will die große Mehrheit der Einkommensteuerpflichtigen entlasten
Foto: imago imagesAlle Parteien werben in ihren Wahlprogrammen mit steuerlichen Entlastungen: Allerdings gibt es deutliche Unterschiede, wie diese aussehen sollen – und wem sie am Ende etwas bringen. Ein Überblick:
SPD
Die SPD verspricht der „arbeitenden Mitte der Gesellschaft“ in ihrem Wahlprogramm mehr Netto vom Brutto. Die Sozialdemokraten wollen die große Mehrheit der Einkommensteuerpflichtigen entlasten und dafür unter anderem Spitzeneinkommen und -vermögen stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls und der Modernisierung des Landes beteiligen. Ziel der SPD sei, dass am Ende etwa 95 Prozent der Steuerzahler durch eine Einkommenssteuersenkung mehr Geld in der Tasche haben.
Konkret möchte die SPD den Mindestlohn auf 15 Euro pro Stunde erhöhen. Zusätzlich will sie den Grundfreibetrag, auf den man keine Einkommensteuer zahlen muss, erhöhen und die Vermögenssteuer wieder einführen.
Das Mannheimer Leibniz-Institut für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat kürzlich berechnet, wie sich die Wahlkampfpläne der Parteien auf die Finanzen jedes einzelnen Bürgers auswirken. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dafür unter anderem untersucht, welche Folgen die zentralen Reformvorschläge der Parteien zu Steuern, Mindestlohn und Sozialleistungen für private Haushalte haben.
Laut den Berechnungen des ZEW würden die Pläne der SPD am Ende dazu führen, dass Haushalte mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 20.000 bis 30.000 Euro etwa 700 Euro mehr im Jahr zur Verfügung haben. Haushalte, die jährlich zwischen 80.000 und 100.000 Euro verdienen, könnten mit ungefähr 1400 Euro mehr rechnen. Anders ist es bei hohen Einkommen: Menschen, die derzeit 250.000 Euro oder mehr brutto im Jahr verdienen, sollen laut den Plänen der SPD mehr Einkommensteuer zahlen und auf knapp 9000 Euro verzichten.
Grüne
Ähnlich sieht es auch bei den Grünen aus: Haushalte, die über 250.000 im Jahr verdienen, sollen etwa 10.000 Euro weniger zur Verfügung haben. Haushalte mit einem Jahreseinkommen von 40.000 bis 55.000 Euro würden laut den Berechnungen des ZEW am meisten profitieren. Diese Haushalte könnten mit einem Plus von etwa 1100 Euro im Jahr rechnen.
Die Grünen planen ein Klimageld, das die steigenden Kosten für Benzin und Heizen durch die CO2-Besteuerung ausgleichen soll. Um die hohe Konzentration von sehr großen Vermögen zu bekämpfen, will die Partei Ausnahmen bei der Erbschaftssteuer für besonders große Erbschaften abschaffen. Außerdem setzen sich die Grünen unter anderem für die Einführung einer globalen Steuer für Milliardäre ein.
Die Grünen wollen die Menschen, die erwerbstätig sind, sowohl bürokratisch als auch finanziell entlasten. Dafür planen sie, die Pauschalbeträge, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen können, auf 1500 Euro zu erhöhen. Zusätzlich möchten sie den Solidaritätszuschlag direkt in den Einkommensteuertarif integrieren.
CDU
Die CDU plant laut ihrem Wahlprogramm, den Einkommensteuertarif schrittweise flacher zu gestalten und regelmäßig an die Inflation anzupassen. Außerdem soll ebenfalls der Grundfreibetrag erhöht werden. Allerdings soll auch die Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz deutlich erhöht und der Solidaritätszuschlag komplett abgeschafft werden.
Wenn Friedrich Merz seine Pläne umsetzen kann, könnten Haushalte mit einem jährlichen Einkommen zwischen 55.000 und 80.000 Euro etwa 900 Euro mehr im Jahr zur Verfügung haben. Am meisten würden jedoch die Menschen profitieren, die bereits hohe Einkommen haben. Spitzenverdiener mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 250.000 Euro pro Jahr könnten durch die Pläne der CDU über 13.000 Euro mehr erhalten.
