Anleihen: Ölpreisrutsch macht US-Hochzinsbonds madig

Anleihen: Ölpreisrutsch macht US-Hochzinsbonds madig

, aktualisiert 18. Januar 2016, 18:02 Uhr
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Wegen des drastischen Ölpreisverfalls stehen amerikanische Hochzinsanleihen vor einem schwierigen Jahr.

Quelle:Handelsblatt Online

Lange waren Ramschanleihen gefragt. Doch der drastische Ölpreisverfall macht Investoren nun einen Strich durch die Rechnung. Die schlechte Stimmung könnte auch auf den europäischen Hochzinsmarkt überschwappen.

FrankfurtAuf der verzweifelten Suche nach Rendite schreckten viele Anleger in den vergangenen Jahren auch vor Ramschanleihen nicht zurück. Papiere von Unternehmen, die aufgrund einer schlechteren Kreditwürdigkeit höher verzinst sind, gingen weg wie warme Semmeln.

Doch der Risikoappetit vieler Investoren hat einen Dämpfer erhalten - allen voran in den USA, wo der drastische Ölpreisverfall den Unternehmen im Energiesektor arg zu schaffen macht. Da gerade viele US-Öl- und Gasfirmen am so genannten High-Yield-Markt ihre Bonds im Umlauf haben, richten sich Kreditanalysten auf steigende Ausfallraten ein.

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"Amerikanische Hochzinsanleihen stehen vor einem schwierigen Jahr", prognostiziert Tobias Mock von der Ratingagentur S&P. "Und die Entwicklungen dürften auch den europäischen High-Yield-Markt nicht unberührt lassen."

Allerdings sollten die Bondausfälle hierzulande eher in Grenzen halten. "Unternehmen in Europa sind nicht exzessiv verschuldet, sie verdienen weiterhin Geld und haben ihre Fälligkeiten gut im Griff", konstatiert Steven Logan, Leiter Europäische Hochzinsanleihen bei Aberdeen Asset Management.

Hinzu kommt laut LBBW-Stratege Michael Köhler, dass es in Europa deutlich weniger Unternehmen gibt, die in der Öl- und Gasbranche ihre Geschäfte machen. S&P prognostiziert für europäische Hochzinspapiere 2016 einen Anstieg der Ausfallrate auf 2,4 Prozent nach 1,5 Prozent Ende vergangenen Jahres. Bei US-Papieren dürfte sie demnach bei 3,3 Prozent liegen nach zuvor 2,5 Prozent.


Öl so billig wie zuletzt vor knapp 13 Jahren

Zuspitzen könnte sich die Lage vor allem bei den Öl- und Gasunternehmen, von denen laut S&P rund 63 Prozent mit der Ramschnote "B+" und niedriger bewertet sind. So schoss die Rendite eines achtjährigen Bonds des Öl-Förderers Whiting Petroleum seit Ende November von neun auf fast 30 Prozent in die Höhe. Die BayernLB rechnet mit einem Anstieg der Ausfallraten im Öl- und Gassektor von rund fünf auf acht bis zehn Prozent.

Angesichts des rasanten Ölpreisverfalls müsse man sicherlich die Frage stellen, ob gerade Firmen schlechterer Bonität in den kommenden Monaten noch in der Lage seien, ihre Schulden zu bedienen, meint LBBW-Analyst Köhler. Aktuell notieren die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI unter der Marke von 30 Dollar je Fass - so billig war das schwarze Gold zuletzt vor knapp 13 Jahren.

In den USA stehen vor allem jene Konzerne im Kreuzfeuer, die mit Hilfe des technisch aufwändigen und teuren "Fracking"-Verfahrens Erdöl aus Schiefergestein herauslösen und sich nicht genügend gegen einen fallenden Ölpreis abgesichert haben.

Der Schieferölboom gilt als Hauptgrund für das Überangebot, das den Ölpreis seit Monaten auf Talfahrt schickt. Mit der Rückkehr des Förderlandes Iran an den Weltmarkt könnten sich die Ölschwemme und der Preisverfall nun noch einmal verstärken. Standard Chartered hält sogar einen Rückgang des Preises auf zehn Dollar in diesem Jahr für möglich.


Investoren ziehen Gelder aus US-High-Yield-Fonds ab

Wie nervös die Bond-Investoren inzwischen sind, zeigen die deutlichen Risikoaufschläge (Spread) für High-Yield-Papiere aus dem Energiesektor. Diese fielen zu amerikanischen Staatsanleihen mit mehr als 15 Prozentpunkten zuletzt so hoch aus wie noch nie. Nach Daten der Thomson-Reuters-Tochter Lipper zogen Investoren in der ersten Januar-Woche rund 809 Millionen Dollar aus Hochzins-Fonds ab.

In die als sicher geltenden US-Staatsbonds flossen im gleichen Zeitraum knapp 100 Millionen Dollar. Der LBBW zufolge kletterten die Zinsen für High Yield Bonds in den USA im Schnitt auf 9,05 Prozent nach 6,95 Prozent Anfang 2015. In Europa zogen die Renditen durchschnittlich von 4,52 auf nun knapp sechs Prozent an

LBBW-Analyst Köhler sieht - zumindest am Markt für europäische Hochzinsanleihen - in den steigenden Renditen aber auch etwas Gutes. Sie bieten in der anhaltenden Niedrigzinsphase mehr Chancen als Bonds besserer Bonität und die Risiken sind insgesamt noch verkraftbar, wie der Experte erklärt.

Positiv wertet er vor allem, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen derzeit alles anders als schlecht aussehen: "Die Konjunktur im wichtigen Absatzmarkt China mag schwächeln, aber sie wird nicht kollabieren." Hinzu kommt aus Köhlers Sicht, dass die niedrigeren Euro-Kurse die Geschäfte der vielen exportorientierten Unternehmen ankurbeln sollten.

Quellle:  Handelsblatt Online
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