Vor allem Singles mit einem Jahreseinkommen von 120.000 Euro brutto könnten finanziell stark profitieren. Ihr Plus würde bei etwa 4000 Euro im Jahr liegen.
AfD
Auch die AfD möchte in ihrem Wahlprogramm vor allem Spitzenverdiener belohnen. Wie die CDU und die FDP plant sie, den Solidaritätszuschlag vollständig abzuschaffen. Zusätzlich schlägt die AfD ein Familiensplitting vor. Dabei soll das Einkommen eines Haushalts bei der Steuererklärung auf alle Mitglieder, einschließlich der Kinder, aufgeteilt werden. Diese Regelung würde vor allem Familien mit mittleren und hohen Einkommen finanziell zugutekommen.
Laut den Berechnungen des ZEW könnten Haushalte mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von mehr als 250.000 Euro durch die Pläne der AfD rund 20.100 Euro mehr zur Verfügung haben. Menschen mit einem Einkommen zwischen 40.000 und 55.000 Euro würden am Ende des Jahres etwa 1000 Euro mehr haben.
BSW
Das BSW betont in ihrem Wahlprogramm die Notwendigkeit, Gering- und Normalverdiener zu entlasten. Ähnlich wie die SPD, die Grünen und die Linken plant die Partei, Personen mit hohen Einkommen stärker finanziell zu belasten. Haushalte mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 250.000 Euro pro Jahr müssten laut den Plänen etwa 5800 Euro weniger zur Verfügung haben. Menschen mit einem mittleren Einkommen von 40.000 bis 55.000 Euro könnten dagegen durch die Pläne von Sahra Wagenknecht ein Plus von etwa 1100 Euro im Jahr erwarten.
Laut dem Wahlprogramm sollen Einkommen bis zu 7500 Euro brutto steuerlich entlastet werden. Der steuerliche Grundfreibetrag soll erhöht werden, und mittlere Einkommen sollen durch den Spitzensteuersatz nicht mehr belastet werden.
Linke
Die Linke möchte die Einkommenssteuer für Menschen mit sehr hohen Einkommen deutlich anheben. Sie plant, eine Reichensteuer in zwei Stufen einzuführen. Für Einkommen, die oberhalb von 260.533 Euro liegen, soll ein Steuersatz von 60 Prozent gelten. Einkommen, die über 1 Million Euro liegen, sollen mit 75 Prozent besteuert werden. Einkommen, die weniger als 16.800 Euro im Jahr betragen, sollen steuerfrei bleiben.
Diese Pläne würden Menschen mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 250.000 Euro im Jahr rund 70.700 Euro kosten. Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 150.000 Euro würden dagegen finanziell profitieren.
FDP
Noch mehr als AfD und CDU will die FDP Gutverdienende entlasten. Neben der vollständigen Abschaffung des Solidaritätszuschlags plant sie, den Spitzensteuersatz erst ab einem Jahreseinkommen von 96.600 Euro, anstatt wie bisher ab gut 68.000 Euro gelten zu lassen. Die Freibeträge für die Erbschaft- und Schenkungsteuer sollen automatisch an die Inflationsrate angepasst werden. Die Freien Demokraten lehnen sowohl eine Vermögensteuer als auch eine Vermögensabgabe ab. Außerdem möchten sie im Rahmen einer Bürgergeldreform den Grundfreibetrag schrittweise um mindestens 1000 Euro erhöhen.
Diese Maßnahmen würden dazu führen, dass Haushalte mit einem jährlichen Einkommen von mehr als 250.000 Euro am Ende des Jahres etwa 21.000 Euro mehr zur Verfügung hätten. Im Gegensatz dazu würden Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 20.000 Euro im Jahr am Monatsende sogar weniger Geld übrighaben.
So viel kosten die Pläne den Staat
Während bei BSW, Linke, SPD und den Grünen ein Plus im Haushalt rauskommt, reißen CDU, FDP und AfD mit ihren Wahlversprechen Milliardenlöcher in den Haushalt. So würde die FDP laut ZEW ein Finanzloch von 116 Milliarden Euro verursachen, die Pläne der Union würden für ein Defizit von knapp 50 Milliarden Euro sorgen. Die Linke will mit einer hohen Vermögenssteuer große Überschüsse erzielen:
Lesen Sie auch: Dieses Duell gegen Olaf Scholz hat Friedrich Merz schon gewonnen